* Saskia Katharina Krost * Saskia Krost *
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# SchreibeNet # Passion als Projekt - SchreibArt und Ausdruck
SchreibeNet ist ein privates Projekt, das aus der Leidenschaft zum Schreiben erwachsen ist und als kreativer Pool einer Einzelperson angesehen werden kann. Verschiedene Texte, Abhandlungen, Essays, Gedichte und Gedanken sind Inhalt dieser Site. Die Themen, denen hierbei Fokus und Aufmerksamkeit geschenkt wird, reichen von Alltagsphänomenen über Betrachtungen hiesiger Gegenwart, Realität und Überzeugung bis hin zu Spiritualität, Esoterik, möglicher Utopie und Ideal. Kreativer Ausdruck, innovativer Ansatz und individuelle Reflexion abseits ausgetretener Pfade werden in den Mittelpunkt gerückt, Individualisten, Querdenker und Freigeister wollen die Hauptrolle auf diesen Seiten spielen. Autoren und Fremdautoren inkl. ihrer kreativen Erzeugnisse wie Texte sind gern gesehener Gast, fester Bestandteil dieser Site und somit jederzeit willkommen. Entsprechende Kontaktaufnahme wird nicht nur offener Arme begrüßt, sondern ist sogar ausdrücklich erwünscht!
Die Wahrheit ist eine Braut ohne Aussteuer. Texte | Gedichte | Gedanken von Alltag bis Spiritualität.
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in eigener
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Fremdautoren
Weshalb diese Homepage?
Es
gibt zu diesen Tagen viele Menschen, denen die Worte unter den Nägeln brennen,
denen das Schreiben unbedingter Ausdruck und Leidenschaft ihres Herzens
bedeutet. Ich bin eine dieser vielen.
Es
gibt zu diesen Tagen viele Menschen, denen die Worte Geliebter und Kind zugleich
zu sein wünschen, Gefährten, die ihnen Heimat, Verständnis und Rückhalt
verheißen. Ich bin eine dieser vielen.
Zugleich
gibt es zu diesen Tagen viele, denen der Begriff "Mainstream" bis
hierher insofern eine fremde Vokabel bleiben sollte, als dass ihnen diese Welt
viel seltener den guten Stil, als viel häufiger ihre 'schwere Verkäuflichkeit'
attestiert. Ich bin eine dieser vielen.
Und
nicht zuletzt gibt es viele, denen es nicht das Wichtigste ist, wie alle zu
sein. Ich bin eine dieser vielen.
Einige
dieser vielen haben sich aufgemacht, ihren Geliebten bei der Hand zu nehmen, um
eigens Ausschau nach einer Bühne zu halten, die ihrer Liebe Schauplatz und
Spielfläche verspricht.
Ich bin eine von ihnen.
Was darf erwartet werden?
Grundsätzlich
alles und jedes als auch nichts und niemand. Tatsächlich habe ich diese
Site vorrangig mit dem Anliegen geschaffen, beliebigen Gedanken &
Empfindungen Plattform zu verschaffen, einer persönlichen Passion die Hände zu
entbinden sowie Stimme zu verleihen - zu teilen und mitzuteilen, was ein
weiteres Individuum dieser Erde bewegt.
Der
Rest ist eine Reise, die ihr Ziel erst unterwegs bestimmt.
Denn
ebenso wenig, wie es mir jemals recht gelingen will, solch beliebten Fragen á
la "Was sind Deine Hobbies?", "Wohin gehst Du in der Regel am
Wochenende?" oder "Was hörst Du für Musik?" zufriedenstellende
Antwort zu geben, derart schwer fällt es mir ebenfalls hier, in Aussicht zu
stellen, welche Inhalte diese Seiten letztlich füllen werden.
Und
dennoch: In gleicher Weise, wie auch ich ganz gewiss über geliebte
Freizeitbeschäftigungen, Musikvorlieben und/oder immer wieder aufgegriffene
Wochenendaktivitäten verfüge, werden auch diese Seiten letzten Endes ihre ganz
eigenen Wesenszüge tragen und zweifelsfrei meiner Person charakteristische
Inhalte beherbergen. Problem nur: Es fällt mir schwer, sie zu benennen. Mich in
den Schubladen dieser Welt wie in einem Penthouse zu fühlen.
Sicherlich
bin ich ein Mensch, dem Grenzen, beschneidende Norm, als auch zu eng gesteckte
Kategorie seit jeher ein Graus waren und dies über die Jahre gleichfalls
geblieben sind.
Insofern
galt mein Augenmerk zeitlebens jedoch viel weniger dem, was 'ist', als vielmehr
dem, was darüber hinaus 'sein kann'. Und insofern war das, was ich gestern
tat, kaum immer deckungsgleich mit dem, was ich heute tue, geschweige denn mit
dem, was ich morgen tun möchte.
Sicherlich
bin ich zudem ein Mensch, der Vielfalt & Facettenreichtum, stetige
Ausdehnung & Entwicklung nicht nur als Worte, sondern vor allem als einzig
berechtigte Maßstäbe begreift.
Insofern
war und bin ich aber unentwegt offen für das, was mir weiterhin begegnen und
seinerseits den liebevollen Bruderkuss schenken will.
Aus benannten Gründen möchte ich diese Seiten jedoch bereitwillig beliebigen Anspruchs und jeglicher Statuten entheben - und ihnen somit eventuell nachfolgende Eigenheiten duldsam durchgehen lassen...
Und sonst?
Bei
aller in Aussicht gestellter Farbigkeit wird sich eines nur schwerlich verbergen
lassen: Ja, mir ist die Spiritualität kein Fremdwort. Und auch dies ist kaum zu
leugnen: Ja, ich habe in meinem Dasein bereits durchaus nach dem Sinn des Lebens
gefragt. Und zwar nicht nur einmal.
Ergebnis
meiner konsequenten Suche nach Antwort ist ein Hier und Heute sicherlich ausgeprägter
spiritueller Background, der nicht zuletzt seinen Widerhall auf diesen Seiten
finden wird - so bedingt es mein Wesen. Sagen wir bei Gelegenheit einem Maler,
er solle sich geeigneten Ausdruck verschaffen ohne hierbei einen Pinsel oder
aber Farben zu benützen - er dürfte ganz gewiss seine Schwierigkeiten haben.
Dennoch
ist es mir bisher immer noch gelungen, ein halbstündiges Gespräch zu führen,
ohne die Vokabel 'Gott' fallen zu lassen. Es ist mir bisher immer noch gelungen,
einen vollen Abend auf einem Stuhl zu verbringen, ohne dass mein Körper flehend
nach dem Lotussitz verlangte - und es ist mir bisher immer noch gelungen,
mehrere Stunden im Flugzeug zu verweilen, ganz ohne hierbei Passagiere und
Besatzung zum gemeinschaftlichen Meditieren aufzufordern. Im Falle einer
Langstrecke wird es eng, ich gebe es zu...
Aber
im Ernst: Dies will meinen, dass die spirituelle Beschäftigung zwar sehr wohl
unleugbaren Teil meines Wesens ausmacht, nicht aber, dass sich mein Wesen auf
denjenigen Wesensteil der Spiritualität beschränkt.
Und
nicht zuletzt soll es Freunde und Bekannte geben, die noch nicht einmal das
geringste von derlei 'geheimen Neigungen' ahnen - ich scheine demnach tatsächlich
über ausreichend andere Gesprächsthemen zu verfügen...
Ich
hoffe, dass dies vorerst zumindest jeden dieser zu beruhigen weiß, der meine
Site zu diesem Zeitpunkt bereits fluchtartig verlassen hat, und der daher kaum
mehr zu erreichen ist...
Ansonsten
und für jeden Tapferen gilt: "Himmel und Hölle bekommt man zuweilen im
selben Sack!"
Was
bleibt zu sagen? Viel Vergnügen auf diesen Seiten,
Saskia
P.S.:
Diese Site findet sich in stetiger Erweiterung - wer wissen möchte, was sich
seit seinem letzten Besuch getan hat, bzw. was eventuell neu hinzugekommen ist,
gehe bitte auf
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Was ist neu?
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Diese
Seiten wurden für eine Bildschirmauflösung von 1024 x 768 konzipiert. Für
eine korrekte Darstellung der Webseiten müssen Frames darstellbar sein,
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was ist neu?
Ein fortlaufender Statusbericht dieser Homepage - der es hoffentlich überflüssig macht, sich jedes Mal erneut durch die Tiefen und Untiefen dieser Homepage zu arbeiten, um auf diese Weise - sowie im Angesicht äußerst unerquicklicher Fleißarbeit - gegebenenfalls noch Unbekanntes bzw. Unentdecktes für sich auszumachen.
Was ist neu und wo zu finden? Antwort gibt: [was ist neu] - Dieselbe Funktion erfüllt noch komfortabler: [SchreibeNet|Newsletter]
" Wer eigentlich hat unsere liebe Erde wie einen fetten Braten mit soviel Absurdität gespickt? " - Christa Schyboll. Lyrikerin, Aphoristikerin, Schriftstellerin, Eventmanagerin & freie Journalistin -
Das tägliche Leben als wundersame Inspirationsquelle inkl. kaum zu verachtendem Unterhaltungswert. Wie fragte mich einmal jemand? "Du nimmst das Leben aber nicht besonders ernst, kann das sein?" Es wäre sicherlich schön, wenn ich dieses oder ähnliches von mir behaupten könnte. Aber wie heißt es so schön? Humor ist, wenn man trotzdem lacht. In diesem Sinne...
[Kennste, haste, weißte...] [Partnerwahlen] [Ringelpiez mit Anfassen]
" Während die Weisen grübeln, erobern die Dummen die Festung. " - aus Serbien -
Und siehe da: Hier wird es schon nachdrücklicher. Fragen an das Leben, das Leben auf dem Prüfstand, die Gegenwart im Gerichtssaal berechtigter Sinnfrage. Überraschen sollten uns meines Erachtens dennoch nicht unsere gelegentlich auftauchenden Lebensfragen - sondern vielmehr, weshalb wir nicht viel öfter mit ihnen beschäftigt sind. Aberwitz als zukunftsweisendes Lebenskonzept? Ich möchte nach wie vor anderes hoffen...
" Du hast von mir Briefe bekommen, sie sind dein Leben lang... " - Erich Limpach. Dichter, Schriftsteller & Aphoristiker -
Liebeswehen, Herzensdinge, Verlangen, Sehnsucht und Leidenschaft. Gibt es Dinge, mit denen wir vergleichbar beschäftigt sind? Ich glaube kaum.
Aber: Womit auch?!
[poetries] [ankommen] [LiebesLettern] [Entfernung] [Wünsche] [Liebe Liebe]
"
Das Leben ist nur ein Moment, der Tod ist auch nur einer. " -
Johann Christoph Friedrich von Schiller. Dichter & Dramatiker -
Ich habe es prophezeit - hier kommt die geballte Ladung: Spirituelles bis zum Knock-out und Abwinken, Himmlisches & Geistiges bis hin zu Unwohlsein und zu latentem Schwindel. Ich übertreibe? Ganz bestimmt.
Herzstück dieser Kategorie sind sicherlich die (Wider)Sinne - mir selbstauferlegte Therapie zum Umgang mit der ganz regulären Narretei...
Mangelnder Bezug|Desinteresse|blankes Unverständnis? Macht nix. Geht mir bisweilen kaum anders...
[Warum
Spiritualität] [(Wider)Sinne]
[Ein
ganz normaler Tag] [Think
Pink] [Spiritualität
und Finanzen] [Geliebter
Seelenfreund] [Die
Sache mit dem Karma] [Spirituelle
Bedingungssätze] [Ich
bin wir]
[Selbstbilder]
[Jenseitige
und andere Welten] [Reversible
Spiritualität]
Utopien
eines Morgen
" Unsere Visionen beginnen mit unseren Wünschen. " - Volksweisheit -
Utopien braucht diese Welt - nahezu mehr noch als Bewusstsein. Denn für ein anderes Leben müssen wir uns zuallererst ein anderes erdenken. Eines erweist sich hierbei jedoch als ewiges Gesetz:
"Die Utopisten von heute sind die Realisten von morgen." [dr. phil. Gerald Dunkl]
[Warum
macht Arbeiten dumm] [Zärtlichkeit
und Treue] [Joytopia]
[Das
Paradies sind wir]
" Meine Gedanken und Erkenntnisse dem Leben ablauschen... " - Elmar Kupke. Aphoristiker & Stadtphilosoph -
Die Seele am Kneipentresen sozusagen, ungeschönt, freimütig, und kaum in der Verfassung für rationale Selektion.
Das ewig volle Glas, eine fiktive Zuhörerschaft und den Traum von kopfnickendem Verständnis - was braucht man schließlich mehr?
[poem]
[Wie
oft] [Trost]
[Bitte]
[Fernweh]
" Man erkennt den Autor aus der Schrift vielleicht deutlicher als aus dem Leben. " - Johann Wolfgang von Goethe. Dichter, Naturwissenschaftler & Staatsmann -
Quer-, Vor- und Andersdenker - die stillen Revolutionäre dieser Welt.
poets * thinker * libertines - das Wort an Dichter, Denker & Freigeister.
[Im
Spiegel der Lyrik] [Ich
krieg' ne Krise] [Chaotify
your life!] [Wenn
der Schuh passt]
" Was tun? Spricht Zeus. " - Johann Christoph Friedrich von Schiller. Dichter & Dramatiker -
° Interessantes | Bekanntes | Beachtenswertes °
[...]
" Innerhalb eines geschlossenen Systems nimmt das Chaos mit der Zeit zu. " - Zweiter Hauptsatz der Thermodynamik -
Ungehinderte
Unaufgeräumtheit und das regellose Allerhand - die Statuten dieser Kategorie.
Demnach ausreichend Platz für alles, was Freude macht, diskussionsfrei auf die
anständige Homepage dieser Tage gehört, oder aber aufgrund akuter
Unzuordbarkeit dringendst eine eigene Rumpelkammer benötigt...
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" Er setzte sich an eines Tisches Mitte, nimmt zwei Bücher - und schreibt das Dritte. " - Wilhelm Busch. Zeichner, Maler & Schriftsteller -
Ein kleines Archiv kreativer Aufgebote aus dem Leben der Frau Saskia K.. Have a nice time...!
[Märchen vom Chamäleon] [Gedichte|Gedanken]
"
Von sich selber reden, ist für die meisten Menschen die Quintessenz der guten
Unterhaltung. " - Erich
Limpach. Dichter, Schriftsteller & Aphoristiker -
Und auch ich will hier eventuelles Laster als unbedingte Tugend vertreten...
Demnach: Viel Freude mit dem, was Ihr nie wissen wolltet, und ausreichend Spaß bei dem, das unter Umständen gerecht das Attribut 'ausufernd' verdient: C'est moi...!
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Kennste, haste, weisste
Es gibt da diesen Typus Mensch, den ich
gerne als den "Kennste-Haste-Weißte"-Mensch bezeichne. Eine kuriose
Spezies, deren Motivation mir bis heute nicht vollends transparent geworden ist.
Und dennoch: Die Begegnung mit diesem Typ verspricht Spaß und Unterhaltung.
Vorrangig für ihn.
Und nicht zuletzt
wird sich das Ego freuen. Nämlich seines.
Unseres hingegen
weniger. Unser eigenes Ego wird es vielmehr vorziehen, sich für den Rest des
Disputs größtmöglich zurückhaltend zu präsentieren. Und sich bestenfalls
seinen Teil denken. Sofern unser Ego nicht bereits ausgewandert ist. Dies, um
fortan nur noch fernmündlich mit uns zu kommunizieren. Solange, bis wir ihm
endlich versprechen, ihm künftig zur Seite zu stellen, was wir bisher
zweifellos versäumten: Wissen. Ahnung. Kenntnis. Das einzig geeignete Rüstzeug
für die Begegnung mit dem Kennste-Haste-Weißte-Mensch.
Wissen ist Macht?
Oder: Hat da vielleicht doch jemand etwas nicht ganz richtig verstanden?
Merke: Viele
Menschen definieren sich über ihr Wissen. So auch der Kennste-Haste-Weißte-Mensch.
Manche Menschen
gehen nun noch einen Schritt weiter und definieren nicht nur sich selbst,
sondern auch jegliches Gegenüber über ihr Wissen. Vergleiche: Der
Kennste-Haste-Weißte-Mensch.
Und nicht zuletzt
gibt es einige wenige Menschen, denen persönliches Wissen zum Maßstab für
alles und jedes geworden ist. Darf ich vorstellen: Der Kennste-Haste-Weißte-Mensch.
Der
Kennste-Haste-Weißte-Mensch charakterisiert sich somit in erster Linie dadurch,
dass die Fragen "Kennste?" – "Haste?" – "Weißte?"
die am häufigsten gebrauchten Vokabeln seines Wortschatzes sind. Demzufolge
wird er auch jedes Gespräch großzügig mit ihnen anzureichern wissen. Doch
Achtung: Er verlangt Antwort. Keinesfalls haben wir es hier mit rein
rhetorischen Fragen zu tun. Der Austausch mit dem Kennste-Haste-Weißte-Mensch
sollte daher auch niemals unterschätzt werden. Tatsächlich befinden wir uns in
genau diesem Moment auf dem gnadenlosen Prüfstand.
Das Abfragen von
Wissen, Ahnung und Kenntnis bedeutet dem Kennste-Haste-Weißte-Mensch im
eigentlichen unverzichtbares Werkzeug innerhalb einer Welt, die von Unwissen,
Unbelesenheit und/oder Uncoolness regiert wird. Vielleicht seine größte Angst:
unwissend, unbelesen und/oder uncool zu sein. Hingegen sein größtes Plus:
wissend, belesen und (nicht: oder) cool zu sein. Gleiche Persönlichkeitsmerkmale
verlangt er jedoch auch jedem ab, den er als annähernd geistesverwandt oder
wenigstens einigermaßen gleichberechtigt anerkennen will. Mit anderen als
solchen gibt er sich aber nur ungerne ab.
Goldene Faustregel:
Ich bin nicht, was ich bin – ich bin, was ich weiß. Und in gar keinem Fall
bin ich, was ich verstehe – nein, ich bin, was ich weiß. Und Du übrigens
auch.
Ein Dialog mit dem
Kennste-Haste-Weißte-Mensch gestaltet sich demzufolge in etwa so (es spricht
zuerst der Kennste-Haste-Weißte):
"Grüße Dich,
ich bin der Keanu. Du fragst Dich jetzt bestimmt, woher der Name kommt. Kennste?"
– Schon mal gehört.
"Ist ja ein
ganz bekannter Name. Meine Eltern haben mich damals auf Hawaii gezeugt, und
Keanu bedeutet auf hawaiianisch 'die kühle Brise über den Bergen'. Kennste
Hawaii?"
– Hmm, war aber
noch nicht da.
"Hawaii muss
man einfach kennen. Ein berühmter Schauspieler heißt ja auch Keanu. Kennste?"
- Ja.
"Seinen letzten
Film fand ich klasse. Haste gesehen?"
- Glaub schon.
"Und, wie
fandest Du die Szene mit dem Lastwagen? Weißte welche?"
- Kann mich jetzt
nicht genau erinnern.
"Aber der Joke
mit der Tomate war doch spitze. Haste mitgekriegt?"
- Hmm, weiß jetzt
nicht.
"Es gibt ja
auch das Buch zum Film. Mega beeindruckend. Haste gelesen?"
- Nee.
"Aber lesen
tust Du doch, oder? Kennste Sakrileg von Dan Brown? Haste Illuminati?
Weißte wer Dan Brown ist?"
- Hmm.
"Und, wie
fandste?"
- Gut.
"Weißte, dass
die Frau von Dan Brown Kunsthistorikerin ist?"
- Nee.
"Wie
bitte?"
- Nein!
"Aber, was
Kunsthistorik ist, weißte, oder?"
- Ja.
"Total
interessant. Haste Dich damit schon mal beschäftigt?"
- Bisschen.
"Hier, Dings,
kennste Raffaelo Santi? Diesen italienischen Maler der
Hochrenaissance?"
- Nee.
"Ganz bekannt.
Hat Madonnen und Fresken gemalt. Was Madonnen sind, weißte aber?"
- Ja.
"Da fällt mir
ein: Madonna – haste das neue Video gesehen?"
- Hmm.
"Und, den
Typen, der im Background tanzt, kennste?"
Für die nächsten
Stunden werden wir einander aber nicht kennen lernen, sondern unser Wissen
abgleichen. Von Resultat und Ergebnis vorliegenden Kompatibilitätstests wird
zudem abhängen, ob überhaupt Basis besteht, uns künftig auch nur unter Umständen
näher kennen zu lernen. Was natürlich nicht wir entscheiden. Dies entscheidet
der Kennste-Haste-Weißte-Mensch. Besser gesagt: Er wird uns jedwede Beurteilung
in dieser Sache zuvorkommend abnehmen. Was nur angemessen scheint, denn: Er
kennt, er hat und er weiß. Was auch immer.
Eine Frage konnte
ich mir hierbei bis heute nicht beantworten: Hat der Kennste-Haste-Weißte-Mensch
nun ein übersehr ausgeprägtes Ego oder hat sein Ego gar Komplexe? Ich bin mir
nicht sicher. Eine Herausforderung bleibt die Begegnung mit ihm allemal. Nicht
zuletzt für mein Ego, siehe oben.
Gleichzeitig ist die
Bedürfnisbefriedigung des Typs "Kennste-Haste-Weißte" eine sensible
und äußerst diffizile Angelegenheit. Nicht nur, dass wir wissen sollten –
und zwar nicht das, was wir wissen, sondern das, was er weiß
(bitte nicht zu verwechseln!) – wir sollten zeitgleich keinesfalls zuviel
davon wissen. Denn auch wenn wir ganz bestimmt nicht der richtige Gesprächspartner
für ihn sind, wenn wir rein gar nichts wissen - dies, da ihm zweifellos nicht
gewachsen – wissen wir zuviel (bitte unbedingt zu beachten!), sind wir
noch viel weniger sein Freund. In diesem Fall wird seine abschließende
Endauswertung nämlich ergeben: Wir sind arrogant. Folglich werden wir ihn
jedoch nie wiedersehen.
In gleicher Weise
ist bitteschön unbedingt davon abzusehen, uns gänzlich immun und unbeeindruckt
von seinem Wissen zu zeigen. Gleich, ob wir nun selbst wissen, oder auch nicht.
Zeigen wir uns nämlich gänzlich immun und unbeeindruckt von seinem Wissen,
wird sich sein abschließendes Werturteil kaum von vorhergehendem Moment
unterscheiden: Hochmut kommt vor dem Fall. Oder aber: Wir sind unerträglich
arrogant. Auch auf diese Art werden wir ihn daher nie wiedersehen.
Wünschen wir aber,
uns im Angesicht des Kennste-Haste-Weißte zumindest die Option auf ein
Wiedersehen, näheres Kennenlernen und/oder ähnliches offen zu halten, sollten
wir uns tunlichst mit den Regeln geeigneter Gesprächsführung mit diesem Typus
vertraut machen. Oben angeführtes Beispiel kann uns hierbei als gehaltvoller
Leitfaden gelten. Denn einerseits wird uns in diesem Sinne größtmögliche
Geduld und Ausdauer abverlangt sein [siehe oben: der Kennste-Haste-Weißte-Mensch
führt gern ausufernde Monologe, die sein Wissen adäquat repräsentieren],
andererseits werden wir uns immer wieder als Meister der blitzschnellen und überaus
flexiblen Reaktion erweisen müssen. Denn, siehe oben: Der Kennste-Haste-Weißte
wird in seinen Ausführungen kaum vergessen, uns mittels unerwartet und überraschend
eingeflochtener Lieblingsfragen kontinuierlich wie eingehend unter die Lupe zu
nehmen. Dies allein, um auf diesem Weg zuverlässig unseren Wissensstand zu
ermitteln.
Die so trügerisch
unschuldig anmutenden und unermüdlich wiederkehrenden Wörtchen
"Kennste?" – "Haste?" – "Weißte?" entscheiden
demnach jedoch über unser gesamtes weiteres Sein und Werden. Wenn wir aber in
diesen wesentlichen Momenten versagen, werden wir auf ganzer Linie versagt
haben. Denn wenn wir gar allzu wenig kennen, nicht haben und nicht wissen, wird
uns der Kennste-Haste-Weißte-Mensch kaum für ein interessantes, lukratives
Investitionsobjekt befinden. Wir sehen ihn also nie wieder, vergleiche oben.
Und nicht zuletzt
macht es sich immer gut, gelegentlich gänzlich ungefragt die Gesprächsleitung
zu übernehmen. Souverän, bescheiden, devot. Nicht zu dünn auftragen, nicht zu
dick, dem Kennste-Haste-Weißte nie die Oberhand streitig machen, uns aber
gleichzeitig unbedingt als ebenbürtig sowie außerordentlich verständig
erweisen. Schwierig. Jedoch lohnend. Beachte: Wir können einen
Kennste-Haste-Weißte als Freund gewinnen. Dies aber verspricht unserem Ego
ungeheuren Auftrieb. Es wird das selbstgewählte Exil hiernach nie wieder in Erwägung
ziehen müssen.
Ich persönlich gehe
dem Kennste-Haste-Weißte-Mensch mittlerweile aus dem Weg. Ich mache in seiner
Begegnung einfach alles verkehrt. Nicht nur, dass ich nichts kenne, nichts habe
und nichts weiß – sicher nicht ganz unbeeinflusst von dem Umstand, dass ich
mir schlichtweg nichts merke - und nicht nur, dass ich mich allzu sehr immun wie
unbeeindruckt von dem Wissen jedwedes Kennste-Haste-Weißte zeige, nein, darüber
hinaus habe ich auch noch meine ganz eigenen Ansichten über das
Kennste-Haste-Weißte-Prinzip. Ansichten, die jedoch keinem Vertreter der Art 'Kennste-Haste-Weißte'
so recht schmecken möchten. Ich habe deshalb so oder so noch nie einen von
ihnen wiedergesehen.
Tatsächlich bin ich
nämlich der Auffassung, dass es kein besonderer Verdienst ist, sich Wissen
anzueignen. Sprich: lesen zu können. Ich meine zudem, mich zu erinnern, dass
dies eine Fähigkeit ist, die ein Großteil westlicher Bevölkerung bereits im
Grundschulalter erwirbt. Aber ich bin mir wie gesagt nicht ganz sicher, daher
keine geschützte Information.
Und nicht zuletzt
halte ich Kennen und Verstehen, Wissen und Einsicht, noch immer für zwei
getrennte Paar Schuhe. Und weiß, wem ich hierbei meinen eindeutigen Vorzug
gebe.
Und Wissen bar jeder
Einsicht und frei von Verständnis? In meinen Augen bloßer Humbug.
Aus diesem Grund bevorzuge ich heute jedoch den Typus "Ich-bin-mein-Terminkalender". Auch eine interessante Spezies. Nicht ganz so kompliziert, wenn man weiß, wie zu handhaben. Doch zu dieser Spezies vielleicht an anderer Stelle mehr. Dennoch darf ich vorab ja schon mal fragen: Kennste?
Partnerwahlen
Wenn es darum geht, himmlischer Fügung
ihr Geheimnis zu entlocken und für uns unzweifelhaft in Erfahrung zu bringen,
ob uns in eben diesem Moment gottgegebene Bestimmung, die eine Liebe unseres
Lebens, unser formvollendetes Glück gegenübersitzt – Kismet, das sich jeder
Vernunft und allen weiteren Überlegungen entzieht, lauten unsere Fragen in etwa
so: "Was trinkst Du am Morgen – Kaffee oder Tee?" – "Hast Du
Abitur gemacht? Studiert? Was machst Du beruflich?" – "Was sind
Deine Hobbies?" – "Du rauchst und trinkst doch nicht?" -
"Kannst Du das Wort 'Xylophon' buchstabieren?" – "Wie oft
wechselst Du Deine Unterhosen?"
Erst aber, wenn
sowohl augenscheinliche Prüfung als auch umfangreicher Frage-Antwort-Katalog
positiven Bescheid und ausreichend Übereinstimmung erfahren haben, werden wir
himmlische Fügung - Kismet, das sich jeder Vernunft und allen weiteren Überlegungen
entzieht, als solches auch anerkennen. Und unsere gottgegebene Bestimmung, die
eine Liebe unseres Lebens, unser formvollendetes Glück endlich auf ewig in die
Arme schließen. Vorausgesetzt, derjenige oder diejenige ist anhand
vernunftgetreuen Testverfahrens zuvor zu selbem Ergebnis gelangt, versteht sich.
Sollten messbare Übereinstimmungen
hingegen gar zu knapp ausfallen oder äußerst zu wünschen übrig lassen, und
auch unsere augenscheinliche Prüfung kaum zufrieden sein mit dem, was sie
sieht, dann kann es sich beileibe nicht um Kismet handeln. Und schon gar nicht
um himmlische Fügung.
Denn wenn Gott uns
– dem studierten, kaffeetrinkenden Volljuristen, der weder trinkt noch raucht,
gerne liest, bevorzugt Anzüge trägt und Gewalt verabscheut (und der außerdem
jeden Tag mehrmals seine Unterhosen wechselt) – den raufenden, rauchenden,
trinkenden Bauarbeiter, der weder Tee noch Kaffe, sondern ausschließlich
Schultheiss trinkt, der Jeans in allen Formen und Farben sein eigen nennt, und
der das Wort 'Volljurist' weder zuverlässig lesen noch schreiben kann, (und über
dessen unterwäschetechnischen Habitus wir weiterhin keine gesicherte Aussage
treffen können), wenn Gott uns (!) allen Ernstes so jemanden vor die
Nase setzt, dann kann dies nur zweifellos ein Irrtum sein. Keinesfalls aber
Kismet. Geschweige denn das Glück unseres Lebens. Und wenn da einer noch so
anziehend wirken mag. Mit Anziehungskraft allein zahlt man nun mal keinen
Bausparvertrag ab.
Ohne dem kann ich
aber nicht glücklich werden. Niemals. Das weiß auch Gott.
Manchesmal
beschleicht mich die Ahnung, dass das, was wir Liebe nennen, nicht Gefühls-
sondern reine Vernunftgeburt ist. Dass Liebe steuerbar ist und tagtäglich in
dieser Art von uns gesteuert wird. Denn es sind die wenigen, die sich nicht nur
über Konvention und Norm, Realität wie äußere Anforderung, Schein und
Fassade hinwegsetzen, sondern vor allem auch über ihren ureigenen Anspruch,
heimlich verfolgte Ziele wie Absichten und über ihre persönliche Rationalität.
Die wenigen, die zwar unsere Helden sind, denen wir es im Grunde aber niemals
gleichtun möchten.
Denn wo wir
ansonsten die Vermischung von Rassen, Klassen, Religion und Tradition predigen,
sind wir in inniger Zweisamkeit kaum noch bereit, im Härtegrad unseres Frühstückseis
Abstriche zu machen. Begegnen wir aber jemandem, der exakt und genau wie wir das
Drei-Minuten-Ei präferiert, dann sprechen wir kurzum von seelischer
Verwandtschaft.
Liebe ist...
strategisch perfektes Kalkül? Der meisterhafte Plan vom Glück?
Es scheint in der
Tat ein interessanter Katalog, mit dem wir jedes unserer Gegenüber wie
potentiellen Partner konfrontieren – Hobbies, Herkunft, Gesellschaftsschicht,
schulische Bildung, Aussehen, Lebensvorstellungen, Zukunftspläne, Alter,
sprachlicher Ausdruck. Ich meine, immerhin wünschen wir ein ganzes Leben
miteinander zu verbringen. Und uns nicht aufgrund unüberbrückbarer
Diskrepanzen eines stillen Tages im Wechsel zu ermorden. Aber: Ist das, was wir
suchen, auch immer das, was uns am glücklichsten macht? Sind Selbstbild,
Eigendefinition wie Identifikationsmomente tatsächlich die wirklichen
Kompetenzen für unser Lebensglück? Und: Wieviel Macht geben wir grundsätzlich
dem äußeren Schein? Und nicht zuletzt: Wer hat uns diesen ganzen Mist
eigentlich beigebracht?
Wenn wir
professionelles Fußball spielen, dann hat die besten Chancen, wer ebenfalls
professionell Fußball spielt - wer Fußball liebt - wer Fußball mag - wer Fußball
tolerieren kann. Und zwar genau in dieser Reihenfolge. Im Zweifel und in
Ausnahmefällen ziehen wir auch noch denjenigen in die engere Wahl, der Fußball
hasst und ihm seine aufrichtige Abneigung entgegenbringt. Dafür müssen hier
dann aber andere Dinge her - wir
lieben beide Spaghetti, haben gleichermaßen unsere Jugend im Background der
Upper-Class, alternativ beiderseits in der Bronx verbracht, oder wir teilen
identische Vorstellungen von einem erfüllten Leben. Dinge, die eine Fußballdifferenz
letztlich tragbar machen und überhaupt erst rechtfertigen.
Aber mit jemandem
zusammen sein, mit dem uns nicht viel mehr verbindet als aufrichtiges Gefühl?
Der nicht zuletzt weder unserem Selbstbild noch unserer Eigendefinition
entgegenkommt, und der uns darüber hinaus wenig bietet, mit dem wir uns
identifizieren könnten? Geschweige denn wollen? Eine Sache, die uns oftmals
zuviel Ritterlichkeit erfordert. Ein Ding, das wir schlichtweg nicht in unsere
Überlegungen einbeziehen. Oder aber: Eines der vielen No-Gos des
Beziehungsreigens. Zumal wir unser Gefühl nur selten aufrichtig nennen werden,
wenn unser enttäuschtes Have-Must beharrlich quengelt und quält.
Dass Liebe im
wirklichen eine ausgeprägte Vernunftsache ist, und die Gefühle zumeist erst
folgen (dürfen), wenn unsere rationale Prüfung positiven Bescheid erfährt,
will uns oftmals erst dann auffallen, wenn wir lieben und gar nicht lieben
wollen. Wenn wir einem der seltenen Momente gegenüberstehen, in denen das Gefühl
schneller und forscher war als die Vernunft, und auch auf unser inniges Drängen
nicht klein beigeben will. Wenn das Gefühl der Vernunft ein einziges Mal nicht
die Entscheidung überließ. Wenn Vernunft und Gefühl sich streiten und das Gefühl
sich ausnahmsweise nicht mit gewohnter Verliererrolle zufrieden geben will.
Und plötzlich
finden wir uns in den Armen eines weitaus jüngeren und rational für uns
unhaltbaren Liebhabers, am Busen eines gestandenen Vollweibs oder an der Hand
des verachteten Proleten. Oder auch einfach in vertrauter Gesellschaft eines
wundervollen Menschen, dessen Nase uns schlichtweg nicht passt. Und kommen
eigentlich gar nicht klar. Denn zeitgleich wird uns ungeschönt bewusst, wie
viel Wert wir eigentlich darauf legten, dass genau dies niemals
geschieht. Dass wir Alter, Aussehen und den Faktor 'Style' in alle unsere
bisherigen Wahlen einfließen, und ihnen vollendete Regentschaft überließen.
Ohne dass uns diese Ansprüche auch nur jemals weitreichendere Gedanken wert
gewesen wären.
Und nun? Zu üblicher
Manier zurückkehren und wie gewohnt nicht lieben, weil wir nicht lieben
wollen? Oder lieben und gewohntes Selbstbild, Eigendefinition wie
Identifikationsmomente der gründlichen Renovierung unterziehen? Und weshalb
funktioniert eigentlich dieses Mal nicht, was sonst immer und zuverlässig
funktioniert? Dass wir nämlich erst lieben, wenn wir lieben wollen
bzw. ausschließlich den lieben, den wir lieben wollen – und
niemals ohne zuvor die Vernunft nach ihrem Urteil gefragt zu haben.
Ich meine, es ist ja
immer eine nette Sache, über Liebende zu lesen, die erst nach einer langen
Odyssee des Für und Widers zueinander finden durften, über Liebespaare zu hören,
die ihre Liebe über alle sachlichen Argumente hinweg siegen ließen, oder aber
Betrachter von Leidenschaften zu sein, die sich über alle Konvention und üblichen
Spielregeln hinwegsetzten. Nichts, was uns mehr rührt, kaum etwas, das unserer
Vorstellung von wahrer Liebe näher kommt. Aber: Was, wenn wir selbst in dieser
Situation sind? Und: Sind es tatsächlich diese Kriterien, die uns im täglichen
Spiel der Partnerwahl und –suche als vorrangige Maßgabe für unsere
Entscheidungen gelten?
Ich befürchte fast,
nein. Denn wenn die Vernunft und das Gefühl sich streiten, scheint zumeist die
Vernunft der Gewinner zu sein. Oder anders ausgedrückt: Gibt die Vernunft kein
grünes Licht, werden wir üblicherweise der Meinung sein, schlicht und einfach
keine Gefühle zu empfinden. Was uns nicht passt, das nehmen wir nicht. Was
nicht passt, das hat kaum eine Chance. Was uns hingegen passt, wird noch
passender gemacht. Das, was wir wollen, sowieso. Chemie – Biologie,
Psychologie, Soziologie – oder einfach nur Schwachsinn?
Wenn ich mir meinen
eigenen Anspruchskatalog bewusst anschaue, ein Ding, mit dem ich tagtäglich
ohne absichtliches Wissen hantiere, wird mir schwindlig. Wenn ich mir denjenigen
anderer anschaue, ebenfalls. Wenn ich direkt wie persönlich mit dem
Anspruchskatalog eines Gegenübers konfrontiert bin und gegebenenfalls dem Punkt
"rassiger, südländischer Typ bevorzugt" zum Opfer falle, wird mir
nicht schwindlig, sondern schlecht. Zeitgleich möchte ich nicht wirklich
wissen, wie vielen Menschen bereits in meiner Gegenwart und somit umgekehrt
schlecht geworden ist.
Meine Katze wird
derart zum unzweifelhaften Wink des Schicksals für den Hundebesitzer. In
gleicher Weise noch für den Katzenallergiker. Der Hundebesitzer oder
Katzenallergiker wird zum unzweifelhaften Wink des Schicksals für mich. Mich,
den Katzenliebhaber. Wir gehören nicht zusammen, sind keinesfalls füreinander
bestimmt – das Schicksal spricht eine deutliche Sprache. Nichts zu rütteln,
nichts zu deuteln. Im schlimmsten Fall aber wird der Hundebesitzer oder
Katzenallergiker zum Schicksal für meine Katze. Aber keine Angst – dies ist
einer von 379.000 Fällen. Und auch nur deshalb, weil wir beide Spaghetti
lieben, beiderseits Bronx buchstabieren können und identische
Vorstellungen von einem erfüllten Leben teilen.
Der 45jährige
Junggebliebene sucht weibliches Pendant, das bestenfalls 25, maximal jedoch 29
Lenze zählt. Die 29jährige hingegen küsst ganz bestimmt niemanden, der älter
als 35 ist. Der zweifach Geschiedene und Getrennte, samt 3 Kindern, sucht
unschuldsvolle Partnerin, nicht geschieden, nicht getrennt, die
keinesfalls eigene Kinder hat. Potentielle Partnerin, ledig, unschuldsvoll,
kinderlos, sucht natürlich niemand anderen als den Mann, für den kategorisch
gleiches gilt. Der keine Kinder hat. Unschuldsvoll ist.
Geschiedene oder Getrennte jedoch schon mal gar nicht. Die Hübsche nimmt keinen
Hässlichen. Der Hässliche will aber eine Hübsche. Hässlich ist er ja selbst.
Die 1,63-Frau will den 1,95-Mann. Der 1,95-Mann will aber überhaupt keine Frau.
Sondern eine Basketballkarriere bei den Knicks. Der strohblonde Finne sucht die
glutäugige Spanierin. Und sucht somit die glutäugige Spanierin, die einen
strohblonden Finnen sucht. Und der Gebildete? Nimmt keine Ungebildete. Schließlich
wünscht er mit er seiner Herzensdame im Mindestanspruch zwei
aufeinanderfolgende Sätze geradeaus reden zu können. Womit er immerhin
Einigkeit mit der Gebildeten vorweist. Denn die Gebildete? Nimmt keinen
Ungebildeten. Wünscht sich aber nicht nur Gebildeten, sondern zugleich einen
ganzen Mannskerl. Heute unterhält sie folgerichtig zwei Männer.
Ich möchte wirklich nicht behaupten, dass an dieser ganzen Sache rein gar nichts dran wäre. Denn ohne Frage hat es seine Berechtigung, Liebe, Glück & Erfüllung in der gegenseitigen Übereinstimmung wie in der Ergänzung, in der Verwandtschaft und in der Vervollständigung zu suchen. Und doch: Hat irgendjemanden sein persönliches Diktat schon jemals zum Ziel gebracht? Haben wir schon einmal gefunden, was wir wollten? Und zwar da, wo wir suchten? Hat irgendjemand bereits das Gesamt erfüllten Anspruchskatalogs an seiner Seite gehabt?
Und wenn ja, hat es
uns glücklich gemacht?
Zumeist läuft es
doch so: Wir suchen unser Selbst oder das Ideal von einem Selbst, aber wir
suchen nicht im eigenen Innern, sondern in einem Außen. Wir fragen nach
Harmonie und Frieden. Wir ersehnen die Leidenschaft. Und wenn wir einander
gefunden haben? Dann manifestieren wir unseren Traum vom Leben. Oder träumen
weiter. Genießen Harmonie und Frieden. Vermissen still die Leidenschaft.
War es bis hierher
aber ausschließlich der langhaarige, grünäugige Harley-Fahrer, den ich
suchte, Hannoveraner, zärtlich und mit Aktiendepot, finde ich ihn, und wagt er
es tatsächlich, mich zu enttäuschen, dann werde ich meinen Anspruchskatalog
gewissenhaft überdenken. Einsicht üben. Und siehe da: Er war Steinbock. Kann
ja nicht gut gehen. Von nun an werde ich daher aber nicht mehr den langhaarigen,
grünäugigen Harley-Fahrer suchen, Hannoveraner, zärtlich und mit Aktiendepot,
sondern: Den langhaarigen, grünäugigen Harleyfahrer, Hannoveraner, zärtlich
und mit Aktiendepot, der KEIN Steinbock ist. Alternativ auch den Mann, der NICHT
langhaarig ist, NICHT grünäugig, NICHT Harley-Fahrer, NICHT aus Hannover,
NICHT zärtlich und KEIN Aktiendepotbesitzer. Kommt ganz darauf an, wie herbe
die Enttäuschung war. Der Rest meiner ideellen Vorstellung bleibt hiervon
selbstredend unberührt. Und wieder einmal hat mein Anspruchskatalog Zuwachs
bekommen. Bestehende Toleranzgrenze wird kleiner und kleiner. Die Chance auf Erfüllung
auch.
Wir lieben, wen wir
lieben wollen. Niemand anders. Wie auch anders.
Gründe, nicht zu lieben, finden wir hingegen immer. Wann werden
wir auch umgekehrt derart argumentationsstark sein?
Ringelpiez
mit Anfassen
Sofern wir heiß und innig in beliebigen
Jemand verliebt sind, und uns nichts sehnlicher wünschen, als dass dieser
Jemand ebenso heiß und innig in uns verliebt ist, ist definitiv der beste Weg,
um dieses Ziel zeitnah und möglichst zuverlässig zu erreichen: Schleunigst nicht mehr heiß und innig verliebt sein. Am
besten: überhaupt nicht
mehr verliebt sein. Und
am allerzuverlässigsten: Besagtem Jemand jetzt & sofort unser aufrichtiges
Desinteresse entgegen-bringen. Klappt eigentlich immer. Naja, fast immer. Zumindest stellt dies jedoch
zweifellos aussichtsreichste Variante dar.
Wie sagte da einmal
jemand? 'Einer liebt immer mehr als der andere.' Für weitaus realistischer
halte ich jedoch noch die Einsicht, dass da einer überhaupt nicht liebt, wenn
der andere zu früh, zu abrupt, zu ausufernd oder zu offensichtlich liebt. Nach
einer mittel- bis langfristigen Aufwärmphase mag dies unter Umständen anders
aussehen und es wird uns erlaubt sein, mehr oder minder ausgewogen zu lieben,
aber in unserer ersten Annäherung können wir auf uns auf genannte Doktrin
erfahrungsgemäß verlassen. Daraus aber ergibt sich: Willst Du vergöttert
werden, halte Dich zurück – willst Du verteufelt werden, gehe in die Vollen.
Klappt fast immer. Was rede ich: Klappt immer.
Irgendwie eine
absurde Geschichte, dieses Prinzip – aber es lässt uns wie besagt selten im
Stich. Denn siehe: Sind wir gar allzu sehr in einen anderen verliebt, können
wir sicher sein, dass er vielleicht vieles, einiges, manches - aber ganz
bestimmt nicht eines tut: sich in uns verlieben. Umgekehrt brauchen wir einem
anderen Menschen nur unser ungekünsteltes, aufrichtiges Desinteresse zu
bekunden, und er wird in 60 Prozent der Fälle eines tun: sich in uns verlieben.
Wenn wir es hinzu noch verstehen, unser Desinteresse ganz und gar mühelos
aussehen zu lassen - was fraglos am besten gelingt, wenn wir zu keinem Zeitpunkt
anderes als aufrichtig und ungekünstelt desinteressiert waren – steigt der
genannter Prozentsatz schon auf über 70 Prozent. Ist der andere aber gar allzu
sehr in uns verliebt, kann er sicher sein, dass wir vieles, einiges, manches –
aber ganz bestimmt nicht eines tun: uns in ihn verlieben.
Einzig denkbare
Ausnahmen wären: Unser Desinteresse war von Anfang an gefakt (tatsächlich sind
wir gar allzu sehr verliebt) und wir haben unsere Sache mehr als gut gemacht.
Oder aber wir haben uns das Thema Liebe und Verliebtsein bis hierher offen
gehalten und unser Gegenüber war so klug, nicht kurzum mit der Tür ins Haus zu
fallen. Sondern sich vielmehr in vornehmer Zurückhaltung sowie dezenter Galanz
zu üben. In diesen und seltenen anderen Fällen steht einer Liebesgeschichte á
la Groschen- und Kitschroman rein theoretisch nichts mehr im Wege. Praktisch
vielleicht schon. Aber das ist ein anderes Thema.
Ich meine, was ist
das für ein Schmalspur-Prinzip? Und was will uns dieses Konzept eigentlich
genau sagen? Verliebe Dich nie, um sicherzustellen, dass Du verehrt wirst?
Verliebe Dich erst, wenn Du ohne Zweifel weißt, dass Dir der andere
hoffnungslos verfallen ist? Oder aber: Liebe ist gut, Desinteresse besser?
Keine Ahnung. Fragen
über Fragen. Hiervon unberührt bleiben dennoch meine eingehenden Feldstudien,
die ich nun bereits seit Jahren betreiben darf, und die mir zumindest nahe
legen, gekonntes Desinteresse für die geeigneteste Variante zu halten, ein
Gegenüber trunken vor Liebe zu machen. Klappt nur nicht immer. Das mit dem
Desinteresse. Der Rest schon.
Denn siehe: Manchmal
werde ich selbst noch trunken. Warum? Frag Gott. Wann? Vielleicht vor allem
dann, wenn jemand anderes aufrichtig desinteressiert an mir ist -?- Ich weiß es
nicht. Aber vielleicht sollte ich anmerken, dass ich nach wie vor Single bin.
Nun gut, ich denke
ein klein wenig differenzierter will diese Sache schon betrachtet werden.
Immerhin beschäftige ich mich ja schon lange genug damit. Bedeutet: Es ist
durchaus legitim, zumindest ein bisschen verliebt zu sein – und zwar ganz ohne
uns hiermit kurzum alle Chancen auf kunstgerechtes Liebesglück vollends wie
ganz zu versieben. Aber wie gesagt: Bitte nur ein bisschen. Schön die Kontrolle
und einen kühlen Kopf bewahren.
Andernfalls werden wir nämlich sofort und unwiderruflich zum wiederholten Opfer
benannt vermaledeiten Prinzips. Heißt: Verlieren wir den Kopf, werden trunken
oder verlieben uns mehr als ein bisschen, können wir uns gewünschte Gegenliebe
in diesem Moment auch schon wieder abschminken. Unmittelbar und auf absehbare
Zeit. Weshalb wir eigentlich sofort wieder aufhören können damit. Aufhören,
den Kopf zu verlieren, trunken zu werden oder mehr als ein bisschen verliebt zu
sein. Bringt uns nichts ein. Nur Katzenjammer.
Ich fasse bis
hierher zusammen: Aufrichtiges und ungekünsteltes Desinteresse ist die
sicherste Methode, um uns der Liebe eines Gegenübers sicher zu sein. Gleich
danach kommt das kalkulierte Desinteresse. Klappt auch noch meistens. Neutralität
ist neutral, ein bisschen verliebt sein ist okay. Ein bisschen mehr als ein
bisschen verliebt sein ist Tabu - und alles darüber hinaus ist letztlich das
selbstinszenierte Todesurteil. Es sei denn, wir legen es darauf an,
aufrichtiges, ungekünsteltes Desinteresse zu erfahren. Überhaupt eine
interessante Frage: Ist die beste Medizin gegen den lästigen Verehrer unsere
trunkene Liebe? Wird er die Flucht ergreifen, sobald wir ihm überzeugend
beizubringen wissen, dass wir ihm hoffnungslos verfallen seien? Egal.
Kasus Knaxus und
wesentliche Fragestellung bleibt: Wozu das alles?
Zum Beispiel
neulich: Verliebe ich mich doch unsterblich – und? Reines Desinteresse. Oder
gestern: Bin ich doch vollends desinteressiert – und? Verliebt sich einer
unsterblich. Ich habe ihm aber gesagt, dass ich vollends desinteressiert bin.
Morgen wird er es wahrscheinlich auch wieder sein. Und ich verliebe mich
unsterblich. In ihn natürlich.
Was hat sich die Schöpfung
hier nur ausgedacht? Ist einer immer klüger als der andere? Oder dümmer? Und
wenn ja – wer ist klüger, wer ist dümmer? Oder gibt es unter Umständen doch
etwas Fundamentales zu begreifen? Fundamentale Erkenntnis, die uns punktum aus
den Fängen unglückseligen Prinzips befreit?
Ich bin mir nicht
sicher. Aber glücklich würde ich schon mal gerne bald werden. Und zwar nicht
nur mit dem, den ich nicht liebe. Weil es der einzige ist, der mich liebt. Und
auch nicht unglücklich mit dem, den ich liebe. Da er mich aber nicht liebt.
Wenn wir davon
ausgehen - und ja, ich möchte meinem Verständniswillen zugunsten auch an
dieser Stelle spirituelle Anleihen machen - wenn wir wie gesagt davon ausgehen,
dass hiesige, menschliche Paarungen, sowie irdischer, dramaturgisch gekonnt
inszenierter Beziehungsreigen an und für sich ein Spiel zwecks Selbsterkenntnis
und Einsicht sind [liebe Dich selbst, erkenne Dich selbst
- Du bist unabhängig, in Dir vollständig und göttlich], dann wäre
unter Umständen eine Erklärung dieses Prinzips, dass zwar Liebe, Verlieben und
Lieben kaum verkehrt sind – dass es aber grundsätzlich immer verkehrt ist,
uns selbst dabei zu vergessen.
Untermauert dadurch,
dass meiner Erfahrung nach das bisschen Verliebtsein ja durchaus durchgeht.
Schwierig wird es wie besagt erst dann, wenn ich ein bisschen mehr als ein
bisschen verliebt bin. Wenn ich mit Tür und Fenster zugleich ins Haus falle,
und nicht mehr weiß, wer ich bin, noch, wie ich heiße. Geschweige denn, wie
mich am günstigsten verhalten sollte. Aber bereit bin, alles und jedes zu tun
– sofern es nur Gefallen findet.
Dies also die Fälle,
in denen mir ein Misserfolg bisher so sicher war wie das Amen in der Kirche. Ich
hätte mir nur manchesmal gewünscht, doch schlicht und einfach zurückgeliebt
zu werden. Dann hätte ich auch aufgehört, mich zu vergessen. Spätestens nach
14 Tagen. Spätestens nach besagter Dauer wäre ich mir sicher wieder
eingefallen. Hält ja niemand länger aus. So ganz ohne sich.
Dennoch bin ich
nicht der Überzeugung, dass diese Erklärung das Gesamt benannten kuriosen
Prinzips abdeckt. Weiterhin zum Tragen kommen hier meiner Meinung nach äußerst
menschliche, und somit wenig heilige Momente.
Denn irgendwie
scheint niemand von uns so richtig zu wollen, was er umsonst angeboten, mehrmals
täglich angepriesen oder aber in Überdosen und zum Paketpreis offeriert
bekommt. Anders ausgedrückt: Liebe und mangelnde Jagd scheinen sich nicht bis
ins letzte zu vertragen. Wir wollen erobern, gewinnen und Entfernung überbrücken.
Entgegengesetzt: Niemand von uns möchte eingenommen oder übermannt werden –
schmeckt zu sehr nach verlorener Schlacht oder geschenktem Sieg. Und Angst
kriegen wir hierbei außerdem. Vielleicht auch dies: Nur, wenn ich viel und
teuer zahle, begreife ich einen Wert auch als viel und teuer. Was mich hingegen
nichts kostet, ist mir nichts wert. Oder aber das: Nähe und Distanz, die
wechselseitigen Bedingungssätze. Meint: Konfrontiere mich mit Distanz und ich
werde um Nähe betteln. Was natürlich auch umgekehrt funktioniert.
Gottes Kinder –
beziehungsunfähige Wesen? Jagd- und kampfgewohnte Raubtiere? Oder einfach nur
Deppen, die das Glück nicht begreifen?
Mir auch egal. Ich
halte mich hübsch und feinsäuberlich an so aufopferungsvoll studiertes
Prinzip: Immer schön locker bleiben. Im Zweifelsfall das Merkblatt zur
Anbahnung einer wechselseitig erfüllten Liebe zur Hand nehmen und folgende
Punkte in Endlosschleife rezitieren: 1. aufrichtiges und ungekünsteltes
Desinteresse empfinden - die sicherste Methode, um Liebe zu erfahren, 2.
kalkuliertes Desinteresse ist durchaus eine Möglichkeit – sei Dir aber
sicher, dass Du hierin bestens versiert und profimäßig geübt bist, 3.
Neutralität ist neutral, 4. ein bisschen verliebt sein ist okay – stelle
jedoch sicher, dass Du imstande bist, hierüber vorerst keinesfalls und unter
gar keinen Umständen hinauszugehen, 5. ein bisschen mehr als ein bisschen
verliebt sein ist nicht okay, sondern: absolut und definitives Tabu und 6. alle
Steigerungsformen kannst Du sofort vergessen – es sei denn, Du legst es auf
aufrichtiges, ungekünsteltes Desinteresse an – oder gibst Dir gleich die
Kugel.
Ich werde eigentlich
immer besser. Bin kaum noch verliebt, gelegentlich neutral, häufig bis häufiger
desinteressiert. Und verstehe mich auch ansonsten als strenggenommen äußerst
begriffen.
Nur Shit auch, heute
habe ich mich mal wieder verliebt. Und zwar nicht nur ein bisschen. Sondern mehr
als genug. Vielleicht versuche ich es einfach mal hiermit: Einfach nichts
anmerken lassen. Absolut unbestimmt und vage tun. Keine Verbindlichkeiten äußern.
Tarnkappe tragen.
Ich gebe Euch dann
die Tage Bescheid. Ich will ja nichts beschwören – aber vielleicht bin ich ja
übermorgen schon verheiratet...
Wie
viele Farben, Farbnuancen & Farbvariationen dieser Welt vorstellbar sind, so
viele Stimmungen kennt auch das fühlende Wesen.
Indessen
die 'Tagesformen' eher Alltägliches, Momentaufnahmen und Eindrücke beherbergen
möchten, größtenteils leichtfüßig, undogmatisch und ohne Anspruch auf
allerletzte Wahrheit - und die 'Seelenweise' all jenes in sich aufnimmt, das
auch nur irgendwie Eindruck, Stimmung oder Empfinden ist, möchte hier all jenes
Raum und Obhut finden, dessen Tenor unter Umständen ein wenig schwerer, drängender
und eigenwilliger ist.
Und
auch wenn ich mir die Melancholie, den Weltschmerz und das Drama weitestgehend
abgewöhnt habe, da sie mir zu Gefühlen geworden sind, die weder mich noch
einen zweiten weiterbringen - Gefühle, die kaum einen Effekt aufweisen, außer
mir selbst im Schmerz anstelle vielmehr, und wahrscheinlich weitaus gekonnter,
vorwiegend in der Freude zu begegnen - Gefühle, die unter Umständen für einen
Moment meinen Alltag aushebeln, ihn aber niemals zu wandeln wissen - und nicht
zuletzt Gefühle, die sich noch nicht einmal gut anfühlen - gibt es doch
Zeiten, in denen ich das Leben in Frage stelle.
Zeiten,
in denen ich Fragen an das Leben stelle - Zeiten, in denen ich an der Gegenwart
zweifle - und vielleicht sogar Zeiten, in denen ich dieser Welt müde bin. Und
ich denke, das hat auch seine Richtigkeit.
Nicht
zuletzt bin ich der Überzeugung, dass diese Welt heute nicht dieselbe wäre, würde
jedes Wesen den ab und an in ihm aufkeimenden und sich leise zu Wort meldenden
Lebensfragen mehr seiner Aufmerksamkeit und Zuwendung schenken.
Denn
würden wir davon ablassen, unsere häufig so gleichgearteten Sinn- &
Lebensfragen beharrlich als vorübergehende Midlife-Crisis abzutun, sie
konsequent zu übergehen oder aber zu meiden wie die Pest, dann dürfte dies im
Ergebnis sicherlich nicht eine unveränderte Welt bedeuten - lediglich voll von
depressiven Menschen - sondern vielmehr eine veränderte Welt, die sich endlich
gezwungen sieht, einer geeinten Erkenntnis nunmehr Rechnung zu tragen. Und somit
Unzufriedenheit gegen Glück & Erfüllung tauscht.
Nicht
nur 'gute', sondern auch 'schlechte' Gefühle sind daher an und für sich
wertneutral. Sie wünschen uns kaum etwas Böses, sie sind nicht gefährlich und
sie beherrschen uns nicht. Wertneutrale, gelegentliche Besucher, die uns unter
Umständen den ein oder anderen schöpferischen Gedanken zum Gastgeschenk
machen. Impulse, die möglicherweise eine neue Erkenntnis reifen lassen. Und
unter Umständen ist es auch ganz allein diese Absicht, die sie treibt, überhaupt
bei uns aufzutauchen.
Selbstprüfende
Gedanken machen sollten wir uns daher meines Erachtens überhaupt erst dann,
wenn wir den ursprünglich 'ungeliebten Besuch' eines Tages kaum mehr freiwillig
gehen lassen wollen, um ihn von nun an zu unserem fortwährenden,
trostspendenden Zuhause zu machen.
Aus
diesem Grund: Was auch immer hier wie auch immer seinen Platz finden möchte,
jedweder Raum sei ihm zugestanden. Nicht zuletzt hoffe ich, dass sich diese
Seiten nur zurückhaltend füllen werden - denn, bei aller Liebe zu essentieller
Erkenntnis und passenden Pfadkorrekturen - solange an dieser Stelle die Leere gähnt,
darf davon ausgegangen werden, dass das Leben wohlwollend zu mir ist. Oder aber,
dass ich das Glück beizeiten begriffen habe...
Sollten
sich diese Seiten hingegen alles andere als zurückhaltend, sondern vielmehr
rasant und kometengleich füllen, möchte ich mich ebenso hierfür
entschuldigen: Tatsächlich bin ich im Weltenverdruss ziemlich geübt. Prätentiöse
Vorstellungen wie unbescheidene Denkweisen vertragen sich einfach nicht immer
mit dieser Gegenwart. Und sind mir trotzdem Lieblingstöchter.
Und
auch wenn es mir ab & an schwer fällt, mich in schlichter Akzeptanz eines
allgemeinüblichen Konsens zu üben, oder mich mit dem abzufinden, was so gar
nicht nach Wahrhaftigkeit geschweige denn Träumen schmeckt, bitte ich dennoch
darum, mir diese Eigenschaft nachzusehen - und gleichermaßen im Gedächtnis zu
behalten: Auch ich lerne...
Mein Finger
auf dem Fahrstuhlknopf
il portale SETTE
siebter Himmel ist gefragt
lässt mich warten
allein mit dem passiven Zwang
Semi - Schnittstelle schmerzt so sehr
geflüsterte Geduld
'solo i morti xe veci'
die Wahrheit kennen allein die Toten
Take your dance - I'll take mine
Heaven's waiting
darling, but not me...
ankommen -
nur für einen kleinen moment
niemand fragt, wie lange
Berührung
Begegnung
Seelenheim.
liebe mich -
nur für einen kleinen moment
niemand fragt, wie lange
Heimat spüren
mich in deinen Blicken spiegeln
in dir aufgehen wie das Morgenrot.
sei bedingungslos -
nur für einen kleinen moment
niemand fragt, wie lange
ich werde dich morgen danach fragen
- und vielleicht
wähnten wir bis dahin die ewigkeit.
LiebesLettern
Wie
deine Finger
Den
Briefumschlag öffnen
Die
Lettern aus dem Umschlag ziehen
Das
Papier glätten
Deine
Augen
Deine
Magengrube sich
Mit
Wärme füllt
Dein
Herz im
Dreivierteltakt
zu tanzen beginnt
Die
unverhoffte Überraschung
Ein
Staunen
Auf
Deine Gesichtszüge
Zaubert
im Lesen der
LiebesLettern
Wie
Du die Worte verschlingst
Den
Brief endlich gelesen
Zur
Seite legst
Wieder
in die Hände nimmst
Überlegst
Was
zu tun
Dein
logischer Verstand
Die
ungewollte Auszeit nimmt
Die
Gefühlsaufruhr
Dich
durch die Wohnung treibt
Wie
Du
Zum Telefon
Wanderst
Den
Hörer abhebst
Wieder
auflegst
Wieder
abhebst
Wie
an Fäden gezogen
In
Endlosschlaufe
Gefangen
im Spiel von
Entschlusskraft & Unsicherheit
Der
Verstand immer noch
Auf
Reise
Keinerlei
Ratgeber zugegen
Wie
Du die Spontanität um Hilfe bittest
Spontanität
auch
Auf
Reise
allein mit den
LiebesLettern
Wie
mich Dein Anruf
Erreicht
Heisere
Worte
Bebende
Stimme
Eilender Atem
Stelle
mir vor
Wie
wir uns begegnen
Befangen
wie Pennäler
Freudig
wie Kinder
Wie
sich
Unsere
Blicke streicheln
Verbindliches
Lächeln
Stummes
Einverständnis schafft
Wie
wir zusammen
Den
Heimweg antreten
Gemeinsam
zu Dir
Zurück
zu den
Lange ersehnter Brückenschlag
Später
wirst Du mir sagen
Du
ahntest nicht
Tatsächlich
ahnst Du nicht bis heute
Denn ich habe Dir nie geschrieben
LiebesLettern
Existieren
nicht.
Entfernung
überbrücken
seelenvoller
Gruß
eilt
voraus
die
Physis hinterher
bange
Erwarung
Hoffnung
Sehnen
Unsicherheiten
die
sowohl
vorwärts
als
auch
rückwärts
treiben
abgelöst
& erlöst vom
Wiedersehen
offene
fragen
finden
Antwort
sanft
geführte
Fingerkuppen
treffen
auf
samtene
Haut
zweisame
Lippen versprechen
sich
wortloses Ja
mitten
im Getümmel
hektischen
Treibens
erschafft
die Kraft
der
Gegenwart
behütete
Wüsteninsel.
Entfernung
überbrücken
Distanz
überwinden
jederzeit
allezeit
ewig.
Wann?
Wünsche
mir
dass
Dein Lächeln mir gehört
dass
Deine weichen wie bewundernden Blicke
meinem
Wesen gelten
dass
Deine sanften Worte
ausschließlich
meinem Ohr gewidmet sind
Wünsche
mir
dass
wir zueinander finden
sich unsere Hände tastend
aufeinander zubewegen
sich
begegnen
vorbereiten
was
die Lippen
ihnen
letztlich nur nachahmen wollen
Wünsche mir
dass Du mir Deine Schulter als Rückhalt bietest
Deine
Arme als Bastion
Deine
Brust als Zuhause
Wünsche mir
dass Du mich Geliebte nennst
und dem Gedanken an mich
liebkosende Imagination zur Seite stellst
Wünsche
mir
Seelennähe
* Einigkeit * Verständnis
Wünsche mir
*
Gleichklang
*
Innigkeit
*
ewig fremde Vertrautheit
*
Wünsche
mir
das
Ich gleichermaßen wie das Du
Wünsche
mir
Erfüllung meiner Wünsche
Wünsche
mir
dass
Du meine Wünsche teilst
Wünsche
mir
nichts mehr
als
das.
Wünsche
mir
Dich.
Liebe Liebe,
ich
bin mir noch nicht einmal sicher, wer Du letztlich bist, wo Du lebst und ob Dich
dieser Brief jemals erreichen wird - tatsächlich kenne ich noch nicht einmal
Deinen genauen Namen - und dennoch möchte ich Dir heute schreiben, um Dir
einige Fragen zu stellen. Vielleicht findest Du Zeit und Ort, mir irgendwann
Antwort auf diese Fragen zu schenken.
Ab
& an durfte ich Dich bereits kennen lernen, habe Dein Gesicht geschaut und
Deinen Rocksaum befühlt - und einige Male erspähte ich Dich auch aus weiter
Ferne. Doch jedes Mal, bevor ich Dich vollends zu fassen bekam, bevor es mir möglich
gewesen wäre, eine Partie Frage & Antwort mit Dir zu spielen, warst Du auch
schon wieder entschwunden. Daher dieser Brief.
Sag,
liebe Liebe, bist Du sehr beschäftigt? Machst Du Dich gerne rar oder bist Du
schüchtern? Oder liebst Du gar das Spiel der Spannung und Überraschung?
Ich
habe bis heute nicht wirklich begriffen, welchen Regeln Deine Visiten folgen –
richtest Du Dich nach dem Rhythmus der Gezeiten? Legst Du Deine Termine nach
Dringlichkeit? Oder besprichst Du Dich mit Gott?
Wie
gerne würde ich mit Deinen Besuchen rechnen können, wie gerne würde ich mit
Dir über meine Wünsche sprechen, & wie gerne würde ich Nutznießer Deiner
Ratschläge sein.
Weißt
Du, liebe Liebe, ich habe Dein Geheimnis nie lückenlos entschlüsseln können.
Verbirgst Du etwas vor mir? Was ist Dein Mysterium?
Natürlich
habe ich verschiedene Erfahrungen an Deiner Seite gemacht und ewig enthülltest
Du mir ein anderes Gesicht. Doch niemals hatte ich das Gefühl, dass Du Dich mir
in voller Größe zeigtest. Bis heute warte ich auf den Tag, an dem Du Dich
aufrichtest und Deinen Mantel ablegst, um mich sehen zu lassen, was ich bisher
nur erahne. Kann ich sicher sein, dass dieser Tag jemals kommt?
Liebe
Liebe, ich träume häufig von Dir. In meinen Träumen bist Du glückselig &
bunt, versprichst mir ideales Pendant und stummes Verständnis. Keine meiner
Facetten, die Du nicht anzusprechen wüsstest, keine meiner Spielarten, auf die
Du nicht kurzum zu reagieren weißt. Lass mich wissen, liebe Liebe, werden dies
immer nur Träume sein?
Manchesmal
habe ich die Ahnung, liebe Liebe, dass Du in dieser Welt als trauriges Abbild
Deiner selbst umhergehst, mit dem Grauschleier dieser Wirklichkeit überzogen
wandelst, und Fremdwörter wie Ehehafen, Beziehungsalltag und gleichförmige
Eintönigkeit in Deiner Dir unerlässlichen Übersetzungsfibel nachschlägst.
Sag, liebe Liebe, verstehst Du diese Welt?
Da
fällt mir ein, liebe Liebe, stammen diese Konzepte wie das der exklusiven
Paarbildung, der vor sich hergetragenen Heterosexualität, der ideellen
lebenslangen Zweisamkeit und des "Wir-haben-uns-soviel-gemeinsam-aufgebaut"
eigentlich von Dir? Mich hat schon immer interessiert, wie Du zu diesen Dingen
stehst, und ob sie, wie so verbreitet angenommen, tatsächlich Deine zweiten
Vornamen sind.
Wonach
ich Dich ebenfalls schon lange fragen wollte, liebe Liebe, ist nach Deinen tatsächlichen
Freundschafts- und Verwandtschaftsgraden. Wie ist das mit das mit der
Eifersucht, der Leidenschaft, der Treue, dem Hass, dem Schmerz & dem Glück?
Bist Du mit ihnen verbrüdert und verschwägert, seid ihr eineiige Zwillinge,
ruft ihr Euch beste Freunde, oder habt ihr womöglich überhaupt nichts
miteinander zu tun?
Ich
für meinen Teil mag die Eifersucht zum Beispiel gar nicht, liebe Liebe, &
kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass ihr auch nur annähernd
miteinander befreundet seid. Geschweige denn, dass ihr nur im Doppelpack
auftretet, oder aber untrennbar einander verbunden seid. Ich glaube tatsächlich,
liebe Liebe, dass die Eifersucht nur Deinen Trittbrettfahrer macht, innerhalb
einer Welt, die von mangelnder Liebe & Selbstliebe, Verlustängsten und von
Überlebenskampf gezeichnet ist. Ich glaube
sogar, dass die Eifersucht eines Deiner größten Missverständnisse ist, liebe
Liebe. Trotzdem hat sie sich an allen Ecken und Enden bei mir eingenistet. Sag,
liebe Liebe, könntest Du das nächste Mal nicht alleine kommen? Ohne die
Eifersucht? Und mir bei dieser Gelegenheit sogleich alle eifersüchtigen
Schattenformen und Varianten vom Leibe schaffen? Das wäre wirklich ein
zauberhaftes Geschenk, liebe Liebe.
Ach
ja, und die Leidenschaft, liebe Liebe. Ich bin ja der Überzeugung, dass ihr
zusammengehört wie die Henne und das Ei. Aber ich bin mir nicht sicher - es
gibt ja so viele, die anderes behaupten. Die sagen, dass die Leidenschaft
irgendwann gehen, und einer tieferen, echteren Liebe weichen würde. Auch ich
habe diese Erfahrung bereits in meinem Leben gemacht. Aber muss das wirklich so
sein, liebe Liebe? Ist es richtig, die Leidenschaft eines Tages aus unserem
Wortschatz zu streichen, da wir eine Liebe wertschätzen möchten, die uns womöglich
jedoch keine Leidenschaft mehr bietet? Müssen wir tatsächlich jedes Mal eine
Liebe aufgeben & zum nächsten wandern, wenn wir wieder ungeschmälerte
Leidenschaft erfahren wollen? Oder müssen wir uns alternativ in der Tat mit
eingeschränkter oder ausbleibender Leidenschaft abfinden? Müssen wir uns
wirklich zwischen der Liebe und der Leidenschaft entscheiden?
Natürlich,
ich weiß liebe Liebe, Du hast verschiedene Formen und trittst nicht zwangsläufig
nur Hand in Hand mit der Leidenschaft auf. Nicht zuletzt weiß ich, liebe Liebe,
dass beiderlei, sowohl die Liebe, als auch die leidenschaftliche Liebe,
gleichermaßen ihre hochstehende Berechtigung haben.
Und
die Treue. Ich bin der Meinung, liebe Liebe, Du bist die treueste Lebensform
dieses Universums, liebe Liebe. Nur, dass dies noch niemand verstanden hat.
Woran die vorlaute Eifersucht glaube ich nicht ganz unschuldig ist. Denn ist es
nicht so, liebe Liebe, dass Du tatsächlich niemals vergehst, überall zugleich
bist, dass Du keine Restriktionen kennst und zu keinem Zeitpunkt limitiert bist?
Bist Du nicht alles & jedes, der Stoff, aus dem dieses Universum gewebt ist,
der Urgrund allen Seins? Stimmt es nicht, dass Du Dich nie wieder abwendest,
wenn Du Dich einmal zu erkennen gabst? Vielleicht wandelst Du hin & wieder
Deine Gestalt, verleihst Deinem Facettenreichtum geeigneten Ausdruck, und passt
Dich äußeren Spielarten an. Aber verlassen tust Du nicht, gehen wirst Du
niemals. Nur, dass dies noch niemand verstanden hat, liebe Liebe. Ist es nicht
so?
Ich
glaube ich habe das auch noch nicht verstanden, liebe Liebe. Vielleicht siehst
Du Mittel und Wege, liebe Liebe, mir dieses eines Tages begreiflich zu machen?
Ich würde mich hierüber wirklich sehr freuen.
Mit
dem Hass bist Du, denke ich, weder verbrüdert noch verschwägert, noch seid ihr
Zwillinge oder flüchtige Bekannte. Ich glaube der Hass ist ganz einfach Deine Rückenansicht,
liebe Liebe, Deine Kehrseite. Wenn Du uns aber den Rücken zuwendest, liebe
Liebe, können wir oftmals nicht erkennen, dass Du es bist, liebe Liebe. Und
denken daher, Du wärest fort & wir würden nicht geliebt. Wir hassen es
aber, nicht geliebt zu werden. Und wir hassen denjenigen, der uns nicht liebt.
Daher gaben wir Deinem Rücken den Namen Hass und hassen ihn, wenn wir ihm gegenüberstehen.
Weißt
Du, liebe Liebe, wir verstehen einfach nicht, dass Du Dich lediglich für einen
Moment umgedreht hast und wir tatsächlich bloß auf Deinen Hintern blicken. Könntest
Du nicht vielleicht auf Deinem Rücken ein Schild anbringen, auf dem geschrieben
steht "Ich bin es, die liebe Liebe", liebe Liebe? Dann müssten wir
auch keine Angst mehr bekommen, wenn Du Dich einmal umwendest, liebe Liebe. Wir
würden nicht länger annehmen, dass wir gehasst würden, und müssten somit
nicht länger hassen. Das wäre wirklich nett, liebe Liebe.
Der
liebe Schmerz. Ich meine, liebe Liebe, bist Du ihm jemals persönlich begegnet?
Wir machen hier ständig die Erfahrung von Liebe & Schmerz, liebe Liebe. Und
gehen daher davon aus, dass ihr enge Vertragsbeziehungen unterhaltet.
Aber
ist es nicht so, liebe Liebe, dass wir, wenn wir Dich wahrhaft verstehen lernen
wollen, vor allem anderen zu begreifen haben, dass Du den Schmerz tatsächlich
überhaupt nicht kennst? Dass Du gar nicht weißt, wer er ist und was er üblicherweise
so treibt, und er Dir gerade einmal vom Hörensagen geläufig ist? Da wir Dir
unaufhörlich von ihm erzählen?
Vielleicht
könntest Du dem Schmerz einmal einen Brief schreiben, liebe Liebe, und ihm
mitteilen, dass er eine Illusion ist. Oder einen Brief an die Menschen, liebe
Liebe, in dem Du ihnen erklärst, dass ihr beiden, der Schmerz und Du, rein gar
nichts miteinander zu tun habt. Dass der Schmerz das Kind des Unverständnisse
ist, und dass Du Dich hiermit ausdrücklich vom Schmerz distanzieren möchtest.
Könntest Du das tun, liebe Liebe? Oder Du schreibst einen Brief nur an mich,
liebe Liebe, und bestätigst mir formlos, dass ich mit meinen Annahmen richtig
liege. Ich würde mich dann bemühen, liebe Liebe, alle anderen davon umgehend
in Kenntnis zu setzen. Ich werde Deine Antwort erwarten, liebe Liebe.
Mit
dem Glück kommen wir, glaube ich, endlich einmal zu einem wirklich engen
Vertrauten von Dir, liebe Liebe. Ist es nicht so, liebe Liebe? Denn wer die
Liebe begreift, begreift, dass die Liebe tatsächlich das Glück ist. Ich
vermute sogar, liebe Liebe, dass Du in deiner formvollendeten Fassung nicht nur
das Glück, sondern auch die Erfüllung, der Frieden, das Paradies und das
Seelenheil bist. Stimmt das, liebe Liebe? Schön, wenn Du mir auch dies formlos
bestätigen könntest, liebe Liebe.
Und
noch etwas, liebe Liebe, es gibt da Namensvettern von Dir, die lauten
"allumfassende Liebe", "universelle Liebe" und
"erleuchtete Liebe". Hast Du von ihnen vielleicht schon einmal gehört?
Manche behaupten, dass allein diese wahre Liebe wären. Weißt Du, liebe Liebe,
eine Zeitlang hatte ich deshalb wirklich Angst, dass die wahre Liebe ein
schwammiges, unbestimmtes Etwas wäre, das uns fortan nur noch im Inkonkreten,
niemals aber wieder im Konkreten lieben lasse. Das aber fühlte sich einfach grässlich
und alles andere als wahrhaftig für mich an, liebe Liebe. Ich wollte daher
niemals allumfassend, universell und/oder erleuchtet lieben. Lieber wollte ich
einfach lieben. Verstehst Du, was ich meine, liebe Liebe?
Mittlerweile
glaube ich jedoch, dass ich da einfach etwas missverstanden habe, liebe Liebe.
Im Verein mit den vielen, die diese Vokabeln ebenso mit Vorliebe
missinterpretierten. Je abstrakter wir allumfassend lieben, desto weniger haben
wir uns eine all-umfassende Liebe wahrscheinlich zueigen gemacht. Ich möchte
mich daher an dieser Stelle aufrichtig bei Deinen Namensvettern entschuldigen,
liebe Liebe - bei Deinen Brüdern oder Schwestern [oder sind es Deine Eltern?].
Ich hoffe sehr, dass sie sich nicht allzu beleidigt fühlen. Könntest Du ihnen
das bitte ausrichten, liebe Liebe?
Liebe
Liebe, gerne würde ich auch von Dir erfahren, was an dem Gerücht dran ist,
dass Du Dich in diesen Breiten oftmals vorrangig deshalb so kompliziert präsentierst,
da Du uns vieles & jedes zu lehren suchst. Da Du unsere unermüdliche Suche
nach Liebe dazu nutzt, uns Wahrheit und Verstehen beizubringen. Und uns zugleich
mit dem Versprechen bei Laune hältst, am Ende besagten Weges in Deiner gesamten
Unerschöpflichkeit auf uns zu warten.
Es
heißt, Du hättest Dich bereit erklärt, den Fackelträger der Erkenntnis zu
mimen, den Lockvogel der kleinen & großen Lernlektionen, in dem Wissen,
dass wir Dir jederzeit blindlings folgen würden. Dies, um eines Tages, nach
einem Lauf und Ritt um die halbe Welt, durch karge Wüste und üppige Oasen, mit
uns gemeinsam das Feuer des vollendeten Verständnisses zu entzünden. Um uns ab
hier an endlich auf ewig in die Arme zu schließen.
Hierzu
würde auch passen, liebe Liebe, dass die Selbstliebe so häufig mit Dir in
einem Zusammenhang genannt wird. Und als goldener Schlüssel zum Tor der
freudestrahlenden, wonnetrunkenen Liebe gilt. Sag, liebe Liebe, was ist dran an
dieser Geschichte? Und ist es wahr, dass wir eines Tages in den Genuss vollends
erfüllter Liebe gelangen - dann, wenn wir alles gelernt haben, was es uns hier
& heute zu lernen gilt? Ein Weg, den wir uns selbst so erwählten?
Aber
soll ich Dir mal etwas verraten, liebe Liebe? Ich habe die Nase voll davon,
etwas zu lernen, liebe Liebe. Egal was, liebe Liebe. Und sei es irgendetwas.
Weißt
Du, liebe Liebe, Du musst mich verstehen - ich bringe nun bereits mein ganzes
Leben damit zu, irgendetwas zu lernen. Egal was, liebe Liebe. Und sei es
irgendetwas.
Tatsächlich
hielt ich es immer hoch, liebe Liebe, mich zu entwickeln & voranzuschreiten,
und sah ein, dass dies Sinn & Absicht des Lebens entspricht. Aber
mittlerweile geht mir diese Sache wirklich auf den Keks, liebe Liebe. Nicht,
dass wir uns missverstehen, liebe Liebe - niemals möchte ich es aufgeben zu
lernen, mich zu entwickeln & zu entfalten. Aber ganz ehrlich, liebe Liebe,
was würdest Du davon halten, wenn man Dir Deinen Lebtag vollendetes Glück
& Erfüllung verspricht, sobald Du erst einmal begriffen hast? Scheinbar
erforderliches Begreifen & Verstehen aber niemals ein Ende nehmen? Und
vollendetes Glück & Erfüllung somit ewig auf sich warten lassen?
Wie
würdest Du Dich fühlen, liebe Liebe, wenn Du zeitlebens den Esel mit der berühmten
Möhre vor der Nase gibst, Dein Weg aber nie & nimmer ein Ende kennen will?
Ich meine, liebe Liebe, kann ich nicht auch begreifen & verstehen mit einer
Möhre im Bauch? Oder meinetwegen auch mit zwei Dutzend Möhren im Magen? Aber
ganz ohne Möhre vor der Nase?
Kann
ich nicht auch ganz freiwillig & unaufgefordert lernen? In der Gegenwart von
Glück & Erfüllung anstelle ihrer ewigen Verheißung?
Es
wäre schön, liebe Liebe, wenn Du Dir hier vielleicht bei Gelegenheit etwas
ausdenken könntest. Ich würde mir daher zeitweise möhrentechnische
Alternativen wünschen. Sag, liebe Liebe, wärest Du so lieb?
Und
nicht zuletzt möchte ich Dich fragen: Liebe Liebe, bist Du nun eigentlich
schwer oder bist Du tatsächlich leicht?
Liebe
Liebe, ich möchte diesen Brief nun enden lassen, auch wenn es noch viele Fragen
gäbe, die ich an Dich stellen könnte. Liebe Liebe - ich will mich als das glücklichste
Menschenkind schätzen, wenn Du meinen Fragen einstmals Antwort schenkst. Ein
frankierter Rückumschlag liegt bei.
Liebe
Liebe: Ich wünsche Dir das Beste und hoffe, dass wir uns eines Tages zutiefst
begegnen werden & vielleicht sogar lang ersehnte Hochzeit feiern.
Wann
besuchst du mich wieder, liebe Liebe?
Wann
bleibst du für immer?
Wann
zelebrierst Du die Auferstehung aus meinem Traum?
Und
wann entfaltest du vor meinen Augen in Gänze Deine Flügel?
Liebe
Liebe,
ich
liebe Dich,
herzlichst,
eine Liebende
Ja, warum eigentlich? Gute Frage. Dennoch verhält es sich mit dieser Fragestellung ähnlich, als wenn wir einen zweiten, dritten oder vierten fragen, weshalb er bereits sein Leben lang gerne Spinat esse, weswegen er Briefmarken sammeln würde, oder was ihn, und vor allem warum, genau mit der Physik verbindet – eine Antwort wird jedem einzelnen von ihnen sicherlich schwer fallen.
Tatsächlich erscheinen mir die spirituellen Aspekte meines Wesens genauso natürlich & selbstverständlich mit mir verwoben wie meine Vorliebe für schöne Dinge, mein ausgeprägtes Interesse für Menschen, meine Beschäftigung mit den verschiedenen Wesensarten der Kommunikation, mein Bezug zum Schreiben oder auch meine Lust, fremde Länder zu bereisen. Meinetwegen auch wie mein gelegentlicher Heißhunger auf weiss-ich-nicht-was oder aktuelle Lieblingsfarbe soundso.
Tatsache ist: Es gibt keinen bestimmten Punkt in meinem Leben, ein Trauma, eine außergewöhnliche Erfahrung, ein übersinnliches Phänomen oder ähnliches, die meine Neigung zu einer spirituellen Auseinandersetzung begründen würden. In der Tat begleitet mich die Frage nach Sinn & Urgrund bereits solange ich denken kann. In dieser Weise ebnete die innige und kontinuierliche Suche nach Wahrheit & Wirklichkeit jedoch meinen Weg, zeichnete ihn gewissermaßen in zarter Linienführung vor, und ließ es lediglich eine Frage der Zeit sein, wann ich die Spiritualität als geeigneten Antwortgeber & engen Vertrauten (wieder)entdecken würde.
Für andere mag es mitunter schwer verständlich sein, warum & weshalb jemand die spirituelle Beschäftigung für sich wählt. Zumal die Spiritualität vielerlei Vorurteil & Ablehnung für sich beansprucht, kritische Musterung erfährt, und zumeist auf gebührendem Abstand gehalten werden will, als sei es, dass sie uns bedrohen würde oder aber uns gefährlich sein könnte.
Und auch wenn viele Menschen im Laufe ihrer Existenz der Frage nach dem Sinn des Lebens begegnen, tangieren sie diesen leisen Impuls doch zumeist nur stellenweise & im Vorübergehen, und verfolgen ihn kaum in allen Fällen weiter. Oder aber überlassen alternativ den Kirchen & Religionen dieser Welt ihre Antwort.
Tatsächlich scheint es, als sei einigen Menschen die unermüdliche, eigenständige Sinnsuche mehr oder minder in die Wiege gelegt, als ein Samenkorn eingepflanzt, welches nur auf geeignete Zeit & stimmigen Raum wartet, um sich vollkommen & gänzlich unaufgefordert zu entfalten. Ebenso wie andere Menschen genannte Vorliebe für Spinat, der Hang zu Briefmarken oder aber das markante Interesse für Physik charakterisiert. Wenn es aber keine logischen Beweggründe gibt, die erklären, warum & weshalb wir uns zu Spinat, Briefmarken, zur Physik – oder eben zu einer spirituellen Beschäftigung hingezogen fühlen, dann muss die Triebfeder ohne Zweifel in der Person selbst, im eigenen Inneren eines Menschen zu suchen sein.
Wenn ich sage, dass wir tatsächlich alle & ohne Ausnahme höchst spirituelle Geschöpfe sind, dass wir eigentlich alle wissen & Wahrheit kennen, und es lediglich eine Frage erfolgter Rückerinnerung, individuellen Bewusstseins oder aber dessen ist, was wir uns vor diesem Leben für dieses Leben vornahmen, begründe ich die Spiritualität mit der Spiritualität selbst. Und werde kaum Verständnis bei denen erfahren, die jeder spirituellen Betrachtung mehr als skeptisch gegenüberstehen. Dennoch wird es mir niemals möglich sein, einer spirituellen Beschäftigung anders als in dieser Art geeignete Erklärung an die Hand zu geben.
Nicht zuletzt quälte mich selbst lange Zeit die Frage, warum & weshalb ich mich in meiner Person mit einer so drängenden Suche und ausdauernden Sinnfrage konfrontiert sah, eine Suche, die ich weder abzustellen noch zu übergehen wusste - und warum mich zu keinem Zeitpunkt mit dem, was meine bloßen Augen sahen, was mich Gesellschaft, Schule und menschliche Realität lehrten, zufrieden geben konnte.
Doch zurück auf Los & von Beginn. Ein fragmentarischer Abriss meines Weges in diese Welt: Wie besagt stellte ich bereits sehr früh die Frage nach Sinn wie Ursprung dieser Existenz und richtete meinen Blick fortwährend über Übliches hinaus. Ich war ein fröhliches, unbeschwertes, gleichermaßen sensitives & sensibles Kind, und die Aussage 'Das ist doch nicht normal' hat sich mir in ihrem urteilsvollen Unterton bis heute eingeprägt & stellte lange Zeit berühmte Ferse des Achilles dar. Ich war eine gute bis sehr gute Schülerin, was sich erst in meiner 'rebellischen' Phase ändern sollte, in der ich es zwischenzeitlich vorzog, überhaupt nicht mehr zur Schule zu gehen, und später wiederum besser werden sollte. Dennoch habe ich der Schule bis hin zum Abitur wenig Zuneigung entgegengebracht, um es zurückhaltend zu formulieren, und sie mehr als unumgängliche Pflicht denn als geliebte Kür empfunden. Ich gehöre somit auch sicherlich nicht zu den Menschen, die sich heute nach ihren Schulzeiten zurücksehnen oder aber diese als die schönste & unbekümmerteste Zeit ihres Lebens bezeichnen. Im Gegenteil.
Meine Eltern hatten große Pläne mit dem augenscheinlich so intelligenten Kind [und hier heißt es wohl inniglich: Verzeiht... ;-)], und ließen mich ab der fünften Klasse eine katholische, humanistische Privatschule besuchen, inklusive Patres, Pflichtfach Religion und Gottesdienst.
Entgegen kam meinem Wesen hiermit immerhin, dass ich auf diese Art innerhalb einer christlichen Jugendgruppe sozialisiert wurde, die neben & außerhalb der Schule stattfand, und deren verschiedene, kleinere Gruppen von älteren Schülern geleitet wurden. In diesem Rahmen wurden häufig Fragen wie 'Wer ist Gott?', 'Wer bin ich & wie sehen mich andere?', 'Was ist mir wichtig im Leben?' oder ähnliches thematisiert und gaben einer tieferen Betrachtung wie Selbstauseinandersetzung bereits frühzeitig Übung & Nahrung.
Mit 14 wurde ich Vegetarierin, mit 15 konnte ich die Frage 'Was ist der Sinn?' endgültig nicht mehr überhören. Und mit 16 kam auch schon meine rebellische Phase. Bis hierher also ein nicht wirklich ungewöhnlicher Werdegang.
Dennoch machte ich bereits damals die Erfahrung, dass sich andere Menschen & insbesondere Gleichaltrige gleichermaßen fasziniert wie angezogen von mir fühlten, als auch umgekehrt verunsichert & irritiert, und oftmals nicht wussten, was sie mit mir anfangen sollten oder wie mich einschätzen. Während sie somit einerseits meine Freundschaft und Anerkennung suchten und mich andererseits provozierten und aus der Deckung zu locken probierten, suchten Ältere immer wieder gerne ihr Heil & ihren Segen bei mir oder gestanden mir freimütig ihre Liebe - ein Umstand, dem ich mitunter etwas ratlos gegenüberstand. Für mich selbst gilt in dieser Lebensphase wohl am ehesten, dass ich eigentlich oft selbst nicht wusste, wer ich war & was mich motivierte, warum ich war, wie ich nun einmal war, und wo bei all diesem unter Umständen mein Zuhause lag. Ich erinnere nur, dass ich mich immer wieder einmal gerne als Fremdkörper fühlte, mir irgendwie 'eckig' & 'sperrig' vorkam, und sehr häufig mehr den Blick eines Beobachters einnahm, als mich denn einfach an dem Spielen & Treiben um mich herum beteiligen zu können. Dies, da es mir mitunter schwer fiel, adäquate Seiten aus dem Hut meines Verhaltensrepertoires zu zaubern.
Es gibt ein paar Dinge aus dieser Zeit, die ich nach wie vor gut erinnere, da sie mich damals äußerst beeindruckten & eine Seite in mir zum Klingen brachten, die nach Süße und Heimat schmeckte, die mir Schauer und Gänsehaut über den Körper jagte, die mir Antwort und einen umfassenderen Kontext versprach. So ging es beispielsweise im Rahmen einer beliebigen Unterrichtsstunde [ich möchte einen Tipp abgeben: Religion?] um Ursprung & Entstehung dieser Welt, woraufhin ein Mitschüler eine interessante Sichtweise kundzugeben begann. Er sprach davon, dass er der Ansicht wäre, dass die Menschheit bereits mehrmalig existiert hätte, ihren Gang wie gewohnt durch die Geschichte und kontinuierliche Fortentwicklung nahm, und irgendwann einfach derart wissend & klug gewesen wäre, dass sie drauf & dran war, die Schleier zu lüften, das Geheimnis allen Lebens zu schauen und gottesgleich zu werden. Dies aber bedeutete seiner Meinung nach jedes Mal den Abgang der Menschheit und das Ende der Erde, Gott nahm seine Kinder aus dieser Welt, woraufhin alles wieder von vorne beginnen sollte. [Und nur mal so am Rande: Meine Güte & Respekt, Phillip, woher hast Du solche Betrachtungen genommen?].
Ich erinnere wie besagt, dass mich seine Worte äußerst faszinierten & einnahmen und dass ich mich seltsam angesprochen wie berührt fühlte.
Ein anderes Mal wurde im Rahmen eines Schulgottesdienstes [die zuweilen am längsten & langsamsten verstreichende Stunde der Woche] über Graf von Stauffenberg gesprochen und darüber, wie er auf dem Gang zu seiner Hinrichtung den Spalierstehenden furchtlos & nahezu erwartungsvoll zugerufen haben sollte: "In zwanzig Minuten weiß ich mehr als ihr!" Wieder liefen mir Schauer über den Rücken - auch hier empfand ich selbe unsägliche Faszination, Erregung & Berührtheit und zeigte mich lange von diesem Eindruck beseelt.
Doch weiter im Text & zurück zu meiner 'Rebellenphase': Mit 16 ging einfach gar nichts mehr – wenn es um Fallbeispiele klassischer wie gewissenhaft ausagierter Pubertät gehen will, dann weiß ich hier eventuell auszuhelfen. Schulboykott im Total und mich Vormittage lang in der Gegend herumtreiben, Alkoholvergiftung, von Zuhause weglaufen, etc. etc. & ganz bestimmt ohne hier alle Details zum Besten zu geben - alles mitgenommen. Ich wusste nicht wohin mit mir, und meine Eltern wussten es, denke ich, auch nicht.
Bei alledem blieb es immer schwierig, mir gegenüber damit zu argumentieren, was andere machten oder taten, oder was nun einmal üblich wäre, denn mir war es zeit meines Lebens ziemlich gleichgültig, was andere taten oder auch blieben ließen - vor allem dann, wenn sie nicht einmal begründen konnten, warum sie etwas taten. Ich stellte mich somit allezeit intensiv und ausdauernd gegen jedwede Form der Konvention, sofern sie meines Erachtens des Sinns und einer nachvollziehbaren Berechtigung entbehrte. In dieser Zeit habe ich wohl meine gesamte Familie revolutioniert & ihnen in erster Linie beigebracht, nichts oder nur wenig von mir zu erwarten, vor allem nicht dann, wenn es darum geht, dass 'man' etwas so tut oder auch bleiben lässt. [Wer ist eigentlich dieser kuriose 'man'? Hat ihn bereits jemand kennen gelernt? Dennoch ein glücklicher Mann, der diese Welt regiert.. ;-)]
Mit Abschluss der 10. Klasse setzte ich mich dann sehr für einen Schulwechsel ein, da mich zunehmend das Gefühl beschlich, mich in einer Art Scheinwelt zu bewegen, einer luftdicht verpackten, hermetisch abgeschlossenen, friedlichen & kleinen Welt, während 20 Meter weiter die Prostituierten um Kundschaft buhlten. Ich fühlte mich schlichtweg nicht länger am richtigen Platz.
Ich kam daraufhin mit den Lehrern überein, dass sie mich versetzen würden, wenn ich ginge, und bewarb mich bei der Anna-Freud, eine der wenigen Schulen, die im Leistungsfach Psychologie anbietet – und die auch ansonsten durchaus ihren Ruf weg hat, könnte man sagen...
Mit einiger Mühe & Einsatz wusste ich schließlich auch meine Eltern von meiner Wahl zu überzeugen, die immerhin wenig Argument dagegen sahen, dass alles bis auf ihre fehlende Unterschrift soweit vorbereitet und organisiert war.
Meine strebende Suche nach Sinn & Tiefe geleitete mich demnach im ersten Schritt in die Psychologie. Eine interessante Wissenschaft, die mir ohne Frage einiges bis vieles mitgegeben hat, aber meinen Hunger nach Antwort letztlich ebenfalls nicht zu stillen wusste. Zumal ich die Psychologie oftmals eher als 'krankmachende' Lehre empfand, die nahezu ausnahmslos zum Ausgangspunkt ihrer folgenden Betrachtung zu nehmen scheint, dass der Mensch & die Schöpfung an sich nicht gesund seien, und in 100 von 100 Fällen der Therapie und Klärung bedürften. Oder aber Probleme haben, von denen sie nichts wissen bzw. Defizite, die sie verdrängen.
Zumal es unser Psychologielehrer liebte, sich in jedem Semester ein bis zwei Schüler aus unserem (etwa zehnköpfigen) Kurs auszugucken, um in einem Einzelgespräch & unter vier Augen bedeutungsschwer mit ihnen zu beraten, was sie denn nun genau für Schwierigkeiten hätten, was nur mit ihnen los sei & warum sie sich so verändert hätten. Und dass es doch bittschön bei Gelegenheit zu überdenken gäbe, ob nicht eine Therapie geeigneten Lösungsweg darstellen würde. Auch ich durfte in den Genuss einer solchen Unterredung kommen – wie eigentlich jeder im Laufe von drei Jahren.
Ausgeprägte Schwierigkeiten hatte ich gleichermaßen mit der Definition der Psychologie von dem, was denn nun eigentlich gesund, normal & somit erstrebenswert sei – denn auch hier sah ich wieder einmal ein äußerst festgestecktes, kategorisches Weltbild vertreten, welches den individuellen Wesensarten außerhalb von Norm & Konvention wenig Raum lassen will, sondern die vielen subjektiven, einzigartigen Ausdrucksformen vielmehr tendenziell als fehlerhaft erklärt. Sie aber viel seltener unterstützt und fördert.
All dieses stieß mir in der Psychologie jedoch bitter auf & deckte sich so ganz und gar nicht mit meinem Empfinden, dass im Urgrund alles gut und vollkommen sei, dass jedes Individuum ein eigenes unermessliches Universum verkörpere, und dass die Schablone des 'richtigen Menschen' schlichtweg nicht existiere.
Die Psychologie versteht es in der Tat wunderbar, dem Menschen ein Fremdheitsgefühl gegenüber sich selbst zu vermitteln, sich als komisch zu empfinden & ihm das Gefühl zu geben, dass mit ihm irgendetwas nicht stimme. Dass er ein 'Problem' habe - irgendein Defizit, das ihn mehr oder minder 'abnorm' macht. Doch ich frage: Was ist die Regel, was ist normal? Und wer legt dies fest? Und auch: Liegt hier wirklich auch nur irgendwie berechtigter Maßstab?
Zeit meines Lebens ging ich demnach mit der Ansicht schwanger, dass der Segen in der Vielfalt & Einzigartigkeit, viel weniger aber in einer Gleichmacherei zu suchen wäre, und dass es tatsächlich vielmehr die engen Verhaltensstatuten und übliches Procedere eines Weltenkonsens seien, die einen Menschen vorrangig abnorm oder untauglich machten beziehungsweise für solches erklärten. Eng geschnürte Horizonte und ein zu knapp bemessenes Toleranzfeld, die somit vielmehr eigentliches Problem darstellten, als dass ein Wesen an und für sich überhaupt auch nur irgendein Problem kennen würde.
Auch begleitete mich jederzeit das Gefühl, dass den Dingen tiefere Motivation zugrunde liegen müsse und ein Wesen weitaus umfassenderer Background charakterisiere, als hier wie anderswo so gerne proklamiert. Und beispielsweise eine Suche, die ihren Blick über diese Wirklichkeit hinausrichtet, nicht zwangsläufig dem Umstand anzulasten ist, dass mir meine Schwester im Alter von 5 Jahren ungefragt meinen Lolli stibitzte und ich seit dieser unverarbeiteten & schmerzvollen Erfahrung ausgiebig Weltenflucht betreibe. Gleiches gilt für die Ursachenforschung anderer Wissenschaftszweige, allem voran der Medizin.
Es liegt mir fern, hier in irgendeiner Art ein Schwarz-Weiß-Bild zu zeichnen, oder aber die Psychologie oder anderes an den Pranger zu stellen. Die Psychologie ist eine wundervolle Wissenschaft, die sich um vieles verdient gemacht hat und es nach wie vor tut. Weiterhin erkeimte in der Zwischenzeit vielerlei innovative Betrachtung, deren Weltbild vielerorts erweitert wurde und teils sogar die Wahrhaftigkeit küsst.
Tatsächlich stellt die Psychologie, gleichermaßen wie auch die Physik, meines Erachtens noch eine der vielversprechendsten wissenschaftlichen Ansätze dar, wenn es darum geht, eines Tages die unergründlichen Weiten unseres Wesens oder dieses Universums anzuerkennen. Ihr einziges respektive vornehmliches Problem ist in meinen Augen nur, dass sie sich beiderseits nach wie vor einer logischen Beweisführung verpflichtet fühlen, und sich somit eigens das Schneckentempo diktieren. Sie fassen nicht den Mut, einen an sich begrenzten, unzureichenden Rahmen rationaler Logik zu verlassen & verwehren sich derart selbständig Verständnis und Erkenntnis, in Bezug auf Dinge, die grundsätzlich verstanden und erkannt werden können.
Das Ende der Schulzeit & zeitnaher, bereits einige Jahre ersehnter Auszug bei meinen Eltern glich denn einem Befreiungsschlag und wurde mit Pauken & Trompeten von mir eingeläutet. Nur, dass ich mich auf diese plötzliche Freiheit eigentlich kein bisschen vorbereitet sah, und somit zwischenzeitlich ziemlich aus dem Gleichgewicht geriet. Ich hatte meinem Empfinden nach so lange mit Fesseln & in einem zu kleinen Raum gelebt, meine Spiritualität & Sensitivität verleugnen müssen, und hatte mich so lange damit beschäftigen dürfen, mich als normgetreu & richtig zu beweisen, dass ich ohne dieses stützende Gerüst und so lange gewohnte Korsett kurzfristig ins Rudern geriet und kaum Halt um mich sah.
Hinzu kam, dass ich in meinem vorherrschenden Charaktermerkmal der Ungeduld [und jeder, der mich kennt, weiß ein Lied davon zu singen...] sozusagen in Windeseile die Schallmauer durchbrach & mir mein spirituelles Wissen kurzum im Schnelldurchlauf zurück- und in dieses Leben holte – einmal Himmel, Hölle und zurück sozusagen.
Meine ersten Begegnungen mit dem Tod fanden im Alter von 12/13 Jahren statt, als sich ein drei/vier Jahre älteres Mädchen aus meiner damaligen Pfadfindergruppe sehr jäh & unverhofft das Leben nahm. Gerade einmal eine Woche zuvor hatte ich mich zum ersten Mal länger und eingehender mit ihr unterhalten & sie erstmalig vollbewusst wahrgenommen. Es war ein Schock. Für entfernter Stehende wahrscheinlich noch am geringsten. Als ich 14 war wählte die Mutter einer Mitschülerin den freiwilligen Weg aus diesem Leben & mit 15 starb meine innig geliebte Oma. Bei alledem sollte es mir jedoch tatsächlich immer schwer fallen, Trauer zu empfinden. Ich war zweifellos schockiert und fühlte auch schmerzenden Verlust im Angesicht eines plötzlichen Abschieds, aber ich empfand selten Trauer. Nur, dass ich selbst nicht wusste, warum dem so war & mich damals nur selten zu erklären wusste.
Zu den traumatischsten Erfahrungen in diesem Kontext gehören daher auch nicht die Abschiede von bekannten oder geliebten Menschen an sich, sondern vielmehr vorherrschender Umgang damit. Allem voran das Schauspiel von Beerdigungen. Wenn ich sage, dass ich Beerdigungen hasse, dann drücke ich mich wahrscheinlich noch höflich aus. Tatsache ist: Ich habe sicherlich kein Problem damit, einem Menschen das letzte Geleit zu geben, ihm Ehre & Wertschätzung zu erweisen oder aber Zeichen einer tiefen Liebe zu setzen – aber ich kann nur schwer mit dem scheinbar alternativlosen Schmerz, der verständnislosen Trauer & und dem Elend leben, die auf diesen Veranstaltungen viel zu oft vorherrschen.
Bereits in meinen ersten Erfahrungen mit dem Tod begleitete mich hingegen die tiefe Gewissheit, dass jemand nach wie vor da war, dass er soeben einen Übergang gemeistert hatte und dass es ihm gut ginge – wahrscheinlich besser, als jeder von uns in diesem Leben überhaupt je von sich behaupten kann. Ich verstand nicht, warum die Trauernden sich nicht fragten, was mit dem verstorbenen Menschen passiert sei, wo er hingegangen wäre, wo er sich nun aufhielte & was nach dem Tod tatsächlich mit uns geschieht - und ich wusste nicht, um wen sie mehr weinten, ob um sich selbst oder um den Verstorbenen. Ich verstand nicht, warum sie nicht ahnten, und ich verstand nicht, weshalb sie nicht fragten – sondern es sooft vorzogen, sich mit schmerzvoller Unwissenheit zufrieden zu geben.
Gleichzeitig kennzeichnete meine Person lange Zeit eine gewisse Form der 'Todessehnsucht', was ich, und darum bitte ich, an dieser Stelle keinesfalls missverstanden wissen will. Ich war niemals ein depressiver oder bekümmerter Mensch - wenn ich auch, und dies verhält sich tatsächlich ganz & gar widerspruchsfrei, manchesmal dieses Lebens durchaus müde sein will - und bin, so vermute ich fast, weiterhin alles andere als ein optimaler Suizidkandidat.
Vielmehr suchte ich lange Zeit nach Heimat, Rückhalt & vertrautem Kontext, Dinge, die mir auch beim besten Willen schwer fallen sollten, in dieser Welt beizeiten auszumachen.
Meinem Weg entspricht es daher, dass es mir tatsächlich erst gelang, mich vollends & ganz auf dieses Leben einlassen, als ich alles über den Tod, die effektive Realität anderer Welten sowie Sinn & Absicht dieser Existenz erneut in mein Bewusstsein gebracht hatte.
Meinen Einstieg in spirituelle Thematik machte somit denn auch die Nah- & Nachtod-Forschung – ich las alles über dieses Thema, was ich nur irgendwie zu fassen bekam, ich glaube fast, es gibt kaum ein Buch aus dieser Zeit, dass ich damals nicht gelesen habe. Ich wollte wissen, was da ist, nach dem Tod, welche Wirklichkeiten hinter dieser Realität verborgen liegen, wer wir sind, woher wir kommen & wohin wir gehen. Ich war auf der Suche nach Wahrheit & Urgrund. Ich war auf der Suche nach mir selbst.
Den Beginn stellte also ein durchaus erkenntnistheoretischer, nahezu wissenschaftlich zu nennender Ansatz dar, zumal sich die damalige Nahtod-Forschung, allen voran Moody und Kübler-Ross, noch sehr um empirische Beweisführung und methodische Haltbarkeit bemühten.
Hiernach folgten Protokolle von Rückführungen & Reinkarnationsbeweise, als auch solche Scherze wie übersinnliche Phänomene inklusive parapsychologischer Erklärungsmomente, gleichsam als Beleg unserer transzendenten Fähigkeiten. Als mein Verstand gewissermaßen ausreichend befriedigt war, ich mir quasi die Gewissheit erarbeitet hatte, dass an dieser Geschichte ohne Zweifel irgendetwas dran sein musste, dass mein tiefes Empfinden Wahrheit sprach, beschäftigte mich zunehmend auch mit anderen spirituellen Themen. Es folgten die ersten Begegnungen mit sogenannter spiritueller Praxis und wiederum später der Kontakt mit anderen spirituell beschäftigten Menschen.
Im Laufe der Jahre habe ich mir somit einen umfassenden breitgefächerten Background geschaffen und eine zunehmende Rückanbindung an mein ureigenes, persönliches Wissen verfolgt. Ich möchte in diesem Zusammenhang betonen, dass es meiner Meinung nach nicht möglich ist, sich spirituelles Wissen blindlings anzulesen oder aber eines Tages mit rezipierter Wahrheit oder aber dem Bewusstsein anderer Leute spazieren zu gehen. Aus diesem Grund ging es mir auf meinem Weg & zeitlebens vielmehr darum, mich mit meinem eigenen Wissen, mit dem meinem Wesen immanenten Bewusstsein zu verbinden, als darum, die Aussagen anderer Menschen getrost & unhinterfragt zu schlucken. Ich habe daher nie den kritischen Blick auf die Dinge aufgegeben und mich lange Zeit mit den unterschiedlichsten Ansätzen konfrontiert - dies, um mir auf diese Art jeweils das eine oder das andere aus den verschiedenen Betrachtungsweisen herauszupicken - das, was mit meinem persönlichen Empfinden jeweilig Deckungsgleichheit zeigte - und somit mehr und mehr zu meiner ureigenen & zutiefst bejahten Wahrheit vorzustoßen.
Dennoch habe ich lange nach Worten gesucht, nach einer Bestätigung tief in mir liegender Ahnung & an die Oberfläche drängenden Wissens, und ich muss wohl nicht wirklich bemerken, dass diese Suche nach Verständnis & Ermutigung, innerhalb einer Welt, die mein einstiger Deutsch-Leistungskurs-Lehrer so gerne als "herkömmliche Anpackrealität" bezeichnete, mehr als oft erfolglos blieb.
Ein Aha-Erlebnis stellte in dieser Zeit & vor benanntem Hintergrund insbesondere Jane Roberts 'Gespräche mit Seth' dar, ein Gefühl, das, denke ich, manch einer mit mir teilen wird. Ich habe beim Lesen dieses Buches durchgehend geweint & sah meine so innig empfundene Wahrheit erstmals in Worte gefasst, bezeugt und niedergeschrieben. Ich war in meinen Tiefen gerührt & bewegt, schmeckte erstmalig Heimat und wähnte, mir so eng vertraut erscheinenden Kontext gefunden zu haben
Dies mein Gang in die & mit der Spiritualität. Ein Weg, der gewissermaßen keinen definierten Anfang & noch viel weniger Ende kennt. Der Versuch einer Beschreibung, die sich nicht vollständig wähnt. Eine Bebilderung mit dem Anliegen, nachvollziehen & teilnehmen zu lassen, kaum aber, um zu erklären.
Und hier & heute? Hier & heute lese ich kaum noch, bekehre niemanden, nehme vereinzelt, selten und nach Bedarf spirituelle Praxis wahr, und fühle mich eigentlich auch ansonsten ganz wohl. Nicht zuletzt fröne ich den vielfältigen Annehmlichkeiten dieses Lebens, denn irgendwie muss man es sich hier ja ein wenig nett machen... ;-)
Aber im Ernst: Weltliche & spirituelle Belange haben ein ausgewogenes Gleichgewicht erlangt, ich bin mittlerweile einigermaßen mit dieser Welt im Reinen, empfinde mein spirituelles Wissen als vollständig integriert, habe mir Erdung und wenigstens annähernd Ausdrucksvermögen erarbeitet und lerne nach wie vor & mit jedem Atemzug hinzu. Tatsächlich sind weltliche und spirituelle Wesensaspekte in der Zwischenzeit eine wundervolle, wohltuende Symbiose eingegangen, vertragen sich bestens und stehen in keinerlei Widerspruch zueinander. Sie sind eins. Und so soll es wahrscheinlich auch sein.
Ich meditiere nicht, oder aber nur selten (was bedeuten soll: immerhin kann ich es), betreibe kein Yoga, singe keine Lobgesänge auf die Ewigkeit und unterhalte nur verhaltenen Kontakt zu Wanderpredigern oder verschiedenen spirituellen Aktivisten. Und habe auch außer diesem eigentlich eher Schwierigkeiten mit solchen, denen man eine spirituelle Beschäftigung, besser noch: den 'esoterischen Hang', bereits auf Hunderte Kilometer Entfernung an der Nasenspitze ansehen kann.
Hingegen rauche ich, trinke gerne ab & an ein gepflegtes (oder auch weniger gepflegtes) Bier, liebe das Nachtleben einer Großstadt, mag meinen Fernseher, behandle das Wort 'Konsumlust' nicht als fremde Vokabel, und kann den Errungenschaften modernen Lebensstils durchaus einiges abgewinnen. Jawohl, es lebt sich gut als spiritueller Mensch.
Ein Freund fragte mich einmal: "Was würdest Du sagen, wie viel Prozent Deines Lebens nimmt die Spiritualität für sich ein?" Meine Antwort war: "Keine Ahnung. Ich würde es eher so ausdrücken, dass ich einen Apfel gleichzeitig auch noch von hinten sehe, wo andere ihn nur von vorne sehen. Das ist alles."
Tatsächlich sind das Leben und die Spiritualität nicht voneinander getrennt, sondern ist die Spiritualität das Leben selbst. Ob uns das nun bewusst ist oder nicht.
Und ich frage noch einmal: Warum Spiritualität?
Keine Ahnung, tatsächlich, ich weiß es nicht. Die meistgebrauchte Redewendung meines Wortschatzes in Gegenwart meines Erachtens unwiderlegbarer Sachverhalte aber lautet: 'Ist eben so.' [Eine Aussage, die nicht zuletzt manch ein wiederkehrendes Gegenüber, sprich Freunde & Bekannte, ab & an durchaus gerne zur Weißglut bringen will...]
Tatsache ist, dass ich kein Freund von Debatten bin, die zum Inhalt haben, warum & weshalb ein Stuhl ein Stuhl ist, ob er nicht auch ein Tisch sein könnte, oder vielleicht eine Kaffeetasse, oder eventuell auch gar nicht sei - und wir uns nur einbilden, dass er in diesem Moment gerade sein würde, besser noch: ein Stuhl wäre. Oder aber im Zweifelsfalle etwaig wir nicht wären, sondern nur der Stuhl. [Meine erste schmerzhafte Begegnung mit dem Unterricht zeitgenössischer Philosophie, ich habe diesen Kurs nie wieder besucht...].
In der selben Zeit, wo daher diskutiert werden kann, warum die Dinge sind, wie sie sind, ob sie wirklich so sind und ob wir da wirklich sicher sein können - ob Wahrheit wirklich Wahrheit ist, beschäftige ich mich daher lieber damit, wie die Dinge sind, welche Tiefen ihr Wesen charakterisiert, welche Hintergründe ein Sein oder Dasein kennt, und was sich hieraus unter Umständen schließen lässt. Gegebenenfalls auch noch damit, was sich besser machen ließe oder inwieweit tatsächliche Wahrheit Eingang in praktische Lebensrealität gefunden hat. Liegt mir einfach mehr.
Nicht zuletzt die Spiritualität itself wartet mit verschiedenen Erklärungsmomenten auf, warum und weshalb ein Menschenkind zur Spiritualität gefunden hat, vielleicht sogar im ausgeprägten Gegensatz zu vorherrschender Lebenswirklichkeit. Ich darf bekannt machen:
Vielleicht sind wir bereits erleuchtet, vielleicht sind wir ein Gottesdiener, der dieser Welt zu gesteigertem Bewusstsein verhelfen will, vielleicht sind wir von einem anderem Stern. Vielleicht waren wir in unserem vergangenen Leben Yogi Valentin und haben uns um die Heimfindung unserer damaligen 1000köpfigen Anhängerschaft verdient gemacht. Vielleicht sind wir auch Gott persönlich.
Vielleicht haben wir uns vorgenommen, in diesem Leben mit unserem spirituellen Bewusstsein zu arbeiten. Vielleicht auch nicht und tun es trotzdem.
Vielleicht haben wir vor Eintritt in diese Erfahrungswelt den "Becher des Vergessens" vergessen konsequent zu bechern. Und haben daher nicht vergessen. Oder die Mischung hat dieses Mal nicht gestimmt, wir haben gemogelt, oder wir haben Großteil des Inhalts wieder ausgespuckt. Weil wir am Vorabend übermäßig viel ätherische Feinkost hatten, und sich ätherische Feinkost und "Becher des Vergessens" partout und beim bestem Willen nicht vertragen wollten. Oder aber wir haben unsere Hausaufgaben der "kontinuierlichen Rückerinnerung & Bewusstwerdung" bis hierher sehr gut gemacht, und können uns nun in diesem Leben bereits annähernd rückerinnern. Und werden mehr & mehr bewusst. Oder mehr oder weniger. Oder wenig bis gar nicht. Oder eigentlich kein bisschen. Oder, oder, oder...
Was auch immer & wie auch immer - die Begründungen sind zahlreich und schillernd.
Dennoch ist an diversen der soeben angeführten Sachverhalte wohlmöglich einiges mehr dran als es eben erfolgte Darstellung zweifelsfrei vermuten lassen will. Vielleicht auch an allen. Vielleicht auch an keinem. Das werde ich jetzt aber hier nicht verraten.
Tatsache bleibt: Niemand wird in diesseitigen Erfahrungswelten jemals zuverlässig in Erfahrung bringen können, was seine Seele motiviert und bewegt, was sein weiseres Ich für dieses Leben plante & welche tiefliegenden Absichten sein Wesenskern verfolgt. Niemand wird je beurkundet sagen können, was wir hier und in anderen Welten trieben, wissen, sind oder waren, und ob wir wirklich der grandioseste Mensch auf diesem Planeten sind, wie wir üblicherweise so gerne von uns annehmen.
Wir können Vermutungen anstellen, wir können ahnen, wir können uns annähern, und den leisen Impulsen unserer selbstehrlichen intuitiven Kräfte folgen. Aber wir werden nur selten wissen, bedeutet unzweifelhaft als auch vollständig erinnern.
Demnach soll auch hier, hinsichtlich der Frage, warum & weshalb jemand die Spiritualität für sich wählte, welcher Weg ihn hin zu einer spirituellen Beschäftigung führte, welche etwaigen Begründungen es für seine unermüdliche Sinn- & Wahrheitssuche geben kann, schlicht & einfach gelten: Ist eben so.
Sicherlich hat jedes Wesen, das sich im Laufe seines Lebens der Metaphysik öffnete und einer spirituellen Auseinandersetzung fortan seine innige Zuwendung schenkte, seine ganz eigene Geschichte der Bewusstwerdung zu erzählen. Was sich jedoch zumeist wie ein roter Faden durch alle diese vielgestaltigen Wege zieht, ist die essentielle wie beherrschende Frage nach Sinn und Absicht dieser Existenz. Die Frage nach dem Urgrund unseres Seins sowie nach hinter dieser Realität verborgener Wirklichkeit.
Was die vielgestaltigen Wege, die allesamt in der Spiritualität münden wollen, weiterhin eint und verbindet, ist die tatsächliche Nebensächlichkeit des äußeren Wie's und Warum's. Manchesmal mag es zuerst die überraschende metaphysische Erfahrung sein, die unsere entschlossene Sinnsuche nach sich zieht, ein anderes Mal auch unsere Begegnung mit dem Tod, manchesmal ist es die bloße Frage 'Was ist der Sinn', die unseren resoluten & entschlossenen Gang anführt. Dennoch ist und bleibt allen diesen Spielarten gemein, dass jegliche äußeren Elemente lediglich verschiedengeartete Motoren sind, die alle ein- und dasselbe Ziel vor Augen haben: Uns persönlich auf den Plan zu bringen und uns mit unserer Spiritualität auch im Bewussten zu vereinen. Demnach sind alle offenkundigen wie sichtbaren Geschehnisse jedoch lediglich Mittel zum Zweck.
Für viel interessanter halte ich daher auch die Frage, welche Berechtigung Spiritualität nun eigentlich hat. Ist sie Spinnerei, Weltenflucht, obskures Hobby? Oder ist sie unter Umständen doch Wahrheit? Sind die Esoteriker und Spirituellen dieser Welt für alle Zeit und hoffnungslos verloren? Oder kann es vielleicht sein, dass die bewusste Rückerinnerung an unseren Ursprung und in uns liegendes Wissen letzten Endes früher oder später auf jeden von uns wartet?
Ich möchte die Antwort auf diese Fragen gerne jedem selbst überlassen.
Indessen blicke ich zurück auf eine Epoche der rund 10jährigen intensiven spirituellen Auseinandersetzung. Da mich aber all jene dargelegten Fragen, die konsequente Suche nach Sinn & Wahrheit, sowie das Sehnen nach Tiefe, Hintergrund und Bewusstsein bereits von Kindesbeinen an begleiteten, möchte ich einfach einmal davon ausgehen, dass diese Dinge irgendetwas mit mir zu tun haben. Dass sie beliebige Berechtigung kennen. Dass sie einen gewissen Gehalt ihr eigen nennen dürfen.
Und ein letztes Mal: Warum Spiritualität?
Frag Gott, frage das Universum. Frage die Natur oder frage den Wind. Oder aber frage Dich selbst.
Am besten noch, Du fragst überhaupt nicht, sondern bringst einer spirituellen Beschäftigung ganz einfach dieselbe Akzeptanz & Offenheit entgegen, als wenn Dir jemand erzählt, dass er Briefmarken sammelt. Dass er gerne Spinat isst. Dass er sich für Physik interessiert.
Eine Leidenschaft, die Du teilen kannst. Oder eben auch nicht.
WiderSinne
Wie las ich noch vor kurzem in einem Interview mit Helmut Dietl [...es sei zugestanden: in der Bunten - jawohl, ich gebe zu, dass People Magazines ganz und gar zu von mir favorisierter Lektüre zählen und als breitangelegte Inspirationsquelle kaum unterschätzt werden sollten]:
"Komödien zu machen ist der Ausdruck einer Verzweiflung. Komödien sind die Waffe, mit der man sich wehrt gegen eine beschissene Welt. Ich glaube, die einzigen, denen es wirklich gut geht, sind die Tragiker."
Wie auch immer - und ob richtig, oder ob falsch, oder aber unter Vorbehalt. Tatsache ist, dass insbesondere auch im spirituellen Anspruch Theorie und Praxis nicht selten zwei ungleiche Schwestern sind.
So begegnen uns hier oftmals Menschen, die zwar offen und gerne von Bewusstsein sprechen und unter Umständen weiterhin weite Teile ihres Lebens der Bewusstwerdung dieser Welt verschrieben haben - ein Umstand, der [und dies meine ich zur Abwechslung absolut aufrichtig und ernst] schon ganz für sich alleinstehend allen Respekt und jede Anerkennung verdient - dennoch müssen wir nicht davon ausgehen, dass "nach geklärtem Bewusstsein streben" immer und unbedingt deckungsgleich mit "geklärtes Bewusstsein auch erlangt haben" zu sein hat. Anders ausgedrückt: Nicht alles, was mit 'Bewusstsein' etikettiert ist, muss letztlich auch Bewusstsein zum Inhalt haben.
Zum einen liegt dies sicher daran, dass der Mensch nach wie vor Mensch ist, und somit zwangsläufig ebenso im spirituellen Kontext mit (s)einem limitierten Bewusstsein zu kämpfen hat, als auch darüber hinaus unbedingter Teilhaber eines Massenbewusstseins ist, dass so viele Irrtümer kennt, wie die Sahara Sandkörner zählt.
Zum anderen haben wir es in Gestalt der Spiritualität mit einer Form der Auseinandersetzung zu tun, die jegliche menschlichen Verstandeskräfte wie gewohnt rationale Logik bei weitem übersteigt, und es somit schwer macht, allgemeingültige Definitionen, Richtlinien und/oder Wertmaßstäbe aufzustellen, die sich darüber äußern, was sich 'Bewusstsein' nennen darf und was nicht. Was Wahrheit ist und was nicht.
Und zum dritten beansprucht der spirituell Beschäftigte dieser Tage sicherlich nach wie vor eine Art Vorreiterrolle oder Sonderposition für sich, die ihn gewissermaßen auf sich allein gestellt sein lassen, und ihm nicht viel mehr mit auf den Weg & an die Hand zu geben wissen, als sein ureigenes Erkenntnisvermögen und seine ganz persönliche Urteilskraft.
Ich für meinen Teil unterscheide gerne zwischen 'Spiritualität' und 'spiritueller Praxis'. Während das eine die ewig gültige & sich fortwährend erweiternde Wahrheit beschreibt, ihr erwachendes Bewusstsein und einen voranschreitenden Weg der Erkenntnis, muss das andere, die spirituelle Praxis, nicht zwangsläufig und in jedem Fall naturgetreues Abbild & Spiegel dieser Wahrheit bedeuten. Sondern versteht es vielmehr, auch all jenem Raum zu geben & das viele mit in sich aufzunehmen, das vielleicht am passendsten als logischer Irrtum, partielles Defizit, traditionsreiches Missverständnis oder eben auch als praktischer Anwendungsfehler umschrieben werden kann.
Ganz bestimmt soll es niemanden geben, weder heute, noch morgen, noch übermorgen, der festlegt und uns diktiert, was wir als richtig erachten zu haben, und was als falsch, wo wir meisterhaft ins Schwarze trafen - und wo auch kilometerweit daneben. Niemand soll darüber richten, ob wir uns spirituell nennen dürfen oder nicht, und niemand soll Aussage über unseren individuellen Bewusstseinsstand treffen können. Und dennoch: Wenn es dort niemanden gibt außer uns selbst, keine Instanz, keinen Richter, keine Statuten, die uns Feedback geben, und wir zeitgleich von einem behauptet innigen Wunsch nach wirklicher Wahrheit & unverklärtem Bewusstsein beseelt sind - ist es da nicht angebracht, den Anspruch an uns selbst so hoch wie möglich zu halten? Uns in Selbstkritik & einer fortwährenden Überprüfung unserer Absichten zu üben? Unsere Wahrheit kontinuierlich auf wirkliche Wahrheit zu prüfen?
Und wenn wir uns darüber hinaus zusätzlich zur Aufgabe machen, uns nicht nur um unser individuelles, sondern auch um ein kollektives Bewusstsein und seinen Anstieg verdient zu machen, und in dieser Hinsicht wiederum den Kolumbus wie Che Guevara gleichzeitig geben, ist in diesem Fall nicht noch einmal mehr größte Sorgfalt, alle Bedacht & innige Verpflichtung gegenüber tatsächlicher Wahrheit angesagt?
Eine der fundamentalsten & zugleich herausforderndsten Einsichten ist sicherlich die Erfahrung, dass sich Erkenntnis nicht beibringen lässt. Tatsächlich lässt sich noch nicht einmal der aufrichtige Wunsch nach Einsicht und/oder nach wirklicher Wahrheit vermitteln. In der Tat ist in dieser Sache so viel Freiwilligkeit erfordert & unumstößlicher Spieleinsatz, wie kaum in irgendeiner anderen Angelegenheit sonst. Damit aber steht und fällt jeglicher Anspruch auf Wahrhaftigkeit mit unserem selbstehrlichen Verlangen nach ihr.
Und doch sind es gerade diese uneinheitlichen Selbstansprüche, die unterschiedlichen Umgangsweisen mit einem erhabenen Begriff wie dem des 'Bewusstseins', sowie eine viel zu häufig mangelnde Kritikfähigkeit, die jemanden im Kontext spiritueller Praxis schier zum Verzweifeln bringen können. Denn: Wie will ein spiritueller Ansatz der Welt zu geklärtem Bewusstsein verhelfen, wenn er selbst nicht geklärt ist? Wie möchte eine spirituelle Praxis das Begreifen lehren, wenn sie selbst nicht begriffen hat?
Wenn es aber nicht das zunehmende Bewusstsein, die voranschreitende Einsicht & Erkenntnis sowie das erhellende Verständnis sind, die diese Welt punktum zu einer besseren, weiseren & angenehmeren machen können, dann wüsste ich nicht, was es dann könnte.
Ich habe lange damit zu tun gehabt, mich in spirituellem Background von Menschen umgeben zu sehen, die zusammengenommen für die Begriffe "Bewusstsein", "Wahrheit" und/oder "Erkenntnis" zwei Milliarden unterschiedliche Interpretationen & Auslegungen kennen, um diese denn auch wechselweise und entsprechend nach Tagesverfassung jeweilig routiniert Anwendung finden zu lassen. Und dennoch nehmen wir alle für uns in Anspruch - längst per Du & bestens befreundet mit zwei Milliarden unterschiedlichen Ansätzen - auf der Suche nach der "Einen Wahrheit", den "Ewig und immer gültigen Gesetzen" und "Universellen Erkenntnissen" zu sein...
Ich habe lange damit zu tun gehabt, die spirituelle Praxis als 'Jongleur der tausend Widersprüche' in der Manege auftreten zu sehen - ein Jongleur, der sich bestenfalls zum Clown, gelegentlich aber leider auch schlicht zum Affen macht. Hantierend mit besagter Vielzahl von Widerspruch, um diese dennoch nicht zum Anlass für die Arbeit an jeweils betroffener Thematik zu nehmen, sondern diese Widersprüche vielmehr friedlich Seite an Seite koexistieren, und sich freiheitlich ihres Daseins erfreuen zu lassen.
Ich betone: Niemand von uns ist vollkommen, niemand ist allwissend und niemand ist unfehlbar. Und darum geht auch überhaupt nicht. Wir alle sind Individuen mit einem unantastbaren Recht auf unsere Einzigartigkeit.
Die Frage lautet daher auch nicht, wer ist wie vollkommen, wie wissend und wie unfehlbar, sondern: Nach wie viel individueller Vollkommenheit, nach wie viel Wissen & tatsächlicher Erkenntnis, nach wie viel Wahrheit streben wir persönlich? Und wie viel der aufrichtigen Selbstehrlichkeit sind wir bereit, hierfür in Kauf zu nehmen?
Niemand außer uns selbst, der uns eine Beantwortung dieser Frage abnehmen könnte.
Aber vielleicht könnte es sich ab & an äußerst heilsam und einend ausnehmen, dass es nicht unsere Individualitäten & Einzigartigkeiten sind, die uns trennen, und uns in spirituellen Belangen so häufig zu unterschiedlichem Ergebnis kommen lassen, sondern vielmehr vorliegender unterschiedlicher Selbstanspruch sowie ein uneinheitlich ausgeprägter Wunsch nach tatsächlicher Erkenntnis.
Vielleicht könnte es sich ab & an noch weitaus heilsamer und einender darstellen, feststellen zu dürfen, dass wir auch außerhalb eines spirituellen Backgrounds ernst genommen werden, da wir angefangen haben, uns selbst ernst zu nehmen. Da wir begannen, bestehende Defizite & Widersprüche auszuräumen, uns in Richtung eines grobgefassten gemeinsamen Nenners zu bewegen, sowie es indessen verstehen, uns als geeinte, organische Gemeinschaft zu präsentieren.
So lange ich mit benannten Phänomenen spiritueller Praxis konfrontiert gewesen bin, so lange habe ich auch nach Worten und Wegen gesucht, meinen Gedanken und Empfindungen geeigneten Ausdruck zu verschaffen. Kritik, Ärger und Belehrung sind keine geeigneten Werkzeuge. Dies musste ich begreifen.
Geblieben sind mir indessen die wundersamen Mittel des Humors, der Ironie und des vereinzelten Sarkasmus. Und ja, ich fühle mich äußerst wohl damit.
Die (Wider)Sinne sind demnach gleichermaßen Therapie wie unbändiges Vergnügen für mich. Ich liebe es, sie zu verfassen und mag, sie zu lesen, und hoffe, dass dieses Amüsement manch einer mit mir zu teilen weiß. Nicht zuletzt meine ich zu wissen: Ich habe Sprache gefunden.
Und schließlich darf nun geraten werden: Was ist dran an diesen (Wider)Sinnen? Was ist Dichtung, was Realität? Wo finden wir Fiktion, wo tatsächliche Erfahrung?
Ich sage nur soviel: 'Narrenfreiheit' ist vielleicht üblicherweise kein in der spirituellen Praxis häufig verwendeter Begriff - und dennoch ist sie unter Umständen jederzeit zugegen...
Wie sagt Dietl? "Ich glaube, die einzigen, denen es wirklich gut geht, sind die Tragiker."
Wenn ich mir das so recht überlege, bin ich, denke ich, ein wenig anderer Meinung.
Denn wie gut kann man es sich gehen lassen, in engem Schulterschluss mit Humor, Ironie und dem gelegentlichem Sarkasmus. Ein Lustspiel, in das vielleicht sogar verschiedener Beteiligte Eingang sucht, und somit Zuhörer findet, wo der unversöhnliche Kritiker vor leeren Reihen sitzt. Verbunden mit der Einsicht, nicht da zu sein, um die Dinge zu anderen machen, sondern um sie schlicht & einfach zu sehen, wie sie sind.
Und vielleicht reicht allein der unverstellte, unbemühte Blick, der auf den erhobenen Zeigefinger ganz & gar verzichtet, die Dinge eines Tages zu gänzlich anderen zu machen. Ihnen zu einer geklärten Variante ihrer selbst zu verhelfen & Beobachter ihres eigenen, freiwilligen Wandels zu sein.
In diesem Sinne: die (Wider)Sinne!
Ein ganz normaler, spirituell begnadeter Tag
Ihr wolltet schon immer mal wissen, wie der spirituelle Mensch seinen Tag verbringt? Here you are - willkommen im Leben des spirituellen Bewusstseinsjüngers unserer Gegenwart! An Kopie & Nachahmung Interessierte werden jederzeit herzlich in spirituelle Reihen aufgenommen. Ansonsten hoffe ich inständig, mit diesem Essay wenigstens alle Vorurteile, der spirituelle Mensch sei ein wenig betriebsames Wesen, fortwährend ausgeglichen & in sich ruhend, sowie verstehe nie und nimmer Bedeutung des Wortes "Stress", an dieser Stelle vollständig wie endgültig ausräumen zu können. Bitte unbedingt zu beachten: Nein, wir sind nicht vom spirituellen Ehrgeiz getrieben! Und ebenso dies ein Missverständnis: Nein, wir tun nicht alles & jedes dafür, um schnellstmöglich von hier wegzukommen. Und somit mittels dringendst angestrebter Erleuchtung bestenfalls zeitnahen Abschied von dieser Welt zu zelebrieren. Um es daher ein für allemal klarzustellen: Wir sind einfach nur beschäftigt!! Okay?!
5:00: Ich erwache von dem lieblichen Gezwitscher der Vögel, räkle mich wohlig im noch nachtwarmen Bett, öffne die Augen und schaue einem wundervollen, mich innig umarmenden Tag ins Gesicht. Ich bin ausgeschlafen und fühle mich voller Tatendrang.
Nun gut, ich will ehrlich sein – ganz so war es gerade heute nicht. Tatsächlich bin ich um 5:06 aus dem Schlaf geschreckt, musste feststellen, dass ich meinen Wecker überhört hatte - trotzdem ich indessen zwei von ihnen besitze, einen unter jedes Ohr gebunden, eine äußerst bewährte Methode -, und musste zusehen, dass ich eiligst aus den Federn komme. Denn: Mein gesamter Zeitplan gerät in Gefahr. Doch selbst die Vögel schlafen heute noch - vielleicht haben sie Recht.
5:17: Zwar stehen meine Lider jetzt andauernd offen und ich habe mittlerweile 3 Tassen Getreidekaffee intus, Lebenselixier eines jeden spirituell agilen Menschen, wahlweise auch zu ersetzen durch: ein Glas energetisiertes Wasser, Kommt-All-Ihr-Englein-Tee, einen Knoblauchsaft (Rohkost), einen Becher reine Luft (Lichtnahrung) oder auch einen Wodka – es wird offenbar, die spirituelle Küche ist äußerst abwechslungsreich -, allerdings ist mir in der Zwischenzeit siedend heiß eingefallen, dass ich vergessen habe, mit einem Lächeln zu erwachen.
Flugs lege ich mich daher erneut ins Bett, simuliere den Nachtschlaf, daraufhin das Erwachen – und lächle. Na wunderbar, auch das hat noch geklappt – es kann also weitergehen.
5:26: Zähneputzen, Duschen sowie sonstige Badaktivitäten müssen ausnahmsweise entfallen (seit mittlerweile zwei Wochen komme ich nicht mehr dazu, allein aus dem Grund, dass ich unter akuten Aufwachstörungen leide - eine Symptomatik, deren metaphysische Ursache mir bis hierher leider gänzlich unbekannt bleiben musste - ich sollte hierzu gelegentlich die geistige Welt befragen). Doch da ich tatsächlich ziemlich im Zeitverzug bin, dennoch aber unbedingt zu meditieren habe, bin ich gezwungen, Prioritäten zu setzen. Da es Gott jedoch weniger zu interessieren scheint, ob ich zum Himmel stinke, sondern vielmehr (sowie im Wirklichen und Wesentlichen zählt), dass ich weiß, dass ich zum Himmel stinke (=Bewusstsein), werde ich wiederholt beide Augen zudrücken. Denn: Ich weiß, dass ich stinke. Also kann ich auch weiterstinken (=angewandte Spiritualität). Und mich getrost aufs Meditieren verlegen. Schließlich wartet weiteres, gleichermaßen schier ungeahntes Bewusstsein auf mich.
13:15: Mit Mühe und Anstrengung habe ich alle Elemente der von mir täglich absolvierten spirituellen Geistarbeit unterbekommen können. Knapp aber dennoch. Flehende Gebete für diese Welt, Heilaffirmationen, Licht- und Liebesvisualisierungen, Invokationen (ich hatte vergessen, wen oder was ich anzurufen habe, aber egal, ich habe ihn oder es dennoch gerufen) und nicht zuletzt realistisches Aufstiegstraining in natürlich-gewohnter Umgebung – alles getätigt. Lediglich bin ich heute nicht dazu gekommen, meine DNS-Neukodierung entsprechend voranzutreiben, denn der hierfür zweifelsfrei benötigte DNS-Strang (schlussendlich werde ich 12 hiervon besitzen, die mir im Verein das Gesamt meiner göttlichen Fähigkeiten zurückgeben werden), dieser besagte DNS-Strang, der mir seit Tagen geliefert sein sollte, findet sich in genau diesem Moment in meinem Postfach hinterlegt. Dort liegt er zweifellos gut, Tatsache aber ist, dass ich es schon länger nicht mehr dorthin geschafft habe. Egal, ich werde diesen Punkt nachholen. Gleich morgen.
Und schließlich war es auch ohne dies wahrhaft wieder äußerst erhellend heute. Das Meditieren meine ich - nicht die mittlerweile hoch am Himmel stehende Sonne. Aber diese nützt mir zweifelsfrei auch. Nun kann ich lesen. Spirituelle Schriften, will ich meinen, und ganz ohne künstliches Licht zu benutzen. Welches fraglos jedweder göttlich-inspirierten Energie entbehrt und daher auch kaum von mir verwendet werden will - dies der einzige Grund, weshalb mir mein spiritueller Alltag im Winter geringfügig schwerer fällt.
15:47: Mein Nachbar hat geklingelt. Ob denn alles in Ordnung wäre, es sei so ausnehmend still bei mir an diesem Tage. Selbstverständlich ist alles in Ordnung, ich lese. Natürlich hat er nur einen Vorwand benutzt - bei mir ist es schließlich immer ausnehmend still. Wie auch sonst, wenn ich hören möchte, wie das Universum mir spricht. Tatsächlich wollte er eine Tasse energetisiertes Wasser mit mir trinken, ich wähnte zudem, Kuchen in seiner Hand zu sehen. Tut mir leid, aber für derlei weltliche Zerstreuung bleibt mir beileibe keine Zeit, ich muss mich wertvollem spirituellen Studium widmen. Ich lese ein Buch. In diesem Fall ein Buch über konkrete Praxis der Nächstenliebe.
16:08: Irgendwie hat es mein Nachbar erreicht, mich gänzlich meiner Konzentration zu berauben. Er geht mir in der Tat bisweilen auf den Keks - auch wenn er wirklich nett ist. Und dennoch vergeht kein einziges Jahr, in dem er nicht einmal bei mir klingelt.
Nun ja, ich möchte ihm zugute halten, dass er nicht wirklich über das Ausmaß erforderlichen Arbeitseinsatzes eines spirituell engagierten Menschen im Bilde ist, dafür kann er ja schließlich nichts. Obwohl, andererseits hätte er sich schon längst einmal mit mir darüber unterhalten können. Bei einer Tasse energetisiertem Wasser und Kuchen vielleicht – aber auf die Idee kommt er ja nicht. Stattdessen stört er mich und hält mich allein aus dem Grund durch und durch irdisch basierter Bedürfnislage von meiner fürwahr so bedeutsamen Arbeit ab.
Nun gut, dann werde ich eben Beweis meiner ausgeprägten Flexibilität erbringen - zudem höchste Tugend des spirituell Engagierten, als der ich es immer und überall verstehe, gekonnt auf aktuelles Zeitgeschehen zu reagieren. Ich trete in die aktive Phase meines Tagesablaufs ein, 7 Minuten früher als beabsichtigt. Nein, nein, kein Hatha-Yoga, das bekommt mir nicht. Viel zu anregend seine Wirkung, bin ich doch letztlich den ganzen Tag ausschließlich in schweißtreibender Aktion. Ich brauche Beruhigung. Die aber finde ich wo? Natürlich, bei meinen spirituellen Brüdern und Schwestern im Geiste. Ihre Liebe zur mir wirkt tatsächlich zehntausend-, was sage ich, millionenfach beruhigender auf mich als jede übliche zwischenmenschliche Begegnung. Welch letztgenannte ich überdies in der Tat schon lange nicht mehr benötige. Das spirituelle Dasein entbürdete mich.
Dennoch: Der Frieden, die Harmonie und die Eintracht, die im Kreise meiner spirituellen Geschwister herrschen, führen mir vor, dass die spirituelle Beschäftigung ohne jeden Zweifel ein zukunftsträchtiges Lebensmodell verkörpert. Eines, das alle Probleme dieser Welt von heute auf morgen zu lösen wüsste. Ich schalte den Computer ein - nein, ich habe noch niemanden von ihnen persönlich kennen gelernt, wir pflegen ausschließlich verträglichere Formen des innigen Kontakts -, gehe ins Internet und betrete unsere Plattform. Rein virtuell versteht sich. Nun gut, was machen meine geliebten Gefährten gerade? Einen Moment, ich habe die Tür zu unserem, nebenbei bemerkt: äußerst geschmackvoll eingerichteten, "Raum der Begegnung" sogleich geöffnet – oh, nein, sie streiten sich. Das kommt mir jetzt aber wirklich ungelegen. Und überhaupt, haben sie diese Woche schon irgendetwas anderes getan? Diesen Monat, dieses Jahr? Was soll's, dann muss ich eben umdisponieren. Ich trinke einen Wodka.
17:02: Ich habe die zurückliegende Zeit spirituell vorbildlich genutzt: Derweil habe ich mir geschwind die neuesten drei Dutzend zeitnah erschienener spiritueller Errungenschaften im World-Wide-Web bestellt, die selbstverständlich gerade einmal bis übermorgen reichen werden. Mir oberstes Gesetz: Immer schön auf dem Laufenden bleiben. Nun aber steht die spirituelle Erziehung auf dem Programm.
Ob die fünf Wodka, die ich mir in der Zwischenzeit zu Gemüte geführt habe, meiner für diesen Zweck dringend benötigten differenzierten Artikulation allerdings gut getan haben – ich entbehrte schließlich des überaus wichtigen Tagesbestandteils der Beruhigung – ich bin mir nicht sicher. Ich stelle einen Versuch bei meiner Katze an – sie versteht mich nicht. Dies aber beunruhigt mich zusehends, der Wodka war demnach für die Katz. Nicht für meine natürlich. Selbstverständlich nicht. Aber den Wodka, den muss ich mir abgewöhnen.
17:15: Spirituelle Erziehung: Ich suche meine gesamte umliegende Gemeinde auf, mit Ausnahme besagten Nachbarn natürlich - nachher sucht er wieder das persönliche Gespräch -, und kläre über den Segen der spirituellen Beschäftigung auf. Ganz diskret natürlich, schließlich will ich niemanden vergrämen. Aus diesem Grund aber geselle ich mich wie selbstverständlich jeweilig ihrem Abendessen hinzu.
Ich honoriere ihre aufmerksame Bewirtung mit dem Fallenlassen der ein oder anderen spirituellen Vokabel und trete zu vorgerückter Abendstunde meinen Heimweg an. Meine Güte, bin ich satt. Ganz so übel sind die Menschen allerdings nicht - Kochen können sie, das muss man ihnen lassen. Dennoch: Sie haben noch viel zu lernen. Aber dafür haben sie ja mich.
21: 58: Nun tue ich etwas, das eigentlich mein Geheimnis bleiben möchte. Zudem das letzte, in der Tat allerletzte Überbleibsel aus meinem vornehmlich weltlich ausgerichteten Vorleben [es sei denn, der Wodka sollte wider Erwarten gleichfalls in diese Kategorie fallen]. Ich sehe fern. Allerdings heimlich. Zu blamabel und unangenehm empfände ich es, wenn mich einer meiner spirituellen Brüder und Schwestern hierbei ertappen würde. Daher verhänge ich sorgfältig Fenster und Türen, letztere dichte ich zusätzlich ab, gehe ab hier an nicht mehr ans Telefon, und gebe mich nun endlich der einzig meinem Alltag verbliebenen Sinnenfreude hin. Nun gut, ich möchte nicht unfair sein – tatsächlich ist mein gesamtes Leben ein ausnahmsloser Quell der Freude. Aber dennoch sehe ich gerne fern. Muss ich mir dringend abgewöhnen.
22:47: Es wird Zeit für die zweite Hälfte meiner täglichen, allgegenwärtigen Kontemplation. Ich begebe mich zu diesem Zweck in meinen heiligen Raum und wiederhole das Procedere des Vormittags. Immer noch ohne die Passage der Neukodierung, versteht sich. Geht leider nicht anders. Die Post ist schuld: Sollen sie doch endlich meine DNS rausrücken. Rief ich doch heute auf dem Postamt an, um Erkundigung einzuholen, und sie behaupteten, sie hätten derlei Sendung nie zu Gesicht bekommen. Von wegen... Meine Vermutung ist vielmehr, dass sich da jemand die Neukodierung ganz besonders einfach machen und sich zudem kaum zu verachtende Kostenersparnis verschaffen wollte. Hat sich bestimmt einer meinen DNS-Strang unter den Nagel gerissen. Ganz so geht das allerdings nicht - ich werde morgen unverzüglich Beschwerde einreichen.
02:10: Ebenfalls meine Selbstbesinnung wäre für heute erledigt. Nun wird es nur noch darum gehen, meine spirituell heilsbringende Kassette zu hören, wobei ich von dieser "Zur unmittelbaren Erleuchtung" spreche. Sie wird sicherlich jedem spirituell Aufgeklärten ein Begriff sein. Wirklich wichtig ist, dass ich besagte Kassette jeden Tag, sowie kontinuierlich über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten höre - denn die "unmittelbare Erleuchtung", die kann ich sonst vergessen. Die letzte Aufgabe für diesen Tag wird sein, voll inneren Friedens einzuschlafen. Mit dem Einschlafen habe jedoch in der Regel keinerlei Schwierigkeiten, ganz im Gegensatz zu den mir unerklärlichen Aufwachstörungen. Nun ja, morgen werde ich die geistige Welt hierzu befragen. Sofern ich dieses Mal dazu kommen sollte.
03:19: Das Hörspiel ist beendet. Ich schließe die Augen, danke der geistigen Welt für diesen wundervollen Tag – und denke kurzfristig daran, dass ich in etwa zwei Stunden wieder aufstehen muss. Ein Gedanke, denn ich flugs wieder vertreibe, schließlich will ich keinesfalls undankbar sein.
Gesegnet sei das spirituelle Dasein. Gesegnet das Bewusstsein, das uns jede Freiheit schenkt. Und frei will ich werden, da bin ich sicher...
Think Pink: Positives Denken
Nun gut, eventueller Nutzen und etwaige Wirkkraft positiven Denkens sind ja nun bereits öfter einmal thematisiert worden und dürften auch dem spirituell Unbefleckten mittlerweile durchaus ein Begriff sein. Aber, Attention please, Attenzione, Atención por favor - ich bitte um ungeschmälerte Aufmerksamkeit: Ihr wisst ja noch nicht das Neueste! Von heute an ist es nicht mehr nur eventuell nützlich und etwaig günstig, positiv zu denken, nein, ab jetzt & sofort müssen wir positiv denken!! Wehe dem aber, der nicht positiv denkt. In diesem Fall kann Euch wirklich keiner mehr helfen. Und dieser Welt sowieso nicht.
Derlei Erkenntnis nennt man in unseren Reihen aber innovatives Fortschrittsgut.
Und wieder einmal beglückt uns die spirituelle Praxis mit ganz & gar geklärter Lehre und verhilft unserem Bewusstsein zu ungeahnten Quantensprüngen. Herzlichen Dank auch!
Und glaubt mir, Leute: Ich hab's wirklich versucht...
Unsere Gedanken erschaffen unsere Realität. Wir sind, was wir denken. Jeglicher grobstofflichen Wirklichkeit liegen feinstoffliche Ursächlichkeiten zugrunde. Gedanken sind der Urgrund aller Schöpfung.
Siehe:
Keinesfalls möchte der enge Zusammenhang zwischen Denken und Sein, zwischen
Vorstellungskraft und Erfahrung, zwischen innerer und äußerer Realität von
mir geleugnet werden. Dennoch: Seitdem wir es hier nicht mehr allein mit
dezenten Angeboten positiver Affirmationsmöglichkeiten, sowie behutsamen
Verweisen auf nutzbringendende Gedankenmuster zu tun haben, sondern diese zu
unseren Tagen dem Absolut eines zwingend gewordenen Anspruchs weichen mussten,
lastet ein enormer Druck auf meinen Schultern. Ich spreche von der Aufforderung,
dringendst auf unsere Gedanken zu achten und nur noch Gutes, ergo: nichts
Schlechtes mehr zu denken.
Ich fasse zusammen: Der spirituelle Bewusstseinsjünger dieser Tage sieht sich heute allerorts wie unwiderruflich dazu aufgefordert, dringendst auf seine Gedanken zu achten und nur noch Gutes, auf gar keinen Fall aber länger Schlechtes zu denken. Denn: Die innovative Lehre unserer Gegenwart hat wieder einmal druckfrische Erkenntnis für sich ausgemacht - und verkündet seither, dass es niemals so wichtig gewesen sei, Gutes, niemals aber so fatal wie heute, auch nur vereinzelt Schlechtes zu denken. Daraus aber folgt: Wir haben dringendst auf unsere Gedanken zu achten, siehe oben.
All
dies, um diese Welt endlich zu einer Besseren zu machen (mittels unserer
Gedanken), ihr in eine verheißungsvolle Zukunft zu verhelfen (mittels unserer
Gedanken) und nicht zuletzt, um uns zu diesen Tagen der gesteigerten
Verantwortung eines Mitschöpfertums als weise wie verantwortliche Schöpfergötter
zu erweisen (mittels unserer Gedanken). Alternativ können wir auch von erneut
aktivierter Eigen- und/oder Selbstmacht sprechen, die uns allesamt von den
Himmeln höchstpersönlich übertragen wurde. Tatsache scheint: Wir sind für mündig
erklärt. Gott hält uns für erwachsen. Von nun an gibt niemand mehr Acht, was
wir denken. Von nun an hält niemand mehr eventuellen Schaden begrenzt. Zu
schade auch.
Und
schließlich wird verkündet, dass all unsere Manifestationen [die tatsächlich
niemals einem anderen Prinzip folgten, nebenbei] heute einer stetig zunehmenden,
unwiderruflichen Zeitbeschleunigung unterliegen, die unseren Gedanken immer
unverzüglicher Realität folgen lassen. Nicht nur daher sind wir kaum noch
imstande, so mitgelieferte Erklärung, unsere Manifestationen zu revidieren, wie
es uns beispielsweise noch vor einem guten Jahrzehnt möglich gewesen sei. Was
jedoch zweifelsfrei bedeutet, dass unsere Gedanken zu diesen Tagen nicht ganz
ungefährlich sind. Ein Hinweis, der es mir allerdings nicht wirklich leichter
macht.
Seitdem ich also mit diesem überaus wesentlichen, unermüdlich aufgefrischten Appell konfrontiert worden bin, nur noch Gutes, ergo keinesfalls Schlechtes mehr zu denken, habe ich ein Problem. Man könnte auch sagen: Seitdem mir zu Ohren gedrungen ist, wie fundamental wichtig es ist, ausschließlich positiv zu denken, ist es mir unmöglich geworden, positiv zu denken.
Und
wieder einmal ist es die spirituelle Praxis, die mich eines unbedarften
Gottvertrauens beraubt und mir dafür Bewusstsein schenkt. Ich muss ihr wohl
dankbar sein.
Ich
denke, also bin ich. Und ganz bestimmt bin ich spirituell. Daher möchte ich mir
die Aufforderung, nur noch Gutes, daraus folgt: nimmermehr und nie wieder
Schlechtes zu denken, auch unbedingt zu eigen machen. Ganz sicher ist es nicht
so, dass ich nicht auch im Vorhinein bereitwillig wie wiederkehrend
verschiedentliche Impulse aufnahm, die mich anhielten, meine Lebenswirklichkeit
durch Überprüfung jeweilig zugrundeliegender Überzeugungen sowie
Gedankenmuster mehr und mehr zu optimieren. Ich befand mich sozusagen auf dem
Weg gen himmlischer Wahrheit, als auch der schrittweisen Anerkennung ihrer
ausschließlichen Herrlichkeit. Nix da – die Parole unserer Zeit gebietet mir
"Umkehr". Denn heute bewege ich mich nicht mehr in Richtung
Gottvertrauen oder in Richtung schrittweise anerkannter Herrlichkeit aller
Wahrheit. Eigentlich beschäftige ich mich mit solchen Dingen heute überhaupt
nicht mehr. Heute habe ich eigentlich nur noch Angst.
Doch
der Reihe nach: Da ich die akute
Erkenntnis über Wichtigkeit und zwingende Notwendigkeit eines keimfreien
Denkens als uneingeschränkten Fortschritt unseres ansteigenden Bewusstseins
begreifen möchte, will ich ihr zweifelsfrei Folge leisten. Anders ausgedrückt:
Ich bin ein spiritueller Mensch. Und wenn sich der spirituelle Mensch zu diesen
Tagen aufgefordert sieht, nur noch Positives zu denken, werde ich eben nur noch
Positives denken. Wie besagt: Ich bin ein
spiritueller Mensch.
Und
außerdem: Für den Ruin kollektiver wie individueller Realität will ich schon
mal gar nicht verantwortlich sein. Nein, ich möchte mir nichts zuschulden
kommen lassen. Vielmehr möchte ich auf jeden Fall und ganz bestimmt alles
richtig machen. Schließlich bin ich spirituell. Siehe oben.
Hingegen gestaltet es sich keineswegs einfach für mich, diesem neuen Wissen unverzüglich Umsetzung angedeihen zu lassen.
Im ersten Schritt stehe ich somit fraglos vor der Schwierigkeit herauszufinden, was gut und was schlecht, was positives und was negatives Denken überhaupt bezeichnen will. Hatte ich mich bis hierher noch an dem Grundsatz orientiert, dass jegliche Bewertung menschengemacht sei, beliebig umkehrbar wäre, als auch vorderstes Kennzeichen einer imaginären Dualität - einer Dualität, die schlussendlich restlos von uns überwunden werden wolle - bin ich nun vollends gewillt, mein Bewusstsein auf den aktuellen Stand zu bringen. Ohne Zweifel bin ich zu diesem Zweck aufgefordert hinzuzulernen: Die Dinge sind folglich doch nicht an und für sich wertneutral. Es geht scheinbar doch nicht um eine zunehmende Urteilslosigkeit wie wertfreie Akzeptanz aller Dinge. Und es scheint wider Erwarten auch nicht darum zu gehen, zu begreifen, dass es tatsächlich überhaupt nichts Schlechtes gibt. Sondern dass im Tatsächlichen alles gut ist. Nein, ohne Zweifel habe ich mich getäuscht. Und zwar drastisch.
Die Dinge sind demnach doch wertig und stehen sich unvereinbar gegenüber. Es gibt demnach doch gut und schlecht. Und darüber hinaus sind wir sogar angehalten, diese beiden tunlichst und hübsch säuberlich voneinander getrennt zu halten. Dies, um nachfolgend nur noch das eine, niemals mehr wieder aber das andere zu tun. Geschweige denn zu denken.
Und noch etwas habe ich dazugelernt: Angst scheint also doch berechtigt. Etwas, wovon ich tatsächlich schon lange nicht mehr ausging. Vielmehr hatte es mich lange gekostet, Angst als die große Illusion irdischen Bühnenstücks einzusehen. Nun gut, auch hier Pustekuchen. Dennoch befürworte ich es sehr, auf eigene Irrtümer frühzeitig hingewiesen zu werden. Schließlich bin ich spirituell, ich erinnere. Und in dieser Eigenschaft liegt mir an tatsächlicher Wahrheit wirklich alles.
Um
erwünschtem Klassenziel jedoch gleichfalls Genüge zu leisten, sprich: fortan
nur noch Gutes, niemals mehr wieder aber Schlechtes zu denken - denn wie gesagt
möchte ich mich keinesfalls für den Rückschritt dieser Welt verantwortlich
zeichnen und verspüre gleichermaßen nur verhaltene Lust, mich irgendwann
meiner persönlichen Hölle gegenüber zu sehen - vertiefe ich meine Überlegungen.
Schließlich gelange ich zu der Einsicht, dass positives Denken all das
bezeichnen möchte, was ich will,
negatives Denken an dieser Stelle jedoch nur all dasjenige meinen kann, was ich nicht
will. Die Sache ist klar: Folgend muss ich das
negative Denken eindeutig von dem positiven Denken abgrenzen und genau
definieren, womit ich es jeweils zu tun habe. Ich muss herausfinden, wo und wann
ich Gutes,
und wann und wo ich Schlechtes denke.
Denn nur so kann ich sicher sein, letzteres nicht zu denken. Niemals mehr. Nie
wieder.
Da ich mir zeit meines Lebens jedoch ausschließlich Gedanken darüber gemacht habe, was ich will, stehe ich nun zweifellos vor der Aufgabe, ebenfalls Gedanken darüber anzustellen, was ich nicht will. Ich meine, wir sprechen hier immer noch von Bewusstsein. Wenn ich aber nicht weiß, was es ist, das ich so tunlichst nicht gutheißen, geschweige denn denken soll, dann kann ich es auch nicht nicht gutheißen, noch viel weniger nicht denken. Vor allem nicht bewusst.
Ich
fahre unverzüglich fort: Was ist es, das ich nicht will? Um mir
diese Frage ausreichend zu beantworten, und damit wirklich sicher zu gehen,
jegliches negative Denken in naher Zukunft vollständig zu eliminieren, erstelle
ich im Geiste eine Liste all dessen, was ich nicht will.
Ich bin mir sicher, dass dieses Vorgehen als effektiver Anstieg meines gegenwärtigen
Bewusstseins bezeichnet werden darf, denn hierüber habe ich mir tatsächlich
noch niemals vorher Gedanken gemacht. Sobald ich meine Aufstellung für diesen
Moment aber vollständig wähne - was durchaus ein paar Tage in Anspruch nimmt,
gibt es doch schließlich so vieles, das ich nicht
will - kehre ich zu der ursprünglichen Ausgangsüberlegung
zurück. Im zweiten Schritt wird es nun darum gehen, gesamte negative Aspekte,
die ich mir eben so sorgfältig erdacht, von nun an nicht mehr zu
denken. Genaugenommen: Nie mehr.
Frisch ans Werk: Ich bemühe mich umgehend wie aufrichtig, dieser Aufforderung hier und jetzt gerecht zu werden, und denke nochmals alles, was ich nicht denken will. Alles richtig gemacht? Einen Augenblick – ich denke, was ich nicht denken will, hier scheint ein Haken. Ich versuche es nochmals. Und wieder: Ich denke, was ich nicht denken will. Tatsächlich kann ich nichts und niemand anderes mehr denken. Urplötzlich beschleicht mich Angst. Warum denke ich, was ich nicht denken will? Das, was ich niemals denken sollte noch jemals zuvor dachte?
Ich
mache Versuche, in Gang gesetztes Karussell zu stoppen, kann aber nicht einmal
mehr von ihm abspringen. Meine Befürchtungen verstärken sich: Was, wenn es nun
stimmt, dass sich das, was wir denken, umgehend zu manifestieren sucht? Immerhin
möchte ich hiervon ausgehen, denn schließlich war es mein unbedingtes
Vertrauen in die spirituelle Erkenntniskraft unserer Tage, die mich diesem Pfad
überhaupt erst folgen ließ. Anders ausgedrückt: Würde ich nicht davon
ausgegangen sein, dass an dieser Sache auch nur irgendetwas dran wäre, hätte
ich sicher nicht versucht, von hier an nur noch positiv zu denken. Allerdings
weiß auch dieser Einfall meine Situation kaum zu verbessern. Und beschert mir
leider keine positiven
Gedanken.
Seither
aber denke ich, was ich nicht denken
will. Und zwar nur noch. Und frage mich verzweifelt, warum es mir unmöglich
geworden zu sein scheint, einfach zu denken, was ich denken will. Doch alle
meine Bemühungen, endlich wieder zu denken, was ich einst dachte, und nicht
mehr zu denken, was ich nie denken
wollte, sind vergeblich.
Kennt ihr die Geschichte vom rosanen Elefanten? Stellen wir uns ganz einfach vor einen guten Freund und erzählen ihm fortdauernd, dass er an alles, aber nicht an einen rosanen Elefanten denken solle. Tatsächlich erprobte Feldstudie ergibt, dass im Vergleich zum völlig unangeleiteten Probanden jene Testperson proportional viel häufiger an einen rosanen Elefanten denken muss, die angehalten wird, daran nicht zu denken. Wer sich hier wundert, der hat den aufrichtigen Selbsttest noch vor sich. Wenn wir dem "Denke nicht an einen rosanen Elefanten" nun noch hinzufügen "Wenn du das tust, wird etwas ganz Schlimmes passieren", lässt sich beschriebene Wirkweise unter Umständen sogar noch geringfügig verstärken. Keine Scheu – probieren wir es aus, wir werden uns nur Freunde machen.
Dennoch
will ich mir ganz nicht sicher sein, ob derlei kausale Zusammenhänge bei dem
Rat berücksichtigt wurden, einzig nur noch Gutes, keinesfalls aber länger
Schlechtes zu denken. Dies allein, um heute sicher zu sein, morgen auf gar
keinen Fall Schaden zu erleiden. Sondern um morgen endlich und auf ewig glücklich
zu sein. Meine Güte wie glücklich bin ich gewesen! Und zwar gestern.
Tatsache
ist immerhin, dass ich seit diesem Tag ich an nichts anderes mehr denken kann
als an das, an was ich nicht denken
will. Dennoch bin ich nach wie vor überzeugt, dass dies lediglich den ersten
Schritt hin zum vollkommenen positiven Denken darstellt. Schließlich hat
niemand gesagt, dass es sich gelebte Spiritualität leicht macht. Die Möglichkeit
eines Auswegs habe ich dennoch hierin gefunden: Auch ich verbreite nun den
innovativen Erkenntnissatz, nur noch Gutes, nicht aber länger Schlechtes zu
denken, selbstverständlich mit dem unentbehrlichen Verweis auf Risiken und
Gefahren. Und schaue dann, wie andere mit dieser Herausforderung umgehen. Denken
tue ich indessen nur noch Schlechtes. Ich kann leider nichts anderes mehr
denken. Aber beruhigend zu wissen, dass dies nun viele andere ebenso tun. Unser
geeintes Bewusstsein und die gekonnte Programmierung der Schöpfung können der
Zukunft dieser Welt schließlich nur nutzbringend sein. Zumindest dann, wenn wir
diese Sache endlich in den Griff bekommen haben.
Mein
psychologischer Berater indessen spricht von einer Zwangsneurose. Es ist
offensichtlich, dass er schlicht keine Ahnung von spiritueller Bewusstwerdung
hat. Denn was, wenn ich nicht positiv denke? Nicht auszudenken. Herr über meine
Gedanken – ich dachte, dass ich es einst gewesen wäre.
Mein
Leben dagegen folgt unverändert ruhigen Bahnen und lässt bis hierhin nichts
befürchten. Vielleicht sieht die Wahrheit ja doch anders aus? Unter Umständen
könnte sich hier sogar Erlösung verbergen.
Spiritualität und Finanzen
Ein heikles Thema - wirklich heikel... Schließlich ist es nicht so, dass wir Spirituellen vollends wie ganz und gar glücklich mit unseren vorläufigen Provisorien wären - aber was sollen wir tun? Geld regiert die Welt - und die Revolution oder den endgültigen Thronsturz haben wir bis hierher noch nicht gebacken gekriegt. Alternative Finanzmodelle? Fallen uns jetzt so auf die Schnelle auch nicht ein.
Demnach braucht aber auch der spirituelle Mensch Zaster - wahrscheinlich mehr als jeder andere, denn spirituelle Segens- & Heilsmittel haben ohne jeden Zweifel ihren Preis.
Aus diesem Grund aber möchten wir uns für einen kurzen Moment von jedweder praktischen Konsequenz distanzieren, die ansonsten jedes Mal beliebiger hochstehender Erkenntnis entspringt - für einen klitzekleinen Moment! - und räumen dieser Thematik kurzum einen Sonderstatus ein. Hoheitsgebiet sozusagen, das uns ermächtigt, von nun an alles zu tun und zu lassen, sofern es uns nur ausreichend Knatter einbringt. Übrigens: Liebe Grüße an eine ehemalige Lehrerin, die es tatsächlich vermochte, sich 25 vorangemeldete Teilnehmer eine Seminarkapazität von max. 5 Leuten teilen zu lassen, und diese auch wirklich innerhalb von 2h abzufertigen. Praktisch ganz ohne (man verzichte auf unnötigen Ballast) erwartetes Resultat und/oder Gegenleistung. Wir sehen hier innerhalb meines persönlichen Erfahrungsschatzes bis dato unangefochtenen Rekord von einem vierstelligen Stundenlohn. Klasse gemacht! Spiritueller Gutmensch und bewusstseinsbedingte Selbstkontrolle? Morgen wieder...
Jeglicher
Mangel beruht einzig auf unwahren Glaubenssätzen, die uns fälschlicherweise
annehmen lassen, dass unserem Sein und Dasein Grenzen auferlägen, dass das
Universum in seinen Ressourcen beschränkt sei, oder aber, dass wir Reichtum und
Überfluss nicht verdienen würden. Ganz genau dies ist es, was ich mir in einem
sogenannten "Fülle-Seminar" beibringen lassen durfte, das mich eben
einmal schlappe 500 Euro kostete. Jedoch bin ich noch nicht gänzlich überzeugt,
dass es allein dem Vorhandensein persönlichen Mangeldenkens zuzuschreiben ist,
dass ich diesen Monat meine Miete nicht bezahlen kann. Aber egal.
Dennoch bin ich gewillt, mein Problem zu lösen. Dafür aber muss ich zuerst meinem vordersten Mangel, nämlich der Annahme von Mangel, den Garaus machen. Antwort, wie ich dies genau erreichen kann, gibt mir das Fülleseminar für Fortgeschrittene, das wiederum mit einem Kostenpunkt von rund 1000 Euro veranschlagt ist. Auch nicht schlecht. Hiernach werde ich jedoch niemals mehr Mangel kennen. Ich vermute fast, die Seminarleitung auch nicht. Wie auch immer - ich werde mehr als reich entschädigt werden, soviel sei sicher - nämlich dann, sobald ich das Gesetz der Fülle erst einmal begriffen habe. Wenn ich mir jedoch ansehe, wie viele Anschlusskurse in dieser Thematik angeboten werden, kann dies durchaus ein wenig Zeit in Anspruch nehmen. Nun gut. Im Zweifelsfalle werde ich eben einen Kredit aufnehmen müssen. Hauptsache, ich kenne endlich keinen Mangel mehr. Nie mehr.
Ergänzend
hierzu, da geringfügig kostenschonender, beobachte ich seit geraumer Zeit das
Wirken und Gebahren meiner spirituellen Kommilitonen und lege detaillierte
Beobachtungsprotokolle an. Und in der Tat hege ich mittlerweile den Verdacht,
einer nicht uninteressanten Gesetzmäßigkeit auf der Spur zu sein. Denn während
der spirituell Belehrende in der Regel im Geld schwimmt, kennt der
spirituell Belehrte zumeist noch nicht einmal die Bedeutung des
Wortes "schwimmen". Dies wiederum ist fraglos dem Umstand anzulasten,
dass ihm nicht zuletzt die begüterte Ansammlung der hierfür benötigten
Wassermassen in der Regel fremd ist. Wie besagt: Er hat sein persönliches
Mangeldenken noch nicht überwunden.
Wenn
wir aber davon ausgehen möchten, dass dieser Zusammenhang auch nur über annähernd
allgemeingültigen Charakter verfügt, und weiterhin für einen kleinen Moment
darauf verzichten, dem spirituellen Lehrer ergeben in seiner Argumentation zu
folgen, dass einzig seine Meisterschaft im Fülledenken verantwortlich für
seinen heutigen Überfluss wäre, würde es theoretisch ausreichen, vom
spirituellen Schüler zum spirituellen Lehrer zu avancieren, um unser persönliches
Mangeldenken von heute auf morgen Geschichte sein zu lassen. Glaubt mir oder
glaubt mir nicht – ich habe es versucht. Es funktioniert.
Leicht
gemacht hat es mir hierbei der Grundsatz, vertreten von der spirituellen
Literatur unserer Tage, dass wir heutzutage allesamt Schüler und Lehrer
sind. Dies macht auch mich punktum zum Lehrer, weitreichende Qualifikationen wie
ausufernde Selbstzweifel entfallen. Weniger leicht macht es mir seitdem hingegen
das Wissen, dass es keinesfalls der Überwindung meines persönlichen
Mangeldenkens zugute kommt, dass ich heute Fülle und Überfluss erlebe. Begründung
ist vielmehr, dass andere angesichts meines Reichtums nun glauben, dass
ich mein Mangeldenken überwunden hätte. Diese sind es auch, die ab hier an von
mir zu wissen begehren, wie ich dies nur angestellt haben möge. Und gleichfalls
bereit sind, sich diese Belehrung einiges kosten zu lassen.
Darüber
hinaus sollten wir jedoch keinesfalls vermuten, dass der Umgang mit Fülle und
Reichtum einfach wäre, sofern wir diese beiden erst einmal an unserer Seite
wissen. Im Gegenteil bedarf auch diese Sachlage der umfassenden Aufklärung und
unterliegt ferner einigen wesentlichen Gesetzmäßigkeiten, denen wir unbedingt
unsere Beachtung schenken müssen. Ein Gegenstand, der, so diffizil er sich tatsächlich
darstellt, ohne Zweifel viele weitere Seminare in Anspruch nehmen wird. Mir soll
es Recht sein. Schließlich gebe ich heute Seminare. Ich nehme sie nicht
mehr. Ich nehme sowieso nicht mehr. Nichts und niemandem. Ich gebe nur noch.
Und: empfange. Was sich weiterhin äußerst begriffen darstellt.
Denn:
Sofern wir die Fülle weiterhin als Fülle erfahren möchten, nicht aber wünschen,
dass erfahrene Fülle unverzüglich zu gerade erst überwundenem Mangel
regeneriert, dann müssen wir die Bedürfnislage der Fülle kennen. Ihr
grundlegendstes Verlangen aber ist, fortdauernd in Bewegung gehalten zu werden.
In spiritueller Manier sprechen wir hier von "im Fluss sein" oder
etwas "im Fluss halten". Im Konkreten meint dies, dass wir dasjenige,
was wir erhalten, schleunigst von uns geben, um wiederum das zu erhalten, was
wir soeben von uns gaben. Grundlage hierfür ist das Wesen des Kosmos selbst,
dessen natürlichem Verhalten es scheinbar entspricht, unsere persönlichen
Handlungen spiegelbildlich nachzuahmen. Bedeutet: Wenn wir geben, werden wir
bekommen, wenn wir bekommen, müssen wir geben.
Auch dies nur, um erneut zu bekommen, was wir gerade erst gaben. Eine prima
Sache – denn von heute an sind wir beschäftigt.
Verzichten
wir jedoch gänzlich auf derlei Verhalten, meint dass wir sparen oder geizen
- und unsere Akkordarbeit des fortwährenden Nehmens und Gebens somit
kurzfristig zum Abbruch bringen - wird sich der Kosmos ganz einfach andere
Renditeobjekte suchen und uns nachfolgend unberücksichtigt lassen. Was für uns
bedeutet: Mangel.
Es
ist leicht zu verstehen, dass die Ursächlichkeit dieses Prinzips darin zu
finden ist, dass wir im Falle des "Behaltens" (dem Kosmos scheinbar
eine gänzlich fremde Vokabel) der freien Hände entbehren würden, um diese dem
Kosmos offen- wie leerstehend entgegen zu strecken und somit Neues zu
empfangen. Einige lösen dieses Problem auch durch Einsatz von Taschen
und Rucksäcken. Aber dies gilt natürlich im eigentlichen nicht.
In
seiner praktischen Konsequenz heißt dies jedoch, dass ich Geld ausgeben muss,
sobald ich Geld habe. Was mir persönlich nicht wirklich schwer fällt. Mein
diesbezügliches Wirkungsfeld habe ich jedoch ganz unproblematisch in
irdisch-manifester Spiritualität ausmachen können. Seminare, Bücher, Cd's,
Tinkturen, Zubehör – all das, dessen unbezahlbarer Wert sich nun mal in elitären
Preisklassen ausdrückt, ist nun gleichfalls das meine. Und ja, es macht mich glücklich.
Auch
meine einstige Lehrerin, deren einstündige spirituelle Gegenwart einem
irdischen Gegenwert von etwa 150 Euro entspricht, kann nun endlich wieder von
mir besucht werden. Was sie, glaube ich, fast genauso sehr freut wie mich.
Heute
aber bin ich selbst Lehrerin. Und ich lehre. Was ich lehre? Ich lehre, dass
jeglicher Mangel einzig auf unwahren Glaubenssätzen beruht, die uns fälschlicherweise
annehmen lassen, dass unserem Sein und Dasein Grenzen auferlägen, dass das
Universum in seinen Ressourcen beschränkt sei, oder aber, dass wir Reichtum und
Überfluss nicht verdienen würden. Ich halte jeden dazu an, zuerst dem
vordersten Mangel, nämlich der Annahme von Mangel, den Garaus zu
machen. Antwort, wie dies genau zu erreichen ist, gibt mein Fülleseminar für
Fortgeschrittene, das mit einem Kostenpunkt von exakt 1000 Euro veranschlagt
ist. Wem es aber danach noch immer nicht gut geht, für den hätte ich
Aufbaukurs 1,2,3 - bis praktisch unbegrenzt im Angebot. Tatsächlich begleite
ich Euch solange, wie Ihr das wünscht, schließlich kenne ich keine Begrenzung
mehr. Ich kenne nur noch Fülle. Jawohl, auch die Fülle von Seminaren. Ist
schließlich nur folgerichtig.
Gewiss,
meine Lieben, ich weiß, dass ihr Millionäre sein müsst, um Euch
das Gesamt meiner Seminare leisten zu können. Das ist ja der Witz.
Denn:
Sobald Ihr Euch Fülle-Aufbaukurs Numero 43 tatsächlich leisten könnt
(Kostenpunkt haargenau 999.999,99 Euro), dann seid Ihr Millionär!
Zumindest ward ihr es. Wenigstens fast. Immerhin fehlte Euch auch hier noch der
letzte Cent.
Aber ganz ehrlich: Wenn Ihr es wirklich und wahrhaftig bis hierhin geschafft habt, nämlich in meinen Aufbaukurs Nr. 43, gibt es eine kleine Überraschung für Euch. Ich schenke Euch den letzten Cent! Und zwar jedem von Euch! Denn sparen oder geizen will ich niemals mehr. Könnte ich auch gar nicht. Ich habe die Fülle inzwischen schließlich bestens begriffen.
Dies
aber bedeutet für Euch: Ihr hättet theoretisch Millionär sein können!
Persönlicher Mangel hätte für alle Zeiten von Euch überwunden sein können!
Ihr hättet Fülle erleben können! Ewig. Unversiegbar. Grenzenlos. Nämlich
dann, wenn Ihr nicht so dumm gewesen wärt, Eure erste Fast-Million soeben mir
zu vermachen.
Wie jetzt - ich hätte Euch gesagt, Ihr müsstet geben, um zu bekommen und dürfet niemals sparen oder geizen? Ja, natürlich habe ich das gesagt. Und gewiss müsst Ihr geben – aber doch nicht alles auf einmal.
Nein,
nein, das "Im-Fluss-Halten" begnügt sich tatsächlich auch mit
weniger. Das hätte ich Euch jetzt aber nicht gesagt? Moment mal – ach so, ja,
das kommt erst in Aufbaukursus Nr. 51 zur Sprache. Nichtsdestotrotz: Ihr, die
ihr hier in meinem Aufbaukurs 43 sitzt, und Euch dies eben einmal ein jeder eine
knappe Million kosten ließet, habt ohnedies noch Fundamentales zu lernen. Nämlich:
Gesunden Menschenverstand. Das Thema meines nächsten Seminares. Ja, natürlich,
dieser zählt auch der Thematik der Fülle hinzu. Ich sage ja – die Fülle ist
ein komplizierter Gegenstand. Aber wir werden das schaffen. Ohne Frage. Und zwar
gemeinsam.
Indessen bin ich reich. Viele andere, die ich kenne, auch. Alternative Weltenmodelle? Die Entmachtung des Geldes? Reichtum für alle?
Die
Patentlösung haben auch wir Spirituellen noch nicht gefunden. Leider. Außerdem
sind wir mittlerweile gelinde gesagt etwas zu beschäftigt, um uns mit dieser
Thematik zusätzlich auseinander zu setzen. Erinnere: Wir lehren.
Aber
mal im Ernst: Schließlich sind es nicht wir, die sich das alles ausgedacht
haben, mit dem Geld, der Welt wie sie ist, dem Mangel und so. Ausgedacht haben
wir uns nur die Seminare.
Und einsehen tut das eigentlich niemand mehr von uns, dass Idealismus und spirituelles Bewusstsein zwangsläufig immer Mangel und Armut bedeuten sollen. Und das ist auch ganz richtig so. Wenn wir diese Welt aber nicht von heute auf morgen zu einer Wahrhaftigeren machen können, dann machen wir es uns hier in der Zwischenzeit eben ein wenig nett. Und bedienen uns provisorisch vorhandener Parameter. Fragt uns ja keiner, wie diese Welt im Tatsächlichen aussehen sollte. Das exemplarische, eigens vorgelebte Beispiel kann hingegen Wunder wirken. Daher führen wir dieser Welt nun einfach vor, was wir meinen: Fülle. Exquisite, irdisch-manifeste Fülle. Der Zweck aber heiligt die Mittel. Und damit auch meine Seminare.
Aus
diesem Grund halte ich meine Fülle jedoch im Fluss und gebe weiterhin Geld für
meine spirituelle Belehrung aus. Was meinem spirituellen Begriffsverständnis
aber nur von Nutzen sein kann, denn mein Bewusstsein expandiert seitdem über
die Grenzen des Irdischen hinaus. Beglückender Nebeneffekt hierbei ist, dass
ich auf diese Weise wiederum vielen anderen spirituellen Lehrern Fülle gewähre,
und damit beweisen darf, dass dieses Universum fürwahr für uns alle Platz
bietet. Werden wir daher doch allesamt spirituelle Lehrer. Oder bieten
alternativ dazu spirituelles Zubehör an. Lehren und verkaufen aber können wir
schlicht einander, womit wir den Mangel endgültig besiegt hätten. Vielleicht
doch ein Modell mit Zukunft?
Mein
Gewissen ist in jedem Fall beruhigt, ich darf nun zuverlässig davon ausgehen,
mein Mangeldenken für alle Zeiten überwunden zu haben. Und mir weiterhin
sicher sein, zu niemandes Unbill zu handeln, sondern in der Tat wertvolle
Erkenntnis zu verkünden. Siehe da: Es ist so leicht und es steht tatsächlich
jedem von uns frei.
Ich
veranschlage unversehens drei weitere Zusatztermine meiner diesjährigen Fülle-Seminare
und lehne mich zufrieden zurück. Das Seminar kann euch lehren, doch wisset: Die
Erkenntnis kommt von ganz allein.
Geliebter Seelenfreund, wo bist Du?
Eine kurze Einführung in das Liebes-ABC des spirituellen Menschen. Merke: Wir suchen nicht irgendeinen profanen, dahergelaufenen Partner, wir suchen DEN Partner! Nämlich unseren Seelenpartner und/oder -gefährten, ohne den wir uns kaum vollständig wähnen. Ach so, und SUCHEN tun wir ja eigentlich überhaupt gar nicht. Nein, wir verlegen uns ausschließlich auf das FINDEN. Nämlich unseres Seelenpartners und/oder -gefährten, ohne den wir uns kaum vollständig wähnen, usw. - s.o. ...
Jeder von uns aber hat ein Recht auf Vollständigkeit. Denken zumindest wir Spirituellen. Ganz besonders aber wir verdienen jedwede Vollständigkeit - denken zumindest wir Spirituellen.
Doch nochmals der Reihe nach: Jeder von uns, besser gesagt jedes Seelenwesen, verfügt über ein ergänzendes Gegenstück, wiederum ein anderes Seelenwesen, das gewissermaßen seine vervollständigende Entsprechung ist. Unser Traum von einem Partner sozusagen - so stellen wir uns das zumindest vor - und dieses zauberhafte Pendant gurkt irgendwo hier in diesem Universum herum. Dieses Bewusstsein lässt uns jedoch keine Ruhe...
Mit den Begrifflichkeiten für dieses Etwas indessen - unseren seelischen Traum von einem Mann bzw. einer Frau - sind wir indessen noch ein wenig uneins. Ebenso wie mit einer einheitlichen Betrachtung dieser Thematik. Seelenpartner, Zwillingsflamme, Dualseele, Seelengefährte - keine Ahnung. Inkarniert, nicht inkarniert, zu einer Begegnung bestimmt oder Begegnung nicht vorgesehen - keinen Schimmer. Aber wir wissen, was wir wollen: IHN bzw. SIE.
Und dürfen somit wahrscheinlich wieder einmal beweisen, dass ebenso wir Spirituellen eigentlich durch & durch menschlich sind. Es jedoch lieben, ebenso unsere vornehmlich unheiligen Bedürfnisse ausführlich in ihrer spirituellen Berechtigung zu begründen.
Daher: Geliebter Seelenfreund, wo bist Du? Ja, wo??
Er kann eigentlich eben nur einmal um den Block gegangen sein. Denke ich mir so. Mittlerweile seit geschlagenen Jahrzehnten...
Mit
dem Seelenpartner ist das so eine Sache. Wobei ich mich, wenn ich von
"Seelenpartner" spreche, ausschließlich auf meine Dualseele bzw.
meine Zwillingsflamme bzw. meinen ureigenen, ganz persönlichen Seelengefährten
beziehe. Ich weiß im Grunde also noch nicht ganz
genau, worauf ich mich beziehe - außer
dass ich den Einen meine, der ganz allein mir gehört. Aber meine
Bezeichnungslosigkeit wird sich ändern. Und zwar bald. Nämlich sobald Er
sich - mein wie auch immer – meiner Person entsprechend vorgestellt hat. In
diesem Moment werde ich ja feststellen, welche der vorangestellten
Begrifflichkeiten er benutzt, um sich mir gegenüber eigens zu betiteln.
Es
bleibt folglich wichtig, dass ich meinem Seelenpartner begegne. Und sei es im
Sinne meines spirituellen Begriffsverständnisses, das, so will ich meinen,
unbedingt gleichzusetzen mit dem konkreten Anstieg meines herausragenden
Bewusstseins ist. Oder sieht das jemand anders?
Wäre
mir jetzt auch egal. Denn Tatsache ist und hiervon unberührt bleibt: Ich persönlich
möchte dringendst Bekanntschaft mit meinem Seelenpartner machen. Und
somit gleichwohl in Erfahrung bringen, ob ich es hier - bei 'Ihm' - mit
meiner Dualseele, mit meiner Zwillingsflamme oder aber mit meinem persönlichen
Seelengefährten zu tun habe. Ob 'Er' - derjenige welche - hingegen
Klaus, Gregor oder auch Hanswurst heißt, soll mich wenig bis gar nicht
interessieren. Aber ein bisschen gut aussehen sollte er schon. Ach ja, und ein
'Er' sollte er bitteschön sein. Ich meine, schließlich bin ich eine 'Sie'.
Jeglicher Rest soll mir jedoch mehr oder minder gleichgültig sein. Abgesehen
von bescheidenen Mindestvorgaben möchte ich vollkommen unvoreingenommen und
offen dasjenige empfangen, was das Universum für mich vorgesehen hat. Also,
liebes Universum, bitte gib mir. Und zwar jetzt.
Dennoch:
Mit dem Seelenpartner ist das so eine Sache. Man hat ihn, oder man hat ihn
nicht. Nicht jeder hat ihn. Nun, dieser Sachverhalt ist in der Tat ein wenig
diffizil und ich möchte gewiss nicht missverständlich sein: Jeder
hat ihn. Und doch hat ihn nicht jeder. Nicht jeder hat ihn nämlich
bereits kennen gelernt. Und auch nicht jeder wird ihn kennen
lernen. Wohlgemerkt: In diesem Leben.
In spirituellen Kreisen gehört es mittlerweile jedoch zum guten Ton, seinen Seelenpartner zu haben, meint, ihn zu kennen. Und zwar in diesem Leben. Genauer gesagt: Hier und heute. Denn an diesem Punkt seiner Erfahrung angelangt zu sein, bedeutet, in der eigenen seelischen Evolution derart fortgeschritten zu sein, dass ich mich reif genug zeige, ab hier an in den gegenständlichen Genuss einer irdisch-handfesten Beziehung mit meinem Seelenpartner zu gelangen. Und fortgeschritten sowie reif sein ist immer gut. Vor allem in spirituellen Kreisen.
Deshalb
aber möchte ebenfalls ich meinen Seelenpartner haben. Heißt, ihn
unwiderruflich kennen. Und zwar jetzt. Dies allein, um mich anschließend
mit ihm für alle Zeiten 'wiederzuvereinen'. Dies ohne Zweifel die
von mir angedachte Absicht.
Es
existieren weitere gute Gründe, die dafür sprechen, dass ebenso ich
endlich in unmittelbare Tuchfühlung mit meinem Seelenpartner gelangen sollte.
Den ich von dort an natürlich nie wieder aus den Händen lassen werde.
Selbstverständlich nicht - auf gar keinen Fall sogar. Zu schwierig gestaltete
sich seine Suche, sein Finden und nicht zuletzt sein Erkennen, als dass ich
bereit wäre, dieses Procedere auch nur ein einziges Mal zu wiederholen. Das
kann wahrhaft kein Mensch von mir verlangen. Noch nicht einmal mein
Seelen-dingsbums.
Eben
angedeuteter, sowie meinen zeitnah verdienten Erfolg definitiv befürwortende
Grund, von dem ich hier spreche, ist die Tatsache, dass ich ein wahrhaft
hochromantisches Menschenkind bin. Ein hochromantisches Menschenkind also, dem
es allerdings bis hierher nicht gelungen ist, adäquates Feld für zweifelsfrei
drängend in ihm brodelnde Hingabefähigkeit zu finden. Meint: Ich bin zwar
hochromantisch und hingebungsvoll, aber bisher weiß es noch niemand. Außer mir
natürlich. Dies wiederum allein aufgrund des Umstands, dass ich noch nicht
passendes Pendant gefunden habe. Meint: Mein mich vollends wie endgültig ergänzendes
Gegenstück, das mir erlaubt, sowohl hochromantische als auch hingebungsvolle
Natur endlich angemessen auszudrücken. Und ebenfalls das soll sich ändern. Und
zwar bald.
Nicht
zuletzt hat eine Fülle spiritueller Literatur in den letzten Jahren den
(spirituellen) Markt erklommen, die sich dieses Themas liebevoll an- und mich
bei der Hand nehmen. All dies, um mich darüber zu aufzuklären, wie ich
"In 37 Tagen zu meinem Seelenpartner" gelange, "Wie ich meinen
Seelenpartner finde und ihn erkenne", wie "Meine Dualseele"
beschaffen ist und wie ich "Eine erfüllte Partnerschaft mit der
Zwillingsflamme" erziele. Diese ganze Angelegenheit kann folglich nicht im
mindesten so schwer sein, wie häufig vermutet. Und auch nicht
schicksalsgegeben. Es ist folgerichtig allein mein Wille, der zählt.
Dies sehe ich gleichfalls dadurch bestätigt, dass jeder meiner spirituellen Gefährten
und Genossen seinen Seelenpartner unlängst sein eigen nennt. Sie alle wollten
ihn – und siehe: Sie alle haben ihn. Warum also nicht auch ich?
Nachdem
ich mich daher eine Zeitlang durch angeführtes theoretisches Studium gekämpft
hatte, Ritual über Ritual veranstaltete - ihr seht wie wichtig mir dieses ganze
Thema ist - betete, bat und visualisierte [sehr zum vorübergehenden Unwillen
meines Lebenspartners übrigens, aber dies wollte ich gerne in Kauf nehmen] -
jedoch auch nach Tagen und Monaten immer noch nicht die geringste Spur meines
Seelenpartners auszumachen vermochte, ging ich schließlich dazu über,
Suchanzeigen aufzugeben. Mein sorgfältig ausgearbeiteter Text lautete in etwa
so:
"Hans, Otto, Klaus oder Berthold – wie auch immer Du heißen magst, geliebter Seelenpartner, wo bist Du? Bitte melde Dich, es wird Zeit, uns zu vereinen...".
Tatsächlich
sollte ich auch eine ganze Reihe Zuschriften erhalten, allerdings ausnahmslos
von Männern, die sich Hans, Otto, Klaus oder Berthold riefen - ich erinnere
mich zudem, einen Hans-Otto dabei gehabt zu haben, der sich ganz besonders überzeugt
davon zeigte, dass wir zweifelsfrei füreinander bestimmt seien. Nun, ja.
Ebenfalls nicht zu vergessen die zweideutigen Angebote, die das Wort
"vereinen" wohl irgendwie in den falschen Hals bekommen hatten.
Was
soll's. Fazit blieb, dass sich ebenso diese Methode nicht einwandfrei zu eignen
schien, meinen wundersamen, zauberhaften sowie bereits jetzt innig von mir
verehrten Seelenpartner in mein Leben zu rufen. Doch Hilfe war nah.
Meine
spirituellen Brüder und Schwestern waren es schließlich, die mich darauf
verwiesen, dass es viel weniger darum ginge, meinen Seelenpartner zu "finden",
als vielmehr darum, ihn zu "erkennen". Mein Seelenpartner
konnte sich demnach bereits zu diesem Zeitpunkt in meiner unmittelbaren Umgebung
und in meinem direkten Lebensumfeld befinden, nur, dass ich ihn bisher nicht als
solchen erkannt hatte. Aber natürlich. Wie konnte mir nur solch
folgenschwerer Fehler unterlaufen?
Nachfolgend
verlegte ich mich also darauf, meine männlichen Freunde und Bekannten allesamt
mit Argusaugen zu beobachten und sie daraufhin zu überprüfen, ob sie über
beliebige Merkmale verfügten – spirituelle Charakteristika, seelische
Attribute, eine neue Dauerwelle - die mir verrieten, dass es sich bei einem von
ihnen jeweils um meinen ganz persönlichen Seelenpartner handelte. Meinen gegenwärtigen
Lebenspartner konnte ich dank dieses Verfahrens umgehend sowie ohne
Schwierigkeit ausschließen. Schließlich ging es darum, sobald wir uns
getroffen bzw. - und viel delikater - einander erkannt hätten,
uns ab hier an für alle Ewigkeit zu vereinen. Was zwangsläufig auch bedeutet,
fortan nie mehr auseinander zu gehen. Dies oder ähnliches hatten wir aber
gewiss nicht vor. Was meinen Freund und mich anging, war unsere Beziehung viel
mehr als "Lebensabschnittsgemeinschaft" angedacht, und wir konnten uns
kaum vorstellen, die nächsten 2 Jahre miteinander zu verbringen. Wie also die
gesamte Ewigkeit? Zumal das Wortteil "Abschnitt" in dem Begriff
"Lebensabschnittsgefährte" in dieser Thematik ja nun ganz grundsätzlich
sowie vollkommen und ohne Ersatz entfallen müsste. Mein Freund und ich waren
uns in dieser Sache einig. Nein, er konnte beileibe nicht mein Seelenpartner
sein. Etwaige Bestimmung hin oder her. Die Ewigkeit war uns einfach keine
Perspektive.
Nach
einer Weile, in der ich meinen gesamten Freundes- sowie Bekanntenkreis
konsequent abgegrast hatte, und mittlerweile kaum noch männlichen Besuch
erhielt, da ich jedes maskuline Wesen unmittelbar einem detaillierten
Testverfahren unterzog [was meinen Freund dann doch ein wenig strapazierte - die
mangelnde Ansprechbarkeit seiner besten Freunde während dieser Prozedur,
versteht sich, nicht das Testverfahren selbst, darüber waren wir uns ja einig]
- nach besagter Weile musste ich feststellen, dass ich mir eigentlich überhaupt
nicht zutraute, meinen Seelenpartner zu erkennen. Denn: Eigentlich
wusste ich überhaupt nicht, nach welchen äußeren wie inneren Kriterien ich
meinen künftigen Seelenpartner bemessen sollte. Nun gut, er sollte mir geistig
verwandt sein und das ausgeprägte wechselseitige Verständnis sollte uns
kennzeichnen. Aber traf dies nicht auf jeden meiner noch so entfernten Bekannten
wie Freunde zu? Und war es darüber hinaus nicht so, dass ich über ein kaum zu
unterschätzendes Ausmaß mir absolut und vollkommen charakteristischer
Eigenschaften verfügte, von denen ich bislang noch gar nichts wusste, da mir
diese erst die intime Beziehung mit meinem Seelenpartner offenbaren würde?
Nein,
hier musste ein Fachmann ans Werk. In diesem Fall eine Fachfrau, denn ich suchte
ein weibliches Channel-Medium meines Vertrauens auf, eine fachlich äußerst
versierte Dame, die mich bereits über Jahre hinweg begleitete. Da es jedoch
keinesfalls gestattet ist, Fragen á
la "Wer ist mein Seelenpartner?" zu stellen [ist doch das Universum
der Ansicht, dass wir hierauf schon selbst kommen müssten - oder so ähnlich],
mussten wir ein wenig tricksen. Ich stellte also eine Reihe von konkreten Fragen
wie: "Ist Klaus Müller mein Seelenpartner?", oder "Ist Gregor
Tu-nicht-Gut mein Seelenpartner?", oder aber "Wenn es einen Gott gibt
- Werner Klein ist doch hoffentlich nicht mein Seelenpartner?" – Fragen,
die mir vom Universum auch umgehend gewährt, und somit anstandslos beantwortet
wurden.
Nach
circa einem halben Jahr hatte ich jedoch alle Personen, die ich auch nur im
entferntesten als potentiellen Seelenpartner in Erwägung zog, durch. Ich
glaube, es begab sich überdies zu dieser Zeit, dass besagtes Channel-Medium
ihren heute überbordenden Reichtum erwarb, aber egal - ich wusste nach dieser
konzentrierten Suche nicht mehr wirklich weiter. Nun gut, ein weiteres halbes
Jahr konnte ich nachfolgend damit überbrücken, dass ich nun ebenfalls die mir
am meisten gehassten Menschen als potentielle Seelenpartner in Betracht zog, und
ein weiteres Jahr, in dem ich schlicht und einfach alle Menschen abfragte, die
ich auch nur irgendwie namentlich zu benennen wusste. Denn: Laut spiritueller
Kenntnis muss keinesfalls immer Friede, Freude oder aber die von Anfang an
empfundene Innigkeit Grundlage einer Beziehung zwischen zwei Seelenpartnern
sein. Dies aus dem einfachen Grund, dass wir uns unter Umständen einfach sehr
ähnlich – gelegentlich sogar zu ähnlich sind. (Ich glaube
zwar, dies gilt lediglich für die Dualseele, von der wir zudem
gleich mehrere haben können, vergleiche 'Seelenfamilie' bzw.
'Seelengeschwister' - im Gegensatz zu unserer Zwillingsflamme, von
der wir nur eine haben, mit der wir uns vorwiegend wunderbar ergänzen, und nach
der ich, denke ich, auch suche. Doch einerlei – mit den verschiedenen
Begriffen komme ich nach wie vor ein wenig durcheinander.)
Aber
auch unter meinen sorgfältig gehegt und gepflegten Antipathien sowie unter
meinen flüchtigen und flüchtigsten Bekanntschaften wurde ich nicht fündig.
Nach
rund zwei Jahren intensiver Ausschau nach meinem Seelenpartner also, kam ich
demnach nach einer erneut fruchtlos gebliebenen medialen Sitzung nach Hause,
befreite meine selbstgehäkelte Seelenpartnerpuppe (Überbleibsel eines Rituals,
s.o.), umwickelt mit einem Papierstreifen, auf den ich alle meine Wünsche bezüglich
meines geliebten Gefährten in spe notiert hatte – ein langer Papierstreifen
– und kam zu dem Entschluss, dass es derart wirklich nicht weitergehen könne.
Denn zwingen wollte ich wahrlich niemanden, geschweige denn meinen
Seelenpartner. Und überhaupt, eigentlich hätte er sich bereits ebenfalls darum
bemühen können, dass wir uns endlich begegneten. Hatte er keine Lust mich
kennen zu lernen und sich mit mir wiederzuvereinen? Oder wie durfte ich es bitte
verstehen, dass seit besagter Zeit zwar nach wie vor sowie unermüdlich Klaus,
Otto, Hans und Berthold bei mir anriefen, nie aber Herr Seelenpartner persönlich?
Und überhaupt: Wenn ich mir das so überlegte - eigentlich konnte er bleiben,
wo der Pfeffer wächst. Wer bin ich denn? Nein, nun sollte es an ihm sein, mich
zu finden und zu erkennen. Und wie es aussieht, konnte dies einige Zeit dauern.
Monsieur Seelenpartner schien wohl der Ansicht zu sein, es hiermit nicht
besonders eilig zu haben.
Dennoch
hatte ich mich unverändert jenem Punkt zu widmen, vor meinen spirituellen Brüdern
und Schwestern das Gesicht zu wahren. Schließlich haben sie alle
ihren Seelenpartner, heißt, sie kennen ihn. Und sind darüber
hinaus nahezu ohne Ausnahme mit ihm liiert. Wie also meine Würde bewahren?
Und ja, ich habe eine Lösung gefunden, sogar eine ganz gute, wie ich finde: Ich meine, wenn es für mich, und zwar nur für mich, darum geht, meinen Seelenpartner zu erkennen - aber niemand außer mir - und vielleicht noch ihm - weiß, wen ich als solchen erkenne, dann ließe sich unter Umständen behaupten, dass ich ihn erkannt hätte, und niemand wüsste, dass ich ihn tatsächlich noch nicht erkannt habe. Klingt kompliziert, ist aber ganz einfach.
Von
nun an unterstelle ich schlichtweg, dass mein jeweiliger Freund mein
Seelenpartner sei, und niemand hat Argument dagegen. Denn schließlich kann ihn
außer mir ja niemand erkennen. Wäre ja noch schöner, ist ja schließlich mein
Seelenpartner. Zumindest theoretisch.
Angenehme
Begleiterscheinung dieser Methode aber ist, dass mir von nun an ebenfalls wieder
Lebensabschnittsgefährten gestattet sind. Kommt mir ganz gelegen, denn ich
scheine an einer latenten Beziehungsunfähigkeit zu leiden, wie meine mediale
Beraterin meine mittelfristige Fixierung auf meinen Seelenpartner
interpretierte. In ihren Augen lediglich Angst, mich auf gegenwärtige wie
gegenständliche Beziehungen einzulassen. Wie auch immer, wenn ich nun im halbjährlichen
Turnus meinen Partner wechsle - meine Lebensabschnitte folgen nunmal sehr rasch
aufeinander - dann kann ich einfach beteuern, dass wir eben festgestellt hätten,
dass wir nur Dual- nicht aber Zwillings-Seelen
seien. Man kommt ja auch wirklich leicht durcheinander bei diesem ganzen
Vokabular. Der neue Partner aber, dieser sei ganz bestimmt meine
Zwillingsflamme. Ich fahre ganz gut mit dieser Methode und wähne allmählich,
dass sie weitaus verbreiteter ist, als ich einst dachte.
In
der Zwischenzeit habe ich mein Betätigungsfeld nicht unwesentlich erweitert:
Ich suche nun nicht mehr nur nach meinem Seelenpartner - nun gut, eigentlich
wollte ich ja nicht mehr suchen, aber das ließ sich von mir nicht konsequent
durchhalten - sondern ich suche nun ebenfalls nach meinen Seelengeschwistern,
meiner Seelenfamilie, nach meinen Dualseelen. Tatsächlich habe ich noch keinen
von ihnen gefunden, dies behaupte ich ja nur, erinnern
wir uns - zum Zweck der Rechtfertigung meiner unzähligen Exfreunde, die ich vorübergehend
als meine Zwillingsflamme deklarierte.
Und
glaubt mir oder glaubt mir nicht: Mittlerweile könnte ich mir sogar eine
Beziehung mit einer meiner Dualseelen vorstellen. Es muss ja nicht gleich meine
Zwillingsflamme sein. Gewiss, ich bin im Laufe der Zeit etwas bescheidener
geworden. Diese Suche zermürbt einen aber auch wirklich.
Wenn
es aber endlich so weit ist und ich entsprechende Partnerschaft mit einer meiner
Dualseelen führe – die Chance ist gemäß angestellter
Wahrscheinlichkeitsrechnung weitaus höher, dass mir zuerst eine meiner
Dualseelen über den Weg läuft, es sind schließlich mehrere - wenn es endlich
so weit ist, dann werden wir uns lieben und ehren, einander achten und
vertrauen, bis ans Ende unserer Tage. Zu beachten sei lediglich, das sich
"das Ende unserer Tage" hierbei keinesfalls auf das Ableben des ein
oder anderen bezieht, derlei wie einen "Tod" die große Illusion
des Irdischen, gibt es tatsächlich ja gar nicht – wir spirituell Bewanderten,
wir wissen das schließlich. Tatsächlich bezeichnet "das Ende unserer
Tage" hierbei lediglich die endlich erfolgte Begegnung mit unserer
Zwillingsflamme – unsere Dualseele muss hiernach selbstverständlich weichen
und sich mit der zweiten Reihe begnügen.
Wenn
es aber wie gesagt so weit ist, und ich eine Partnerschaft mit einer meiner,
fangen wir klein an, Dualseelen führe, dann werden wir einander lieben und
ehren, uns die gegenseitige Treue geloben und unsere Partnerschaft nach Gottes
Gebot und Verheißung führen – in guten wie in noch besseren Tagen.
Heiraten? Nein, heiraten will ich nicht. Mir würde es im Traum nicht einfallen, meine gesamte Konzentration derart auf ein einziges anderes Wesen zu beschränken. Schließlich bin ich spirituell. Und weiß somit, dass Heil und Erlösung niemals in einem anderen, sondern einzig & allein in uns selbst zu finden sind.
Es sei denn - ja, es sei denn, dass es meine Dualseele ist. Besser noch: meine Zwillingsflamme. Denn tatsächlich könnte ich mir durchaus vorstellen, dass mein Heil und meine Erlösung einstmals zufällig in ihre Aktentasche gerutscht sind. Und seitdem darauf warten, die Wege rechtmäßiger Besitzerin zu kreuzen.
Denn warum sonst habe ich mein Heil und meine Erlösung bis heute nicht an meiner Seite?
Deswegen suche ich sie ja auch. Nicht mein Heil und meine Erlösung. Ach was. Meine Dualseele respektive Zwillingsflamme!
Und zwar nur sie.
Dies dafür aber umso doller...
Die Sache mit dem Karma
Wie, was, ihr wisst jetzt nicht, was es genau mit dem Karma auf sich hat? Ihr wisst noch nicht einmal, dass ihr welches habt?? Na denn aber mal ran an den Speck...
Eine eingehende Auseinandersetzung mit dieser Thematik kann sehr lohnend sein, denn: Plötzlich ergibt alles einen Sinn. Warum wir lieben, warum wir hassen - warum wir mit dem einen bereits in unserer ersten Begegnung angenehme Vertrautheit empfinden, als würden wir uns bereits die halbe Ewigkeit lang kennen [wir tun es...], warum wir einem anderen, sobald er nur zur Tür hereintritt, auch schon sofort ins Gesicht spucken wollen [in einem anderen Leben haben wir es getan...]. Und so weiter & so fort - nahezu jede unserer zwischenmenschlichen Begegnungen hat ihre Geschichte, nahezu jede unserer heutigen Präferenzen, Charaktere und/oder Sensibilitäten hat ihren Ursprung und Anfang in einer anderen Zeit.
Indessen habe ich meine ganz eigenen Erfahrungen mit dem Prinzip des Karma gemacht. Ich habe es ausführlich studiert - und habe mittlerweile wohl Karma mit dem Karma - denn ganz einverstanden zeigte ich mich irgendwann nicht mehr mit der praktischen Gestalt dieses Konzepts.
Achtung: Eine differenzierte Begriffsdefinition ist NICHT Gegenstand dieser Abhandlung! Ebenso ist mir bewusst, dass dargestellte Erklärung den ein oder anderen Karmaspezialisten durchaus dazu anhalten kann, mich auf Diskussionswürdigkeit vorliegenden Verständnisses hinzuweisen. Keine Sorge: Ihr habt ganz bestimmt Recht.
Tatsächlich
ist der Begriff des Karma sowie Existenz versus Nichtexistenz Gegenstand unzähliger
Debatten & Diskussionen innerhalb spiritueller Reihen. Mir bleibt nur zu
sagen: Klammert mich ruhig und guten Gewissens aus diesen Kontroversen aus - mir
ist das liebe Karma in der Tat lange genug auf den Keks gegangen...
Das
Prinzip des Karma mutet auf den ersten Blick recht simpel an: Ich inkarniere als
A, stelle im Laufe meiner Inkarnation fest, dass mir B sehr wohl ein Dorn im
Auge ist, bringe B daraufhin um, verlasse einstmals die irdischen Gefilde, versöhne
mich auf der Astralebene wiederum einiglich mit B, inkarniere erneut, werde in
diesem Dasein nun hingegen von B zur Strecke gebracht und schiebe von neuem
einen Hals auf B. Ohne Zweifel bin ich nun jedoch berechtigt, die Ewigkeit in
formvollendeter Eintracht mit B in den Himmeln verbringen. [Sobald er sich
entscheidet, sein wunderbares wie ganz und gar erfülltes Leben - das auch ich
ohne Zweifel hätte haben können - reich genug ausgeschöpft zu haben, versteht
sich...]
Tatsache
ist: Wir sind quitt. Unsere karmische Bilanz ergibt plus-minus Null. Wir haben
ein vorbildliches Gleichgewicht, und bestenfalls auch individuelles Bewusstsein
erlangt.
Tatsächlich
folgt das Gesetz des Karma dem schlichten Konzept von Ursache und Wirkung, von
Effekt und Ausgleich. Was bedeutet, dass das, was wir tun, ebenso uns getan
werden will - Gutes wie Schlechtes und Schlechtes wie Gutes. Dies, um hieraufhin
guten Gewissens von uns behaupten zu können, wertvolle Erkenntnis gewonnen und
alles in unserer Macht stehende für ein energetisches Gleichgewicht zwischen
uns (A) und B getan zu haben. Wenn jedoch nach erfolgter Abwicklung dieses
Procedere immer noch kein Frieden zwischen uns herrscht, dann kann hieran
zweifellos nur B schuld sein. Soviel sei sicher.
Beabsichtigtes
Endresultat des Karma aber ist, zugleich Meisterschaft des Irdischen, dass
unsere Seele ihren Frieden findet, wir selbst göttliches Handeln sowie
Bewusstheit erlernten, und uns das fortwährende Verweilen in einem Zustand der
bedingungslosen Liebe von nun hauptberufliche Tätigkeit ist. Ich kann zwar
nicht eindeutig bestätigen, dass das Karma bis hierhin auch nur annähernd
dargestellt beruhigenden Effekt auf mich hat. Doch dies soll rein gar nichts heißen.
Wenn
wir dem hinduistischen sowie gleichfalls buddhistischen Weltbild Folge leisten,
ist unser heutiges Schicksal vorrangig das Ergebnis unserer früheren Taten.
Wenn wir uns daher auch nur einen Hauch der sprichwörtlichen wie unschwer
erfahrbaren Gelassenheit entsprechend sozialisierter Kulturkreise anzueignen wünschen
- und sofern wir weiterhin dem Abbau unseres Karma größtmöglichen Nutzen
leisten wollen, tun wir gut daran, ihre Sicht zu teilen. Wiedergeboren aber
werden wir im Begriffsverständnis dieses Weltbildes solange, bis wir es vermögen,
dem Kreislauf von Ursache und Wirkung für immer zu entfliehen. Da wir begriffen
haben. Und alle offenen Posten für immer begleichen konnten.
Ohne
weiteres können wir an dieser Stelle davon ablassen, nach entsprechend
deklarierten Notausgängen Ausschau zu halten. Unsere Erlösung wird sich nämlich
ausschließlich erst dann ereignen, wenn wir keine neuen Ursachen mehr schaffen,
da unser Tun absichtslos und unsere Handlungen wunschlos geworden sind. Was
beispielsweise bedeutet, dass ich (A) keinerlei Verlangen mehr verspüre, es
meinem Erzfeind (B) wiederholt und mit gleicher Münze heimzuzahlen. Und sollte
er mir dennoch erneut zum Opfer fallen, dann geschah dies zweifellos
versehentlich.
Insbesondere
die spirituelle Literatur unserer Tage offenbart eine Vielzahl differenzierter
Begriffsdefinitionen des Karma. Definitionen, die zumeist betonen, dass wir es
hier keineswegs mit einem göttlichem Gerechtigkeitsakt zu tun haben und
ebenfalls nicht mit streng festgelegten Wie-Du-mir-so-ich-Dir-Statuten. Vielmehr
diene das Karma vorrangig unserer spirituellen Entwicklung als auch der
zunehmenden Rückerinnerung unseres göttlichen Ursprungs. Darüber hinaus zeige
es sich in seiner jeweiligen Handhabe relativ flexibel. Und nicht zuletzt stamme
das Gesetz des Karma beileibe nicht von Gott, sondern es seien wir selbst, die
uns dieses Prinzip erdacht hätten. Damals, zu Anbeginn der Zeiten. Mit den Anfängen
dieses Spiels. Also eines weiß ich schon einmal zu sagen: Ich war das nicht.
Das wüsste ich. Dennoch eine wertvolle Information, will ich meinen, denn
mittlerweile schiebe ich nicht mehr nur auf B, sondern gleichfalls auf den
Erfinder des Karma einen Hals.
So
nützlich sich all diese theoretische Erläuterung auch ausnehmen mag, umso
eigentümlicher stellt sich mir doch jedes Mal wieder die konkrete Gestalt des
Karma dar. Tatsache ist, dass ich mich bereits zeit meines Lebens ausgesprochen
dafür interessierte, welche Ursachen und Beweggründe den zwischenmenschlichen
Verquickungen meiner Gegenwart zugrunde liegen. Welche Zusammenhänge nahezu
ausnahmslos, dies sei sicher, in zurückliegenden Inkarnationen zu suchen sind.
Aus diesem Grund aber habe ich mir indessen ein ausreichend sachverständiges
Medium zur besten Freundin gemacht, und lasse mir fortan exquisit aus meinen
vergangenen Leben berichten. Äußerst aufschlussreich, wie ich finde. Vor allem
dann, wenn wir verstehen möchten, warum wir kaum selten einen Menschen auf
Anhieb lieben oder hassen, der sich uns bis hierher noch nicht einmal namentlich
vorgestellt hat. Denn siehe: Wir kennen uns bereits aus früheren Leben. (Und
ahnen oder wissen: Das kann doch mal wieder nur die Visage von B sein...).
Auf
die Schliche gekommen bin ich hierbei im Laufe der Zeit jedoch einem Prinzip,
das zwar äußerst nett angedacht ist, zumeist aber ganz und gar nicht so nett
ist, zusätzlich auch noch in jener netten Weise zu funktionieren, wie es
eigentlich nett angedacht ist. Ja, ich spreche nach wie vor von dem Prinzip des
Karma. Und ich möchte zu seinem besseren Verständnis ein Beispiel liefern. Ein
Beispiel aus meiner ureigenen Historie:
Ich gestehe, dass ich als einstiger A tatsächlich einstmals B umgebracht habe. Man könnte mir zugute halten, dass ich damals ein Ritter war und die damaligen Brauchtümer nun mal entsprechenden Charakter hatten. Nicht aber so der Kosmos. Im Laufe der folgenden Inkarnationen, zwecks Ausgleich und Bewältigung gemeinsamen Karma versteht sich, brachte B daraufhin wiederum mich (A), dann ich (A) wieder B, dann B wieder A (mich) um. Da sich die Zeiten inzwischen geändert haben, und wir uns zweifelsfrei anpassen mussten, gingen wir hiernach dazu über, uns gegenseitig die Männer auszuspannen. Ich spannte also zuerst B, dann B wieder mir, dann A wieder B, und schlussendlich B erneut A den Mann aus. Mittlerweile haben wir uns auf einen geregelten Turnus geeinigt, innerhalb dessen wir jeweils einander den Mann ausspannen. Oder auch die Frau. Je nachdem und in Abhängigkeit von gegenwärtigen sexuellen Präferenzen.
Im
Sinne eines angebrachten Begriffsverständnisses des Karma dürften wir
eigentlich davon ausgehen, dass es vollkommen sowie ganz und gar ausgereicht hätte,
wenn sich B ein einziges Mal an A gerächt und es ihm hiermit
gerechtigkeitssuchend gleich getan hätte. Es hätte folglich absolut genügt,
wenn A einmal B und B einmal A gemordet hätte, um derart dennoch jegliches
Karma zwischen A und B ewig und für alle Zeiten abgegolten zu haben. Richtig.
So läuft das aber nicht.
In
seiner praktischen Gestalt hält uns das Karma vielmehr dazu an - absolut unberücksichtigt
jedweder Soll- oder Haben-Stände - immer wieder auf dasselbe Tun und Treiben
zurückzugreifen. Heißt, auf dasjenige Tun, welches uns die ganze Misere überhaupt
erst eingebracht hat. Dies aber bedeutet: Habe ich B einmal gemordet, werde ich
es immer wieder tun. Vor allem dann, wenn er sich so ganz und gar querstellen
will und es mir seinerseits gleichfalls immer wieder heimzahlt – anstelle es
einfach dabei zu belassen und mir großmütig zu verzeihen. Wäre immerhin gut für
sein Karma.
Im
tatsächlichen Sinne bezeichnet der Begriff des Karma damit jedoch die beständige
Verfestigung eines Verhaltens, das wir ursprünglich eigentlich als unangebracht
erkennen und uns für alle Zeiten abgewöhnen wollten. Nun gut, ohne Zweifel könnten
wir jetzt einwenden, "Ja, aber wenn wir das doch nun wissen, sind wir doch
einfach klug, und kehren nicht wieder und wieder zu unserem
Ursprungsverhalten zurück". Ist es doch nicht zuletzt allein diesem
kontinuierlich wiederkehrenden Verhalten zuzuschreiben, dass wir fortwährend im
Rad der Wiedergeburten festsitzen. Weiterhin bliebe uns festzustellen, dass die
Sache ja eigentlich vollkommen easy wäre und alleiniges Rätsels Lösung, nur
ein einziges Mal auf stereotypes Handeln zu verzichten, um uns somit
unversehens karmafrei und damit punktum tauglich für die Himmel zu erweisen.
Recht haben wir.
Der
wirkliche Witz bei dieser ganzen Karmageschichte aber ist, dass wir uns
einstmals nicht nur das Prinzip des Karma erdachten, sondern uns gleichfalls
erdachten, dass wir uns ruhig noch ein wenig mehr fordern könnten. Und daher
beschlossen, den Schwierigkeitsgrad geringfügig zu erhöhen. Wir beschlossen
somit, einfach jedes Mal zu vergessen, was wir in unserem letzten
Leben getan, und was wir gelassen hatten. Um uns derart, gänzlich unbelastet
unserer schmählichen Erinnerungen, mit jedem Leben von ganz Neuem zu versuchen.
In der Hoffnung und mit der Absicht, es dieses Mal um einiges besser zu machen.
Seit dieser Zeit aber beschränken wir unser Tun vor allem auf das Naheliegendste. Und am naheliegendsten erscheint uns das, was wir bereits schon einmal getan haben. Oder vielleicht zweimal - vielleicht auch dreimal getan haben. Daher: Es ist uns schlichtweg egal, ob wir uns daran erinnern können, genau denselben Mist schon einmal verbockt zu haben. Oder es aber vergaßen. Oder besser gesagt: Könnten wir uns daran erinnern, genau denselben Mist schon einmal verbockt zu haben, dann würden wir es bestimmt nicht wieder tun. Aber: Wir haben es ja vergessen. Nur unser liebes Unterbewusstsein nicht.
Wenn es aber darum geht, uns geeignete Verhaltensmöglichkeiten aufzuzeigen, wird besagtes Unterbewusstsein jedes Mal zur Stelle sein, und uns stolz präsentieren, was es weiß und was es kann. Nämlich B umbringen. Oft genug gemacht.
Nicht
zuletzt einfach aber effektiv, dieses Karma: Je öfter wir etwas getan haben,
desto naheliegender wird uns unser Tun. Umso naheliegender uns ein Tun aber
wird, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass wir es auch dieses Mal wieder
tun. Konditionierung wäre eine Erklärung.
Indes
hat die Zahl der von uns benötigten Inkarnationen (die uns tatsächlich lehren
wollen, auf andauernd wieder aufgegriffenes Handeln nur ein einziges Mal zu verzichten)
dreistellige Ziffernbereiche erklommen. Zwischen unseren
Leben aber - wenn wir auf astraler Ebene die Entwürfe für unsere nächsten
Leben vergleichen - wenn wir mit unseren Seelengefährten wie engsten Freunden
und Feinden Absprachen treffen, wo und wie wir gedenken, uns in kommender
Inkarnation zueinander zu verhalten, dann gehen wir selbstredend wieder und
wieder davon aus, dass wir dieses Mal nicht tun, was wir das
letzte Mal getan haben. Und das vorletzte Mal. Und das vorvorletzte Mal...
Denn in den Himmeln sind wir infolge aufrichtiger Bemühung und intensiver Aufarbeitung in der Zwischenzeit wieder liebste Freunde geworden.
Eines
Besseren belehren soll uns jedoch jedes Mal die gegenständlich gewordene
Inkarnation selbst. Eine Inkarnation, die selbstverständlich nicht
unserem Wünschen und Erwarten ersehnte Bestätigung geben wird, sondern tatsächlich
ganz genau in der Art und Weise ablaufen wird, wie auch alle vorhergehenden
Inkarnationen abgelaufen sind. Bedeutet, ich morde B, oder aber B mordet mich.
Ich spanne B den Mann aus, oder aber B mir. Wer auch immer gerade an der Reihe
ist.
Zu
dumm auch, denn: Wir haben wieder einmal vergessen. Und es erneut getan. Das,
was wir eigentlich exakt und genau nicht tun wollten. Aber das haben wir
ja auch vergessen. Nach unserem Ableben werden wir uns dennoch erneut höchst
erstaunt darüber zeigen, dass das Phänomen stetiger Synchronizität auch
dieses Mal zugegen war. Vielleicht - wirklich nur ganz vielleicht, wäre die
Fragestellung eine Überlegung wert, wer hier eigentlich was zu begreifen hat.
Denke ich mir manchmal...
Die
sich mir hier und heute präsentierenden Konfliktbeziehungen scheinen somit alle
nur ein Problem zu kennen. In beschriebener Weise und von meiner besten
(medial begabten, s.o.) Freundin durfte ich mir somit zweifelsfrei bestätigen
lassen, dass das einzige Problem jeder dieser meiner gegenwärtigen
Konfliktbeziehungen wäre, dass wir wiederholt getan hätten, was wir ganz genau
dieses Mal eigentlich nicht tun wollten. Was ich leider immer erst
hinterher erfahren sollte. Sprich, als ich es bereits wieder getan hatte.
Tatsache
ist, dass ich von derlei problematischen Karmakontakten mittlerweile eine ganze
Reihe um mich versammelt habe. Habe ich doch im Laufe meiner zahlreichen Leben
nicht nur B, sondern ebenso und in gleicher Weise auch C, D, E und F - sagen wir
der Einfachheit halber, durch die Bank weg bereits einmal das gesamte Alphabet
umgebracht. Was mir mein heutiges Leben zugegeben nicht gerade einfach macht.
Denn siehe: All dieses Karma will nun hier und heute abgearbeitet werden.
Dennoch
habe ich gelernt. Ich habe gelernt, in jeglicher Art des zwischenmenschlichen
Kontakts nun jedes Mal ausnahmslos das genaue Gegenteil zu tun.
Das exakte Gegenteil von dem, was zu tun mir eigentlich das Naheliegendste wäre.
Und hoffe nun auf diese Weise, mein Karma endlich in den Griff zu bekommen.
Leichter geworden ist mein Dasein seitdem allerdings nicht. Frag mich nicht
wieso - aber langsam weiß ich auch nicht mehr weiter...
Doch
bezaubernde Botschaft, wundersame Kunde wie prächtiges Geschenk des Himmels,
das meinen aufreibenden Bemühungen ein vorzeitiges Ende setzt: Wir haben kein
Karma mehr. Die neuen Zeiten haben uns noch ausstehender Verbindlichkeiten
enthoben, der Dienst des Karma wurde eingestellt.
Alles, was mir jedoch tiefsten Herzens zu sagen bleibt, ist: Gott – sei – Dank.
Spirituelle Bedingungssätze
Also
eines möchte ich hier jetzt einmal endgültig klarstellen: Wir Spirituellen
haben unsere eigene Logik. Okay?
Komme
uns daher auch bitte niemand mit diesem ungeliebten Wörtchen 'Widerspruch'
- wir können es einfach nicht mehr hören... Zumal nicht aus unseren eigenen
Reihen. Wir müssen doch zusammenhalten, oder nicht?
In
der Tat stehen wir spirituellen Bewusstseinsjünger einem nicht unerheblichen
Dilemma gegenüber: Denn einerseits sind wir bereit, fürwahr & wirklich
ALLES [ich wiederhole und buchstabiere sorgfältig: A-L-L-E-S] für unsere
schnellstmögliche Bewusstwerdung, unsere uneingeschränkte Erkenntnis und/oder
für unsere zeitnahe Errettung aus diesen barbarischen Breiten zu tun [was wohl
irgendwie mit unserem Bewusstsein zusammenhängen will], aber andererseits
wollen wir uns so bewusst denn eigentlich überhaupt gar nicht
werden... Ich meine, ein bisschen bewusst ist schon in Ordnung, aber so richtig
und voll und ganz? Nee, nee - und vor allem: wozu?
Anders
ausgedrückt: Zwar sind wir bereit, ALLES, tatsächlich ALLES für unser rasant
voranschreitendes sowie sich zügig entwickelndes Bewusstsein zu tun, und nehmen
uns daher auch jede, selbst nur irgendwo am Rande aufgeschnappte Lehrdoktrin
unbedingt & auf der Stelle zu Herzen - aber den damit verbundenen
Arbeitsaufwand der Auseinandersetzung, Erkenntnis und ausgewogenen Stimmigkeit,
den hätten wir gerne so gering wie möglich gehalten. Ist doch vollkommen
legitim, oder nicht?
Aus diesem Grund aber führen wir vielerlei Erkenntnissatz, den wir persönlich als verstanden deklarieren oder dessen Wichtigkeit bzw. Richtigkeit wir ohne explizite Aufforderung hier & sofort einsehen möchten, mit Vorliebe selbständig ad absurdum. Und zwar solange, bis wir selbst nix mehr kapieren. Dann aber können wir endlich darin übereinkommen, dass es eigentlich überhaupt nix zu kapieren gibt! Denn wisse: Alle Wahrheit ist subjektiv, Interpretations- & Auslegungssache - und dehnbar ist sie sowieso. Logik und gesunder Menschenverstand? Pah, haben wir schon längst vor die Tür gesetzt. Meint: Überstiegen - und zwar zugunsten unfehlbarer Geisteswelten.
Basteln, stricken, dehnen und weiten seien demnach jederzeit erlaubt - vor allem dann, wenn es um den beileibe so herausfordernden Handarbeitskurs "Bewusstsein und Einsicht" gehen will. Compreendido?
Ich
liebe bedingungslos, ich vertraue bedingungslos, ich schwinge bedingungslos das
Zepter meiner Eigenmacht und nicht zuletzt höre ich bedingungslos auf die
Stimme meines Gefühls. Ganz wie es sich für das spirituell verständige Wesen
unserer Gegenwart gehört. Und dass es sich in meiner Person um ein ebensolches
handelt, das will ich ohne jeden Zweifel wie inbrünstig meinen. Also liebe ich
bedingungslos, vertraue ich bedingungslos, schwinge bedingungslos das Zepter
meiner Eigenmacht und höre bedingungslos auf die Stimme meines Gefühls. Nun
gut, vielleicht zeige ich mich nicht in allen aufgezählten Punkten ganz und gar
bedingungslos. Zumindest noch nicht. Aber ich liebe, vertraue,
schwinge das Zepter meiner Eigenmacht und höre auf die Stimme meines Gefühls.
Und zwar unter exakt folgenden Bedingungen:
-
Wenn ich schon bedingungslos liebe, dann möchte ich bitteschön
bedingungslos wiedergeliebt werden. Im mindesten aber möchte ich davon ausgehen
können, dass ich wenigstens in näherer bis fernerer Zukunft mit der
unzweifelhaften Erwiderung meiner bedingungslosen Liebe rechnen kann. Und dass
man sich insbesondere in dieser Hinsicht keinesfalls immer allzu sicher sein
sollte, davon weiß meine kontinuierliche Erfahrung unwiderlegbar Zeugnis
abzulegen.
Bedingungslose
Liebe, die nicht erwidert wird, tut jedoch weh. Mir zumindest. Ich meine, es ist
wirklich nicht schön, sich bedingungslos hinzugeben, um daraufhin bedingungslos
auf die Nase zu fallen. Oder sieht das jemand anders?
Da
ich im Laufe meiner unzähligen Inkarnationen, hier und anderswo, jedoch immer
wieder mit dem Umstand konfrontiert worden bin, bedingungslos zu lieben und dem
von mir Verehrten lediglich bedingungslos auf den Senkel zu gehen, haut das mit
der bedingungslosen Liebe für mich nicht hin. Zumindest noch
nicht.
Ganz
abgesehen davon, dass ich es als mittlere Frechheit empfinde, dass meinem
anmutigen wie werten Wesen scheinbar wieder und wieder sowohl Hinz als auch Kunz
vorgezogen werden. Ich glaube tatsächlich, dass diejenigen, die mich eigentlich
bedingungslos lieben sollten, mich schlicht bedingungslos ärgern wollen.
Damit
aber erweisen sie sich meiner Liebe auf keinen Fall würdig. Unter gar keiner
Bedingung sogar. Denn, ohne Frage beherrschen sie was nicht? Richtig, die
bedingungslose Liebe.
Doch
wie heißt es? Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Ich spreche von
einem hochstehenden Wesen verständiger Natur - wahlweise ein allwissender
junger Gott oder auch Brad Pitt - von einem weisen Wesen, das darum weiß, dass
es völlig unmöglich ist, etwas anderes zu leisten, als mich überaus
bedingungslos zu lieben. Und zwar ganz egal, ob ich es meinerseits bereits zuvor
gleichermaßen bedingungslos liebte oder unter Umständen gerade anderweitig
beschäftigt war.
Derart
begriffene Naturen habe ich bisher jedoch lediglich in höherliegenden Sphären
ausgemacht. Meint, in den Himmeln und jenseitigen Reichen, den Welten der
aufgestiegenen Meister, Geister, Engel und Götter. Da Wesen dieser höherliegenden
Welten jedoch vermögen, was hiesige Dimension keineswegs vermag –
sie scheinen tatsächlich alle und jeden Menschen bedingungslos zu
lieben, und damit auch mich – tue ich es ab hier an den himmlischen Meistern,
Geistern, Engeln und Göttern gleich. Und liebe von nun an gleichfalls
bedingungslos. Die Wesen der höherliegenden Welten natürlich, nicht die
Menschen. Die Menschen mag ich nicht.
Zudem
viel erfreulicher, um bedingungslose Liebe zu buhlen, wenn mir mein Erfolg umso
sicherer ist. Auf die bedingungslose Liebe anderer bin ich aber nach wie vor
angewiesen – denn mich selbst bedingungslos lieben - ein Rat der
himmlischen Meister gleichfalls wie meines Psychologen - keine Ahnung wie das
nun wieder gehen soll.
In diesseitiger Dimension indessen liebe ich nur noch. Zudem ausschließlich den, der mich zuerst liebt. Und sich somit adäquat begriffen im Sachverhalt der bedingungslosen Liebe erweist wie ich. Ich meine - wer bin ich denn?
Wer
mich aber nicht bedingungslos liebt, den hasse ich bedingungslos.
Womit auch diese Thematik wieder stimmig für mich wäre. Das kosmische
Gleichgewicht befindet sich weiterhin im Lot. Zumindest das meine.
-
Wenn ich schon bedingungslos vertraue, dann möchte ich bitte sehr
nicht den geringsten Zweifel darüber behalten, dass ich auch allen Grund hierzu
besitze. Vertrauen ist sehr gut, Kontrolle ist keine Lösung, ich weiß – aber
ein kleiner Vertrag, der sich über alle relevanten Punkte äußert, müsste
immerhin drin sein. Schließlich möchte ich keinerlei Nachteil erleiden. Vor
allem dann nicht, wenn ich mich schon dazu durchgerungen habe, bedingungslos zu
vertrauen.
Nehmen
wir zum Beispiel die Jenseitigkeit: Die himmlischen Meister sagen, wir kämen
ein jeder in den Himmel. Denn tatsächlich seien wir ausnahmslos weise, göttliche
wie auserlesene Wesen, die sich der Herrlichkeit des Himmels allesamt wert
erweisen. Aber ich meine – kann ich ihnen in diesem Punkt wirklich
bedingungslos vertrauen? Und wenn ja - unter welchen Voraussetzungen, sprich
Bedingungen, darf ich ihrer Aussage unbedingt vertrauen?
Denn
eines erscheint mir sicher: Irgendeine geringfügige Gegenleistung werden sicher
auch sie erwarten. Wenn sie mich jedoch schon dazu aufrufen, ihren Worten
schlicht bedingungslos zu vertrauen, dann müssen sie mir schon einen
klitzekleinen - aber gebührend handfesten - Beweis erbringen, dass sie in
dieser Angelegenheit tatsächlich Recht behalten werden.
Etwas
schwierig, keine Frage, aber durchaus möglich. Wie wäre es beispielsweise mit
einem bescheidenen, an mich persönlich adressierten Einschreiben von meiner
gesamten, bereits verschiedenen Ahnenreihe, dass es ihnen durchweg gut gehe, sie
ausnahmslos im Himmel Quartier bezogen hätten und darüber hinaus äußerst
wohl behandelt würden? Meine Adresse müsste jenseitigen Gefilden jedoch
hinreichend bekannt sein. Zumindest dann, wenn es stimmt, dass sie alles wissen,
wie sie sagen – noch so eine Sache, die sie behaupten.
Also
bitte, wenn ihr Wahrheit sprecht – wenn ihr Wahrheit sprecht -,
dann liefert mir bitte ausreichend Fundament für mein künftiges Vertrauen.
Unter dieser Bedingung werde ich auch gerne bedingungslos vertrauen. Ansonsten
kann ich leider nicht vertrauen. Schon gar nicht bedingungslos. Wie auch?
-
Wenn ich schon bedingungslos das Zepter meiner Eigenmacht schwinge, dann
möchte ich bitte auch zweifelsfrei wie unwiderruflich zugesichert bekommen,
dass ich alles und jedes richtig mache. Rückwirkend und zukünftig, gestern und
heute, vor allem aber morgen. In jedem Moment meines selbstermächtigten Tuns.
Denn ohne dies kann ich nichts tun. Überhaupt nichts. Ich bitte um Verständnis.
Denn
ohne Zweifel lautet hier die Frage: Wie soll ich mich bitte auf meine Eigenmacht
berufen, wenn mir keiner sagt, was richtig ist? Es leuchtet ein, dass ich derlei
Entscheidungen - Entscheidungen über mein Tun und allenfalls über mein Sein -
keinesfalls eigenmächtig treffen kann. Vor allem dann nicht, wenn ich in den
Himmel kommen möchte, siehe oben. Und irgendeinen Haken muss diese Sache mit
meiner Eigenmacht schließlich haben.
Mittlerweile
glaube ich, besagten Haken auch ausgemacht zu haben: Denn sofern ich mich tatsächlich
vollständig wie selbstermächtigt in die Arme meines eigenmächtigen Denken und
Tuns begebe, entbehre ich zwangsläufig der notwendigen Instanz des wissenden Führers
und Lehrers. Wenn ich aber auf mich allein gestellt bin und schlicht tue, was
mein ermächtigtes Selbst gerade tun will, werde ich keineswegs immer das
Richtige tun. Auf gar keinen Fall sogar.
Ebendies
werden die geistigen Welten daraufhin aber sicherlich Argument sein lassen, mir
den Zutritt in die Himmel zu verweigern. Eigenmacht hin oder her - ich hätte
schlichtweg zuviel Mist gebaut. Und schließlich bedeute Eigenmacht immer noch,
vollkommen eigenmächtig das Richtige zu tun - und nicht vollkommen eigenmächtig
das Falsche. Wusste ich's doch...
Tatsächlich sind die Himmel natürlich nur voll (ich persönlich habe mich ja schon immer gefragt, wie wir da alle reinpassen sollen) - aber die geistige Welt hätte punktum wunderbares Argument, den verweigerten Zutritt kurzum mit meinem persönlichen Fehlverhalten zu begründen. Und müsste sich selbst nicht Lügen strafen. Ganz schön tricky die da oben. Aber nicht mit mir...
Nein,
nein, das lassen wir mal schön bleiben. Daher: Meinetwegen schwinge ich das
Zepter meiner Eigenmacht, wenn es denn tatsächlich das ist, was ich von heute
an tun soll. Da ich auch sonst nicht in den Himmel komme. Allerdings behalte ich
mir vor, mir beim Schwingen ein wenig helfen zu lassen. Und zwar von Führern
und Lehrern, Gurus und Regenten. Diese sagen mir von nun an jedes Mal, was
richtig und was falsch ist. Was das Beste, und was das Schlechteste wäre.
Immer. Überall. Genauer gesagt bei jedem meiner geringsten Schritte.
Sobald
ich aber weiß, was es exakt und genau ist, das ich am Besten tun sollte, fällt
es mir auch leicht, es im Anschluss ganz und gar eigenmächtig zu tun. Klappt
also. Sogar ganz ausgezeichnet.
Und
nicht zuletzt sind eigens sie, meine Führer, Lehrer, Gurus und
Regenten, der Ansicht, dass ich auf ewig ihrer umfassenden und wegweisenden
Hilfe bedarf. Dies allein, um die bedingungslose Eigenmacht mehr und mehr
unbedingten Teil meines Wesens sein zu lassen. Ohne sie ginge das aber nicht.
Und
wenigstens ihnen will ich vertrauen. Und zwar bedingungslos.
-
Wenn ich schon bedingungslos auf die Stimme meines Gefühls höre, dann
fordere ich zuvor, dass auch mein Verstand ihm allezeit kategorisch zustimmt.
Und zwar bedingungslos. Ich meine – warum sollte ich etwas tun,
das noch nicht einmal mein Verstand vermag?
Die
himmlischen Meister sagen, dass Weisheit und Wissen niemals im Verstand zu
finden seien. Sie sagen, der Verstand sei ein begrenztes Werkzeug dieser Realität,
das teile und trenne, abwäge und seziere, hinterfrage und zweifle, aber selten
erkenne. Ein Ding, das schlicht nicht imstande sei, ein größeres Ganzes
einzusehen, geschweige denn, uns mit einer übergeordneten, feinstofflichen
Wahrnehmung zu dienen. Und uns derart das Erfahren von Wahrheit, Wissen und
Weisheit ewig vorenthalte. Ganz anders aber das Gefühl.
Also
ich meine, wenn dem tatsächlich so sein sollte – dann hätte mein Verstand für
sein angebliches Unwissen aber ziemlich stichhaltige Argumente. Und wo soll er
die bitteschön herhaben? Aus der Luft greifen, oder wie? Im Angesicht der Fülle
scheinbar aus der Luft gegriffener Argumente bewiese sich mein Verstand
allerdings als Experte des Feinstofflichen. Ganz so kann das also folglich nicht
sein.
Sagen
wir so: Ich höre wirklich gerne auf die Stimme meines Gefühls - aber meinen
Verstand werde ich deshalb noch lange nicht vor die Tür setzen. Ich wüsste
auch gar nicht, wie das gehen soll. Er hört nicht auf mich.
Sofern
mein Empfinden jedoch fürwahr weiser und wissender ist, dann müsste es meinem
Verstand eigentlich einiges erklären können. Auch davon kann ich aber nichts
bemerken. Wie ist das beispielsweise mit dem Himmel, in dem sich angeblich alle
Wesen nach ihrem Übergang, zwischen den Leben als auch in der Ewigkeit
aufhalten sollen? Ich für meinen Teil sehe da nichts. Nun gut, den Himmel sehe
ich schon. Aber das war's dann auch.
Wo
sind denn die ganzen Wesen, die sich eigentlich in genau diesem Moment dort
tummeln sollten? Haben sie sich in Luft aufgelöst? In diesem Fall aber wären
sie ja gar nicht im Himmel, sondern sie wären tatsächlich gar nicht. Kann also
beispielsweise nicht ganz hinkommen, sagt mein Verstand.
Und
was sagt mein Gefühl? Mein Gefühl sagt - Moment ich lausche - mein Gefühl
sagt: "Menschenskind, kann man denn noch nicht einmal im irdischen Dasein
seine Ruhe haben? Frag doch den Verstand, der weiß sowieso alles besser."
Na bitte, ganz meine Rede.
Ich bin beileibe ein spirituell verständiger Mensch. Daher liebe ich, vertraue ich, schwinge das Zepter meiner Eigenmacht und höre auf die Stimme meines Gefühls. Gar kein Problem. Aber Bedingungslosigkeit – Bedingungslosigkeit war keineswegs Teil meiner Abmachung. Daran wüsste ich mich zu erinnern. Unbedingt.
Ich bin wir - und wer seid ihr?
Voranschreitendes "Wir-Bewusstsein" - ein Schlagwort spiritueller Gegenwart.
So sind wir nämlich effektiv davon überzeugt, dass das so lange vorherrschende wie gleichermaßen ausgeprägte "Ich-Bewusstsein" dieser Welt (Stichworte: Trennung, Teilung, Andersartigkeit) langsam aber sicher von einem zunehmenden "Wir-Bewusstseins" abgelöst werden wird (Stichworte Einheit, Akzeptanz, Brüderlichkeit). Keine Sorge, das Ich-Bewusstsein bleibt uns auf diesem Weg erhalten - dennoch werden wir zeitgleich mehr & mehr in den Genuss unser aller tatsächlichen Verbundenheit gelangen.
Da wir Spirituellen aber wissen, welche Stunde geschlagen hat [-> voranschreitendes Wir-Bewusstsein] und außerdem wissen, dass Trennung, Teilung & empfundene Andersartigkeit sowieso niemals der rechte Weg sein können [zumal wir außerdem und auch noch wissen -!-, dass wir in Wahrheit ja gar nicht voneinander getrennt sind, sondern alle eins und Gott] machen wir auch in Sachen "Wir-Bewusstsein" ehrenvoll das Zugpferd. Keine Ursache, geht schon in Ordnung, machen wir gerne...
Und anfangen tun wir damit wo? Sicher doch - in unseren eigenen Reihen. Im Kreise der uns geliebten spirituellen Brüder und Schwestern.
Wie weit wir mit unserem Vorhaben vorangeschritten sind? Lest selbst.
Wollt ihr aber bereits hier & heute, jetzt auf der Stelle, derlei wie Einigkeit, Gemeinsinn, Frieden, Toleranz und gegenseitiges Verständnis erleben (= Wir-Bewusstsein!) - werdet einfach spirituell!
Eine
spirituelle Freundin besitzt das Wir-Bewusstsein für Lichtarbeiter. Ich weiß
zwar nicht genau, was es mit dem Zusatz "für Lichtarbeiter" auf sich
hat, aber sie sagt, benanntes Empfinden hätte ihr gesamtes Leben verändert.
Sie schwärmt von seinem hohen Tragekomfort, berichtet, dass es samtweich und
streichelzart auf der Haut liegt, als auch, dass es mit keiner Wäsche an seiner
Leuchtkraft und Farbintensität verliert. Ihr Einheitsempfinden ist rosa-violett
mit kleinen weißen Herzchen, die bei Dunkelheit fluoreszieren. Es passt
wirklich ausgezeichnet zu ihrer neuen weißen Tunika, die sie im Kreise der ihr
Gleichgesinnten zu tragen pflegt. Und diese Gleichgesinnten müssten - nach Adam
Riese und Definition des all-umfassenden Wir-Bewusstseins - ab hier an
eigentlich von jedem Wesen und jeglicher Seinsform verkörpert werden. Weltweit
– was rede ich, im ganzen Universum. Ich meine "Alles" ist schließlich
immer noch "Alles".
Du
meine Güte, wie wundervoll. Schade, dass nicht auch ich dazu gehöre.
Denn ist es nicht eine wunderschöne Vorstellung, in einer grenzen- und
schrankenlosen Gemeinschaft aufgehoben zu sein, die durch Freiheitlichkeit und
Toleranz gekennzeichnet ist, in der wir einander innig verbunden fühlen und uns
bedingungslos lieben? Eine Gemeinschaft, in der wir uns als angenommen und
geborgen erkennen dürfen, in der wir uns allesamt als unterschiedslos, als
Kinder Gottes sowie als vollkommen gleichberechtigt erachten? Ich finde dies fürwahr
eine entzückende Vorstellung. Und in der Tat: Das ist Wir-Bewusstsein.
Formvollendetes, göttliches Wir-Bewusstsein. Ich zitiere aus mir vorliegender
Produktinformation:
"Wir-Bewusstsein
ist die metaphysische Erfahrung der grundlegenden Verbundenheit allen Seins. Wir
haben es hier mit einem qualitativ hochwertigen und an seinen Randnähten
erstklassig verarbeiteten Einheitsdenken zu tun, das unserem Ich sehr viel
Freude bereiten wird. Dies, da es sich dank seiner Hilfe in den Kontext einer
umfassenderen Ganzheit erhebt. Leitsatz: Ich bin wir. Fortan sehen wir Einheit,
Verbindung, Gleichheit und Gemeinschaft, wo wir vormals vorrangig Trennung,
Andersartigkeit und Unterschiedlichkeit erlebten, als auch den messenden
Vergleich unser Erfahren prägen ließen. Indessen ist es nicht vorrangig die äußere
Welt, die sich ändert – es sind unser Bewusstsein und unser Empfinden, die
den ersten Schritt gen einer neuen Zukunft setzen." Klingt wirklich gut.
Und
ich möchte noch etwas bemerken: Derartiges Wir-Bewusstsein gibt es schon.
Jawohl, hier, mitten unter uns, auf dem Planeten Erde. Und zwar in ausgesuchten,
exquisiten Kreisen. Genaugenommen in den Reihen der spirituellen Brüder und
Schwestern. Denn hier wird uns bereits zu diesen Tagen vorgelebt, was uns
einstmals allen Herrlichkeit gereichen wird: Passgerechtes Wir-Bewusstsein.
Dennoch
werde ich nachfolgend feststellen müssen, dass es nicht ganz einfach ist, in
den Besitz meines persönlichen Wir-Bewusstseins zu kommen. Denn in der Tat
scheint es nicht das Alltäglichste zu sein, in die Erfahrung der
allumfassenden, herrlichen Einheit jeden Seins zu gelangen. Dies, um mich somit
endlich wie unwiderruflich dem göttlich-basierten "Alles" hinzuzählen
zu dürfen. Noch, dass dieses "Alles" eine leicht zu verstehende
Konstruktion wäre. Ich kann hier jetzt nicht erklären, warum das so ist - es
ist eben so.
Sofern
ich aber erwäge, besagtes Wir-Bewusstsein und Einheitsdenken umgehend zu
erwerben, und ich erwäge dies nach wie vor, habe ich einem standardisierten
Bestellverfahren zu folgen: Ein etwa zehnseitiges Formular wartet darauf, um
meine persönlichen Angaben bereichert zu werden. Wird schon schief gehen.
Zum ersten ist es erforderlich, dass ich zum Zweck des gewünschten Erwerbs meines ureigenen Wir-Bewusstseins nachweislich der spirituellen Gemeinschaft dieser Erde angehöre. Oder aber derselben unverzüglich beitrete. Leuchtet ein. Denn lediglich innerhalb dieses Verbunds wird es mir möglich sein, bereits zu diesen Tagen Einheitsdenken und Wir-Bewusstsein in vortrefflicher Qualität zu erstehen - bisher leider der einzige vertrauenswürdige Lieferant. Darüber hinaus kann das hochqualitative Bewusstsein "Wir sind alle eins und gleich" keinesfalls der ganzen Welt gereicht werden – höchstens zur Ansicht - und muss aus Gründen der berechtigten Exklusivität vorerst in erster Linie spirituellen Mitgliedern vorbehalten bleiben.
Kein
Problem, meine ich, habe ich einer vornehmlich weltlichen Sicht doch bereits vor
Jahren und Jahrzehnten abgeschworen. Und mich seitdem in die Arme der
spirituellen Betrachtung begeben. Ein Nachweis erfolgter langjähriger
spiritueller Theorie und Praxis wird sich jedoch sicherlich auftreiben lassen.
Doch halt, ich werde darauf hingewiesen, dass es leider nicht ausreicht, mich
einzig als exklusives Clubmitglied der spirituellen Gemeinschaft des Planeten
Erde auszuweisen, um hochwertiges Wir-Bewusstsein zu erhalten. Vielmehr habe ich
zu benennen, in welcher Weise ich spirituell bin. Bedeutet: Wie
ist meine persönliche Spiritualität beschaffen? Wie würde ich sie exakt
kategorisieren und wie detailgetreu klassifizieren? Bin ich ein Lichtarbeiter?
Ein Sterngeborener? Ein Tantriker, ein spiritueller Physiker, ein Zen-Buddhist?
Bin ich ein Christus-Experte, ein Engelwesen oder ein Mitglied des
Ashtar-Kommandos? Kann ich channeln, beherrsche ich OBE auf Abruf und habe ich
Erfahrung mit periodisch auftretenden Erleuchtungszuständen? Betreibe ich Yoga,
Reiki und/oder mediale Malerei oder kann ich wenigstens ein klein wenig heilen?
Bin ich der esoterisch Praktizierende mit Hang zur alternativen Szene oder der
Alternative mit Hang zur esoterischen Praxis? Und überhaupt: Würde ich mich im
allgemeinem Sprachgebrauch eher als esoterisch oder vielmehr als spirituell
bezeichnen? Oder pendel ich gar nur ein bisschen? Oder aber: Falle ich etwa
unter Sonstiges?
Meine Güte, ich wusste gar nicht, dass das so kompliziert wird. Der Einfachheit halber mache ich mein Kreuz bei "Sonstiges". Damit werde ich jedoch auf unmittelbar anschließende Frage verwiesen: "Bitte teilen Sie uns mit: Was genau bezeichnet 'Sonstiges'? Ist ihre spirituelle Spezialisierung anerkannt? Wenn ja, von wem? Wie viele spirituelle Brüder und Schwestern teilen ihre Gesinnung? Nennen Sie uns jeweilige Namen und Anschriften, um uns die Möglichkeit einer angemessenen Überprüfung zu gewähren!" War wohl doch nicht so klug.
Ich kehre zurück zu vorhergehender Frage, nehme meinen Radiergummi zur Hand und korrigiere: "Lichtarbeiter". Ich hoffe, dass das jetzt gut geht. Es folgt die Frage: "Sind Sie überzeugt ob des Aufstiegs?" Ja, gewiss bin ich das - was auch immer das heißen mag. Die nächste Frage lautet: "Wer oder was ist St. Germain? 1. Ein Aufgestiegener Meister des violetten Strahls, 2. Eine Methode zur Erhöhung der Schwingungsfrequenz dieses Planeten oder 3. Ein kleines, französisches Auto, das allein kraft des Lichts angetrieben wird?"
Hm,
ich denke es ist das Auto. Ich glaube mich zudem zu erinnern, dass ein Bekannter
besagtes Gefährt vor kurzem käuflich erworben hat. Muss ganz hübsch sein. Ich
wusste allerdings nicht, dass er nur Licht tankt. Nun gut, wo geht es weiter?
Ich erhalte im Anschluss Auflösung meiner Wahl: "Sie sind definitiv kein
Lichtarbeiter. Es tut uns leid, Ihnen mitteilen zu müssen, dass wir Ihnen das
Wir-Bewusstsein für Lichtarbeiter unter diesen Umständen auf gar keinen Fall
aushändigen dürfen. Entsprechendes allumfassendes Einheitsbewusstsein ist
ausschließlich ausgewiesenen Lichtarbeitern vorbehalten. Bitte versuchen Sie
Ihr Bedürfnis nach Gleichheit und universeller Gemeinschaft anderweitig zu
stillen."
Na, vielen Dank. Da ich zwischenzeitlich auf Kugelschreiber umgestiegen bin, kann ich nun auch nicht mehr radieren. Ich habe jedoch den Verdacht, dass die streng sind, was ihr Wir-Bewusstsein angeht – durchstreichen kommt folglich nicht in Frage. Ich war mir allerdings auch zu sicher. Ich fordere demnach das Bestellformular erneut sowie umstandshalber in zwanzigfacher Ausführung an, spitze alle mir verfügbaren Bleistifte und mache mich ein paar Tage später erneut an die Arbeit. Hier nun wähle ich: "Tantriker". Ich denke, davon habe ich ein wenig mehr Ahnung.
Allerdings scheitere ich bereits zwei Fragen weiter, als es nämlich darum geht, die historischen Ursprünge und spirituelle Zielsetzung des Tantra zu benennen. Meine Güte, ich dachte es geht um Sex. Also wieder nichts.
Auch
mit dem Wir-Bewusstsein für spirituelle Physiker, Zen-Buddhisten und esoterisch
Praktizierende mit Hang zur alternativen Szene wird es nichts. Allesamt gänzlich
verschiedene Sparten der All-Einheit, versteht sich, Gruppen mit spezifischem
Vokabular, unterschiedlichem Ansatz und ganz und gar eigenen Lehrdoktrinen. Und
selbstredend ihrem eigenen Wir-Bewusstsein. Und genau darauf habe ich es
abgesehen. Wozu ich benannte Inhalte kennen müsste - und sei es diejenigen
eines einzigen Wir's. Zumindest dann, wenn ich die Einheit und Gleichheit allen
Seins erfahren will. Und das will ich. Ohne jeden Zweifel.
Mittlerweile bin ich von besagtem Formular bereits belehrt worden – meine meistenteils unzutreffenden Antworten blieben demnach nicht unberücksichtigt:
"Setzen Sie sich im Angesicht des vortrefflichen Wir-Bewusstseins bitte eingehend mit folgender Aussage auseinander: Gleich und gleich sind noch lange nicht dasselbe." Oder: "Wir-Bewusstsein und Einheitsdenken sind äußerst diffizile Tatbestände, die beiderseits mit einer komplexen Struktur und einem feinsäuberlichen Gefüge aufwarten. Bitte machen Sie sich mit deren hierarchischer Anordnung vertraut und lernen Sie, sich selbst klar und eindeutig zuzuordnen." Auch mein zwischenzeitlich verzweifelter Anruf beim Kundenservice, spiritueller Beratungsdienst für den Erwerb eines eigenen Wir-Bewusstseins, ergibt keine befriedigende Auskunft.
Wie
das denn wäre mit: "Wir sind alle eins und gleich", "Wir sind
allesamt Kinder Gottes" und "Wir machen keinerlei Unterschiede"?
Gewiss
seien wir alle eins, spricht mein Berater, aber mit der Unterschiedslosigkeit,
das würde ich geringfügig missinterpretieren. Denn selbstverständlich wären
wir – insbesondere wir, die spirituell Wir-Bewussten - allesamt Brüder und
Schwestern – aber keinesfalls seien wir ein bunter Haufen. Und wenn ich mich
weiterhin so aufregen würde, dann wäre ich sowieso gänzlich ungeeignet für
den Erwerb eines hochstehenden Wir-Bewusstseins. Wir-bewusste Menschen seien
ausnahmslos friedliche, freundliche und Einigung schaffende Wesen.
Indessen bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass dieses Wir-Bewusstsein ein wahrlich tolles Ding sein muss. Ich werde mich demnach weiter bemühen, dem elitären Kreise der wir-bewussten Physiker, Zen-Buddhisten oder welcher wir-bewussten Spezies auch immer anzugehören. Ich muss sehen, bei wem ich einen Fuß in die Tür kriege. Ausdrücklich weist mich benannter Kundenberater darauf hin, dass ich keinesfalls mehr als zwei Varianten des exklusiven Wir-Bewusstseins erstehen darf, um hochsensiblen Aufbau und notwendiges Klassenwesen besagten Bewusstseins unter keinen Umständen zu gefährden. Sofern mir aber tatsächlich noch ein Wir-Bewusstsein zugestanden werden wolle (ich habe das Gefühl, er glaubt nicht wirklich daran), solle ich mich bitte strikt von Mitgliedern anderer wir-bewussten Wir-Bewusstseine fernhalten. Zusammenarbeit und gegenseitiges Verständnis gingen noch viel weniger. Denn unschöne Vermengungen und Vermischungen – das wäre sicher das letzte, was das Wir-Bewusstsein gebrauchen könne.
An
mir soll es nicht liegen, ich hoffe nur, dass ich mich überhaupt noch wert
eines Wir-Bewusstseins erweise. Irgendeines. Ist mir egal welches. Ich
verspreche daher, mich im Fall der Fälle kategorisch an diesen Punkt zu halten,
und nehme mir das siebzehnte Exemplar der von mir angeforderten
Formularausdrucke vor.
Drei Tage später habe ich Glück. Was heißt Glück – einzig der Erfolg von Muße, Hingabe und zwei Dutzend Bleistiften. Und natürlich ein wenig Kombinationsgabe. Ich erhalte tatsächlich den Zuspruch für das Wir-Bewusstsein des Christus-Experten und gleichfalls für das Wir-Bewusstsein des Mitglieds des Ashtar-Kommandos. Da kommen mir christliche Erziehung und Religionsunterricht wohl doch noch zugute. Und, nun ja, hier und da ein wenig Raumschiff Enterprise.
Egal,
Wir-Bewusstsein ist Wir-Bewusstsein. Ist es ganz und gar nicht, ich weiß –
die Unterschiede sind beträchtlich. Dennoch bin ich froh, immerhin zwei ganze
Wir-Bewusstseine zu erwerben und das Maximum an Zulässigkeit somit eben einmal
ausgeschöpft zu haben.
Und es lohnt: In den nächsten Tagen werde ich meine beiden Wir-Bewusstseine erhalten ("meine beiden Wir-Bewusstseine", klingt mir noch ganz ungewohnt, aber ich werde mich daran gewöhnen), werde den Segen der allumfassenden, herrlichen Einheit allen Seins erfahren und in den Genuss wunderbar gerechter Passform und hochwertigen Tragekomforts kommen. Es soll mich daher kaum kümmern, dass ich von meinen einstigen spirituellen Gefährten größtenteils Abschied nehmen muss. Denn von nun an leben wir in verschiedenen Welten. Der Grund, weshalb das mit dem globalen Wir-Bewusstsein auch schon hinkommt.
Es
soll mir gleichfalls nichts ausmachen, dass ich meine Garderobe geringfügig
werde umstellen müssen - schließlich warten meine spezifischen
Wir-Bewusstseine mit jeweils kuriosen Farbkombinationen auf. Einzig im Sinne der
unzweifelhaften, eindeutigen Zuordbarkeit meines wir-bewussten Wesens natürlich.
Aber ob es gleich "Variationen des Kanarienvogels" und "Schlumpf
trägt heute Schottenkilt" hätten sein müssen – ich weiß ja nicht. Ich
werde sehen, was ich dazu anziehen kann. Das Wir-Bewusstsein für Lichtarbeiter
hätte farblich fürwahr besser gepasst. Doch nicht zu ändern.
Dafür darf ich nun mit den Christus-Experten und Mitgliedern des Ashtar-Kommandos in Nahkontakt treten, mich mit ihnen – und zwar bitte nur mit ihnen - für ein voranschreitendes Einheitsdenken dieser Welt einsetzen und weiterhin jedwede fremde Artgenossen mit den Worten begrüßen: "Ich bin wir – und wer seid ihr?"
Ganz gleich was sie antworten – sie werden es nicht leicht haben, der allumfassenden Einheit dieses Universums beizutreten, von der uns das Wir-Bewusstsein so vorzüglich berichtet. Denn wie schwierig es ist, eigens endlich "Allem“ anzugehören - davon weiß ich wahrlich ein Lied zu singen.
Selbstbilder
Die Spiritualität kann nicht nur hervorragend heilen - sie kann unter Umständen auch kurzfristig traumatisieren. Woran wir selbst im Zweifelsfall nicht ganz unschuldig sind.
Wenn nämlich beispielsweise geistliche Eminenz & Kardinalpriester soundso, der sich hier und heute für die kategorische Zusammengehörigkeit von Sexualität, Ehe & Fortpflanzung einsetzt, und somit kompromisslose Ehe- und Sexualmoral vertritt, eines Tages mehr oder minder unfreiwillig in Erfahrung bringt, dass niemand anders als er selbst in zurückliegender Inkarnation den Giacomo Girolamo Casanova gab, wird sein gewohntes Weltbild unter Umständen gehörig ins Wanken geraten. Tatsache aber bleibt: Niemand außer Casanova kann etwas für Casanova. Gleiches gilt für einstiges vergnügtes Tun & Treiben.
Nun gut, ich meine, auch außerhalb der Spiritualität ist das mit dem Selbstbild bereits eine ausreichend diffizile Angelegenheit: Wir brauchen uns lediglich bei Gelegenheit 'Deutschland sucht den Superstar' oder ähnliches sowie dazugehörige Castings zu Gemüte zu führen, und werden recht schnell zu der Einsicht gelangen, dass proklamiertes Selbstbild und Realität nicht immer & in jedem Fall viel miteinander gemein haben müssen ['Sag mal, Du glaubst jetzt aber nicht wirklich, dass Du singen kannst?' 'Doch.' 'Und was sagen Deine Freunde?' 'Die sagen auch, dass ich singen kann.' 'Junge, Du hast keine Freunde...!!']
Insbesondere die Spiritualität aber wird sich zumeist relativ gnadenlos zeigen, was die Korrektur des von uns so sorgsam kultivierten Selbstbildes betrifft. Tatsächlich wird es sie nur wenig bis überhaupt nicht interessieren, dass wir Jahre der sorgfältigen wie liebevollen Hege & Pflege investierten, um unser Selbstbild zu dem zu machen, was es heute ist: äußerst geschmackvoll, wohlproportioniert und formschön.
Dennoch sollten wir keineswegs davon ausgehen, dass wir im spirituellen Background ausschließlich geläuterten, wirklichkeitsnahen Menschen begegnen. Merke: Auch wir Spirituellen haben da unsere Tricks. Einmal mehr, wenn der Erhalt und die Generalverteidigung eines aparten Selbstbildes auf der Tagesordnung stehen.
Demnach: Ganz egal, ob es Dir um Wahrheit oder um die uferlose Selbstverherrlichung Deines Ich's gehen will - in beiden Fällen bist Du in der Spiritualität richtig. Goldrichtig sogar!
Sei Dir sicher: "Hier werden Sie geholfen...!"
Ich
bin, wer ich denke, der ich sein sollte. Insofern ist das mit dem Selbstbild
eine äußerst praktische Angelegenheit. Denn immerhin gewährt mir selbes eine
Menge Spielraum meiner persönlichen Selbstbetrachtung. Erinnere: Wahrnehmung
ist subjektiv. Deshalb ist es auch keinerlei Problem, mit Hilfe unseres
Selbstbildes anzunehmen, wir wären schön, intelligent, interessant und sexy.
Nehmen wir beispielsweise mich: Ich bin schön, intelligent, interessant und
sexy. Und das stimmt jetzt wirklich. Tatsache ist, dass ein zweiter, dritter
oder vierter zwar anderes behaupten können wird, aber – er wird niemals Recht
haben. Ich wiederhole: Wahrnehmung ist subjektiv. Nicht aber die meine.
Beweis
der mir soeben zugesprochenen Raffinesse (s.: ich bin intelligent) stellt darüber
hinaus der Umstand dar, dass ich vorrangig Menschen zu meinen Freunden mache,
die mir mein Selbstbild bestätigen. Sprich: Menschen, die von mir annehmen, was
ebenfalls ich von mir annehme. Und somit Menschen, die ohne jeden Zweifel wissen
(und gegebenenfalls auch unter Eid beschwören), dass ich schön, intelligent,
interessant und sexy bin. Wen interessiert es, wenn ich es nicht bin? Weiß ja
keiner. Siehe: Noch nicht einmal ich selbst.
Wer
allerdings ernsthaft daran interessiert ist, sein formschönes, jahrelang bewährtes
Selbstbild fortwährend aufrecht zu erhalten, sollte ein wenig Acht geben,
welche Wege er in seiner spirituellen Beschäftigung beschreitet. Merke: Nicht
jede Praxis ist geeignet, um unserem wohlproportionierten Selbstbild auf Dauer
angemessenen Rückhalt zu bieten. Solange es uns jedoch gelingt, uns ausschließlich
an unsere Interpretationen, Mutmaßungen und persönlichen Überzeugungen zu
halten, werden wir auch weiterhin viel Freude mit unserem Selbstbild haben. Und
diese Freude - mittels einigem Geschick und dank ausgesuchter spiritueller
Praxis - sogar unter Umständen noch um einiges steigern können.
Der
schöne, intelligente, interessante, sexy und gleichfalls spirituelle Mensch
kann somit jegliche Erkenntnis, die er im Rahmen seines spirituellen Engagements
erwirbt - nehmen wir beispielsweise Reinkarnationen, Sternensaat oder aber
geistige Hierarchien - wunderbar in geeigneten Dienst seines Selbstbildes
stellen. Er wird daher herausfinden - meint interpretieren, mutmaßen und
ureigene Überzeugung sein lassen - dass er in einem früheren Leben
vorzugsweise Kleopatra gewesen sei, hiernach als Albert Einstein inkarnierte und
schlussendlich für zwei, drei Leben den Planeten wechselte, um auf dem Mars
frische Luft zu schnuppern. Was selbstverständlich nicht eben
einmal jedem Wesen gewährt sein will. Anschließend ging er, zurückgekehrt
auf Planeten Erde, als erster oder erste Mister oder Misses Universe in die
Geschichte ein. Und hier und heute? Hier und heute ist er eigentlich ganz zufällig
da. Genaugenommen ist er von der geistigen Hierarchie gesandt worden – deren
oberen Ligen er zweifellos angehört - um diese Welt von Unwissen und Barbarei
zu befreien. Ein anspruchsvolles Großprojekt – niemand könnte dies besser
wissen als er.
Bis
hierhin stimmt also alles überein. Besagtes Wesen ist schön, intelligent,
interessant und sexy. Und spirituell. Nicht zuletzt seine
spirituelle Vita gibt seinem formschönen Selbstbild ausreichend Recht. Daher:
Selig die Spiritualität, die uns herausfinden lässt, was wir längst schon
wussten.
Schon
etwas schwieriger wird das mit unserem formschönen und jahrelang bewährten
Selbstbild, wenn ich mittels spiritueller Theorie und Praxis etwas tiefer in
mein Sein und Wesen einzudringen wünsche. In der Tat ließe sich auch diese
Klippe gefahrenlos umschiffen, wenn ich nämlich schlicht imstande wäre, mein
Selbstbild tapfer und wacker gegen jeden Widerstand zu verteidigen. Eine gehörige
Portion Selbstvertrauen, Härte, Robustheit sowie ein ausgeprägtes Ego stehen
uns zu diesem Zweck allezeit wie unentwegt zur Seite. Aber: Ich sprach davon,
dass ich schön, intelligent, interessant und sexy wäre. Ich sagte nicht,
dass ich robust, hart und voller Selbstvertrauen sei. Und mein Ego? Nun ja, es
ist schlicht und einfach in manchen Fällen etwas bequem (sicherlich eine kaum
nennenswerte Schwäche von ihm). Und lässt mich daher kaum selten im Stich,
wenn es darum geht, stichhaltige Argumente zu finden, weshalb Tatsache ist, dass
ich so bin, wie ich denke, dass ich sein sollte.
Dennoch
der Reihe nach: Nicht nur, dass ich schön, intelligent, interessant und sexy
bin, als auch in keiner Weise robust, hart und ganz wie vollkommen von mir
selbst überzeugt – ihr durftet mich bis hierher schon sehr gut kennen lernen
- nicht doch, bis vor kurzem nahm ich ebenfalls an, dass ich ein soziales, überaus
mitfühlendes, aufopferungsvolles und politisch korrektes Wesen wäre.
Ich
sagte: Bis vor kurzem. Denn vor kurzem beging ich einen gravierenden Fehler: Ich
suchte ein medial versiertes Wesen auf, um es für mich in der Akasha-Chronik
lesen zu lassen. Zur Erklärung: Die Akasha-Chronik ist eine gewaltige Datenbank
der Ewigkeit, eine Art Mega-Gedächtnis der Welt. Gewissermaßen ein
feinstofflicher 'Super-Computer', in dem sich alles und jedes gespeichert
findet, was auf der Erde jemals geschehen ist. In dem alles aufgehoben ist, was
beliebiges Wesen jemals gedacht, gefühlt, gesagt und/oder getan hat. Exakt und
detailgetreu. In dieser 'Weltenchronik' sind somit die Erfahrungen, das Wissen
und Bewusstsein aller irdischen Existenzen enthalten, die sich jemals auch nur
kurz-, mittel- oder langfristig auf diesem Planeten aufgehalten haben.
Folgerichtig findet sich in besagter Akasha-Chronik jedoch nicht nur das
gesammelte Tun und Wirken jeden Seins dieses Planeten – sondern
vor allem auch das gesammelte Tun und Wirken meines Seins. Und
zwar von Anbeginn der Zeiten bis hier und heute. Äußerst interessant
nachzulesen, kann ich Euch sagen - insbesondere wenn es um Bestätigung unseres
eigens proklamierten Selbstbildes geht. Jedes Medium aber wird uns diesen Dienst
gerne erweisen.
Behalten
wir nachfolgend bitte unbedingt im Gedächtnis, dass sich in besagter Chronik
Tun und Wirken x-beliebigen Wesens aufgezeichnet findet, und wir hier demzufolge
mit einer schier unglaublichen Menge von Daten und Informationen zu tun haben
– dieser Punkt wird sich noch als äußerst relevant erweisen.
Mein
Anliegen mit Besuch genannten Mediums war tatsächlich, meinem Selbstbild
erneuten Auftrieb zu verschaffen, denn mittlerweile langweilte ich mich geringfügig
mit dem Wissen, Kleopatra, Einstein, Mister oder Misses Universe und schließlich
Marsianer gewesen zu sein. [Jawohl, angeführte Beispiele waren keineswegs zufällig
gewählt – ich war das.] Ich brauchte tatsächlich neue Frische, um Formschönheit
weiterhin Formschönheit sein zu lassen, und nicht zuletzt um meinen repräsentativen
Pflichten nach wie vor ausreichend selbstherrlich gerecht werden zu können.
Angeführtes Medium aber fand weder Kleopatra, noch Einstein, noch Mister oder
Misses Universe, und auch nicht meine Zeit auf dem Mars in meinem Werdegang
verzeichnet. Dafür fand sie anderes.
Ich bin mir mittlerweile sicher, dass sie schlicht die Akten verwechselte. Erinnern wir wie erbeten: In der Akasha-Chronik findet sich nicht allein mein Tun und Wirken, sondern gleichwohl dasjenige allen Seins und Wesens – von Anbeginn der Zeiten bis hier und heute. Wie leicht kommt man in dieser Fülle von Akten und Daten aber durcheinander. Was besagtes Medium allerdings demhingegen in meiner Akte zu finden meinte – ich weiß nicht genau, was ich davon halten soll.
Gedenke: Ich bin schön, intelligent, interessant und sexy. Bis vor kurzem war ich zudem sozial, überaus mitfühlend, aufopferungsvoll und politisch äußerst korrekt. Wie soll dies nun bitteschön damit übereinstimmen, dass ich in vergangenen Inkarnationen angeblich belogen und betrogen, verraten und intrigiert haben soll? Passt nicht zusammen? Sage ich ja. Sie muss ohne Zweifel die Akte von einem anderen Wesen gegriffen haben. Es gibt ja auch wirklich zu viele von ihnen. Vielleicht war vorliegende Akte die von Sascha Krost, von Saskia Katharina Rost oder vielleicht auch von Saskia Kost. Ich habe keine Ahnung.
Dennoch habe ich in der Zwischenzeit recherchiert. Ausgiebigst. Überall. Weltweit. Ohne Ausnahme. Lassen einem ja keine Ruhe, diese unverfrorenen Vorwürfe.
Und
siehe da: Es gibt eine Saskia Kost. Genaugenommen eine einzige – in Lappland.
Ich habe mir vorgenommen, sie bei Gelegenheit telefonisch zu kontaktieren und
ihr von ihren unglaublichen Schandtaten zu berichten. Mir bleibt leider keine
andere Wahl - ist es doch für unsere seelische Evolution von übergroßer
Bedeutung, dass wir uns selbst in die Augen blicken, Verantwortung übernehmen,
uns als Täter anerkennen und unser persönliches Selbstbild Tatsächlichem
entsprechend korrigieren. Und ich meine zu wissen, dass werte Frau Saskia Kost
in Lappland in dieser Hinsicht ein überdeutliches Defizit hat. Nicht nur, dass
sie von ihren Missetaten bisher bestimmt nichts weiß, nein, sie schiebt sie darüber
hinaus auch noch mir in die Schuhe!
Meine mediale Beraterin indessen spricht, dass es häufiges und weit verbreitetes Phänomen wäre, dass wir uns selbst als das genaue Gegenteil von dem erachten, wer oder was wir tatsächlich seien. Ein Trick der Selbstwahrnehmung motiviert seitens des Ego. Nun gut, ich meine - erzähle ich ihr, dass sie in Wahrheit ein Mann wäre? Ganz offensichtlich ist sie dies nicht. Mir aber soll demnach absolut unklar bleiben, was sie mir hier wiederum gerade weiszumachen versucht.
Mediale
Beraterin klärt mich ferner darüber auf, dass unser Selbstbild fortwährend
danach verlange, von uns aufrecht erhalten zu werden. Dieses aber realisieren
wir, indem wir unsere eigens verleugneten Eigenschaften permanent projizieren.
Und somit immer nur bei anderen wahrnehmen, was wir bei uns selbst nicht
wahrzunehmen wünschen. Na, bitte, da haben wir es ja. Meine Beraterin
projiziert auf mich! Tatsächlich liest sie also aus ihrer eigenen Akte. Ich
werde mich bei Frau Saskia Kost in Lappland entschuldigen müssen. Obwohl,
bisher weiß sie ja noch gar nichts von ihren angeblichen Übeltaten. Ist
vielleicht auch besser so, zu übel diese Taten.
Und schließlich berichtet meine mediale Beraterin, dass unsere ärgsten Widersacher und Konkurrenten zumeist diejenigen Wesen wären, die uns unsere verleugneten Selbstanteile andauernd widerspiegeln. Die uns also in Wahrheit ähnlich und recht verwandt seien.
Nicht zuletzt würden wir jedoch vehement gegen alles und jeden vorgehen, der oder das uns unser gewohntes Selbstbild zunichte zu machen drohe - Tatsachen, die wir natürlich ebenso weit von uns schieben und leugnen.
Also
mittlerweile geht mir meine liebe Beraterin wirklich auf den Keks. Merkt sie
denn nicht, dass sie andauernd versucht, von sich selbst abzulenken? Ja, ja,
immer nur andere zum Buhmann machen, das haben wir gerne. Merkt sie nicht, was für
ein kämpferisches, egozentrisches und dominantes Wesen sie tatsächlich ist?
Funktioniert ja wohl gar nicht. Ich werde sie auf meine schwarze Liste setzen.
Oder am besten gleich erschießen. Und eine Weiterempfehlung kann sie sich auch
abschminken. Vielleicht hat sie ja irgendein Problem mit mir, wer weiß. Oder
sie hat überhaupt irgendein Problem. Also davon gehe ich jetzt mal im mindesten
aus.
In
der Zwischenzeit spricht meine mediale Beraterin, dass ich tatsächlich ein sehr
kämpferisches, egozentrisches und dominantes Wesen wäre. Na toll, kann ich
jetzt auch hellsehen oder wie? Dachte ich selbes nicht gerade über sie?
Anscheinend projiziert sie schon wieder auf mich. Oder projiziere ich gerade auf
sie? Ich blicke hier irgendwie nicht mehr durch. Doch: Woher wusste ich, welche
Eigenschaften sie exakt gleich nennen würde? Ist sie hier das
Medium oder ich? Aber Moment: Unter Umständen projiziere ich ja
nur auf sie, sie wäre ein Medium – und in Wahrheit bin ich das
Medium. Also das könnte ich mir unter Umständen noch gefallen lassen.
Dies
hieße im Umkehrschluss aber auch, dass sie kämpferisch,
egozentrisch und dominant wäre – und nicht ich. Ich bin ja das Medium. Na
bitte, stimmt doch wieder. Ich scheine zu begreifen.
In
einer Sache ist sie aber schlicht zu weit gegangen, Selbstbild, subjektive
Eigenwahrnehmung und Projektion hin oder her. So behauptete sie tatsächlich,
dass meine Lektion des Mitgefühls faktisch noch ausstehe, ich weder sozial noch
aufopferungsvoll wäre, und dass ich auch die 'politische Korrektheit' in
vergangenen Inkarnationen zu einem äußerst dehnbaren Begriff gemacht hätte.
Na klasse, was soll das jetzt wieder? Doch sie ist noch nicht einmal fertig mit
ihren Ausführungen. So spricht sie weiter, dass mir insbesondere Jahrhunderte
zurückliegende Zeiten lieb und teuer gewesen wären, da man hier so schön rüpeln,
prügeln & Kräfte messen konnte, und ich in diesen Leben mit Vorliebe Kämpfe
ausgefochten, gemordet und erschlagen, und mir nicht zuletzt in dieser Ära eine
ganze Reihe Feinde geschaffen hätte. So, jetzt reicht's aber wirklich. Das soll
sie erst einmal beweisen. Ich wünsche stichhaltige Indizien. Und zwar bevor
sie derlei gewagte Anschuldigungen tätigt. Ich fordere genaues Datum,
Ortschaft, vor allem aber exakte und sekundengetreue Uhrzeit, zu der diese Taten
vermeintlich stattgefunden haben sollen. Ich bin mir ohne jeden Zweifel sicher,
dass ich über ein wasserdichtes Alibi verfüge. Bestimmt war ich gerade auf dem
Mars oder so. Ganz abgesehen davon, dass ich mich an keines dieser Leben
erinnern kann. Ganz im Gegensatz zu Kleopatra.
Zum Abschluss gibt sie mir schließlich sinngemäß mit auf den Weg, ich solle mich noch anstehender Aufgaben annehmen und somit das Mitgefühl erlernen. Womit ich jetzt nun wirklich nichts anzufangen weiß. Steht vielleicht jemand hinter mir? Oder sehe ich etwa aus wie jemand, den sie kennt? Ich weiß einfach nicht, mit wem sie spricht. Ach so, sie spricht ja gar nicht mit mir - sie spricht mit sich selbst. Scheint schon eine vertrackte Sache mit diesem Selbstbild, der Projektion und so w